Vinzenz-Verbund geht in überregionalen Elisabeth Vinzenz Verbund über

Nach Fusion: Mobile Ärzte statt Verlegung am Kasseler Elisabeth-Krankenhaus

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Von nun an Teil des Elisabeth Vinzenz Verbunds: Das Elisabeth-Krankenhaus am Weinberg.

Kassel. Der Träger des Elisabeth-Krankenhauses (Vinzenz-Verbund) fusioniert mit Elisabeth Vinzenz Verbund. Wir erklären, was die Fusion für Patienten und Personal bedeutet.

Der bisher eigenständige Vinzenz-Verbund, Träger des Elisabeth-Krankenhauses am Weinberg, fusioniert mit dem Elisabeth Vinzenz Verbund (EVV). Die Einrichtungen des Vinzenz-Verbunds, zu denen auch der Standort Kassel gehört, werden in den überregional tätigen EVV überführt. Doch was bedeutet das nun für die Patienten und das Personal?

Von vorne: Warum kam es überhaupt zur Fusion?

Schlichtweg wegen eines Mangels an Nachwuchs. Von den knapp 80 verbliebenen Ordensschwestern in der Kongregation seien nur noch zehn unter 65 Jahre, sagt Marieluise Labrie, Direktorin im Elisabeth-Krankenhaus. Um die Zukunft der Einrichtungen des Vinzenz-Verbunds zu sichern, sei diese Entscheidung von den Schwestern selbst angestoßen worden. Das Elisabeth-Krankenhaus sei dadurch in die Liga der großen deutschenKrankenhaus-Verbünde aufgestiegen, sagt Labrie.

Was verändert sich durch die Fusion am Standort Kassel?

Jedes Haus solle seinen eigenen Charakter bewahren, stellt Dr. Ralf Paland, Geschäftsführer des Elisabeth-Krankenhauses, klar. Der vinzentinische Geist solle erhalten bleiben und in die Zukunft transportiert werde. Jedoch könne man durch die Vernetzung auf vielen Ebenen voneinander profitieren.

Was heißt das denn im Konkreten?

Zum einen soll die Versorgung der Patienten optimiert werden. Praktisches Beispiel: Mussten Patienten, die einer speziellen Behandlung bedürfen, bisher häufig für einen Eingriff in ein Krankenhaus verlegt werden, wo ein Spezialist für die jeweiligen Fälle tätig ist, gibt es zukünftig die Möglichkeit, dass die Spezialisten zum Patienten kommen.

Paland nennt sie reisende Operateure: Spezialisten aus anderen Häusern des EVV, die bei Bedarf inklusive Team für Operationen und Eingriffe angefordert werden können. Die Diagnose könne in vielen Fällen noch aus der Ferne erfolgen, für den Eingriff kämen die Ärzte dann zu den Patienten. Zwar geht damit ein erhöhter koordinativer Aufwand hinsichtlich der Dienstpläne einher, dem Patienten bleibt aber eine anstrengende Verlegung erspart.

Wer soll außer den Patienten noch profitieren?

Das Personal. Durch das größere Netzwerk an Kliniken, das durch die Fusion entsteht, sollen sich den angestellten Ärzten und Pflegekräften zahlreiche Möglichkeiten zur Fort- und Weiterbildung bieten. Auch ein Arbeitsplatzwechsel innerhalb des Verbundnetzes wird leichter.

Werden Tätigkeiten von Kassel in die Zentrale in Berlin verlagert? Ist mit Stellenabbau zu rechnen?

Die Verantwortlichen im Elisabeth-Krankenhaus betonen, dass es durch die Fusion keinen Stellenabbau am Standort geben wird, auch nicht in der Küche. Einige Häuser kochen inzwischen nicht mehr selbst, sondern lassen sich von Partnerkliniken aus dem Verbund mit Essen beliefern. Generell würden keine für den Standort wichtigen Tätigkeiten an andere Häuser oder die mit lediglich zehn Mitarbeitern besetzte Zentrale in Berlin outgesourct.

Trotzdem könnten Arbeitsweisen durch die Fusion auch ökonomisiert werden, sagt Paland. Schon bald sollen Arbeitsgruppen aus den Häusern des Verbunds gebildet werden, die begutachten, welche gemeinsamen Konzepte etwa in der Finanzbuchhaltung sinnvoll wären. Auch Einkäufe würden zukünftig koordiniert, da größere Mengen günstiger seien. Dinge wie Personalgewinnung hingegen blieben Häusersache.

Hintergrund: Das steckt hinter den Verbünden

Der EVV mit Sitz in Berlin ist einer der größten katholischen Träger von Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und Ausbildungsstätten in Deutschland mit mehr als 8500 Mitarbeitern. Durch die Verschmelzung mit dem Vinzenz-Verbund befinden sich nun 14 Krankenhäuser in Berlin, Dresden, Duderstadt, Eutin, Halle (Saale), Hannover, Hildesheim, Kassel, Lahnstein, Magdeburg, Nassau, Reinbek und Salzgitter in seiner Trägerschaft. 

Der Vinzenz-Verbund ist ein Unternehmen im Bereich der Pflege und insbesondere eine Klinikgruppe und gehörte bisher der Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul an.

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