150 Familien haben am Samstag erneut gegen den andauernden Kita-Streik protestiert

Eltern vor der Zerreißprobe

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Eltern-Demonstration gegen den Kita-Streik: Vor dem Kasseler Rathaus endete der Demonstrationszug, der am Samstagnachmittag bei Ver.di an der Kölnischen Straße 81 gestartet war.

Kassel. 150 Eltern und ihre Kinder sind Samstag auf die Straße gegangen, um ihre Not und ihr Unverständnis angesichts des Streiks in den kommunalen Kitas zum Ausdruck zu bringen.

Bewusst habe man die Wegstrecke vom Büro der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di an der Kölnischen Straße bis zum Kasseler Rathaus gewählt, sagt Pietra Rüppel (32), eine der Initiatorinnen der Demonstration. „Wir wollen symbolisch eine Brücke zwischen den Verhandlungspartnern herstellen, die ja offensichtlich nicht miteinander reden. Wir sagen: Einigt euch.“ Die Mutter von zwei drei- und sechsjährigen Kindern hat das Glück, wie sie sagt, einen Notdienstplatz bekommen zu haben. „Da kommt man nicht mehr zu Fuß hin und unser Vorschulkind Sarah möchte sich ja auch von ihrer Kita Jungfernkopf verabschieden, eine Zuckertüte basteln, all das findet für sie nicht statt.“

Vor allem die Sorgen um ihre Kinder treiben den Protest der Eltern an. „Mama, wo schickst du mich denn heute hin?“, habe ihr dreijähriger Sohn Liam kürzlich gefragt, sagt Josephine Bartel (27). „Da sind mir fast die Tränen gekommen.“ Die Team-Leiterin im Marketing-Bereich hatte in den vergangenen Wochen wie die meisten Eltern Organisations-Chaos in Sachen Kinderbetreuung. Die Großeltern seien eingespannt gewesen und Liams Papa habe sich Urlaub genommen. „Wir haben kein normales Leben mehr, wir sind am Ende, es reicht.“

Pietra Rüppel

Schließlich habe man doch einen gesetzlichen Anspruch auf Kinderbetreuung, sagen auch Susann (29) und Norman Menninger (32). Susann, eine Modedesignerin, ist vier Tage die Woche auswärts tätig. Papa Norman hat mit seinem Arbeitgeber SMA vereinbaren können, dass er, um seine Kinder Lewis und Henry betreuen zu können, von zuhause aus arbeitet. „Nur durch die Kulanz meines Chefs ist eine Betreuung möglich“, sagt Menninger. Beim Bahnstreik sei stets der dadurch verursachte materielle Schaden ausgerechnet und beklagt worden, aber der Kita-Streik interessiere scheinbar nur die Familien: „Kinder haben keine Lobby.“

Die Marketingmanagerin Nicole Schmeck (35) befindet sich im Mutterschutz, weil sie in den nächsten Tagen ihr zweites Kind erwartet. Töchterchen Lieselotte (3) sollte jetzt eigentlich von der Krippe in die Kindergartengruppe wechseln. Ein wichtiger Schritt, den sie nun verpasse. Stattdessen wird sie von der Mama betreut. „Wie das dann mit Baby gehen soll, weiß ich nicht“, sagt Nicole Schmeck.

Eltern protestieren gegen Kita-Streik

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