Blick auf die Kasseler Krankenhauslandschaft

Ende der Koch-Klinik in Kassel: 57.000 Kinder erblickten hier das Licht der Welt

+
Tausende Kinder kamen in der Koch-Klinik in Bettenhausen zur Welt: Das brachte der Koch-Klinik den Namen Storchenlandeplatz in Bettenhausen ein.

Die DRK-Kliniken Nordhessen schließen den Standort in Bettenhausen, die einstige Koch-Klinik. Wir blicken zurück und werfen einen Blick auf Kassels Krankenhauslandschaft.

Obwohl sie bereits 2010 von den Diakonie Kliniken Kassel und 2016 von den DRK-Kliniken Nordhessen übernommen wurde, ist die ehemalige Koch-Klinik bis heute unter diesem Namen bekannt. Mit viel Wehmut verfolgten wohl Menschen aus Stadt und Landkreis die Schließung der Frauenklinik am 11. Juni 2016, schließlich haben viele dort das Licht der Welt erblickt. 

Insgesamt kamen seit der Gründung der Klinik Dr. Koch rund 57.000 Kinder zur Welt. Das brachte der Koch-Klinik den Namen Storchenlandeplatz in Bettenhausen ein. Bis zur Schließung kamen jährlich 2000 Kinder zur Welt.

Angefangen hatte alles ganz klein: 1954 gründete der damals 35-jährige Gynäkologe Dr. Erich Koch gemeinsam mit seiner Ehefrau Maria eine kleine Privatklinik mit zwölf Betten im Kasseler Osten. Zum Bestand gehörten ein OP-Raum, ein Kreißssal, Vorbereitungsraum, Bäder und Zweibettzimmer. Erich Koch betrieb schon eine Praxis im Dormannweg 19 in Bettenhausen. Das Ehepaar wollte zu einer besseren Krankenhausversorgung in den schwierigen Nachkriegsjahren beitragen. 

Klinik wuchs immer weiter

Schnell wuchs die Klinik immer weiter. Schon ein Jahr später wurde sie auf 20 Betten erweitert, weitere drei Jahre später wurde das Gebäude um zwei Geschosse aufgestockt; es gab dann 42 Betten.

Bis zum Anfang der 1970er-Jahre hatte sich die Bettenzahl auf 110 mehr als verdoppelt. Ende der 80er-Jahre entschied sich das Ehepaar Koch, aus der Klinik eine GmbH & Co KG zu machen und einen Geschäftsführer einzusetzen. Geschäftsführer wurde der Kaufmann Rolf Kliche. Dr. Erich Koch starb 1997 im Alter von 78 Jahren. Der Name änderte sich von „Frauenklinik Dr. Koch“ in „Klinik Dr. Koch“.

Neubau in der Nachkriegszeit: Die Klinik Dr. Koch sah so kurz nach ihrer Fertigstellung 1954 aus.

Im 50. Jubiläumsjahr 2004 versorgte die reine Belegarztklinik rund 5500 Patienten jährlich. Außerdem bot sie die Abteilungen Gynäkologie und Geburtshilfe, Chirurgie, Gefäßchirurgie, Unfallchirurgie sowie plastische Chirurgie an. Durch eine Kooperation mit dem Kinderkrankenhaus Park Schönfeld betrieb die Klinik Dr. Koch die größte Geburtshilfeabteilung in Nordhessen.

Verkauf an Diakonie-Kliniken

Weil die Bedingungen für ein Belegarztkrankenhaus im Hinblick auf das Abrechnungssystem und Haftpflichtversicherungsprämien der Ärzte schwieriger wurde, entschlossen sich die Eigentümer, darunter auch Belegärzte, die Koch-Klinik im Jahr 2010 an die Diakonie-Kliniken (heute Agaplesion Diakonie Kliniken Kassel) für einen einstelligen Millionenbetrag zu verkaufen. Diese investierte rund 1,3 Millionen Euro für einen Erweiterungsbau mit zwei Kreißsälen und einem Operationssaal. 2012 eröffnete die Diakonie-Klinik die Koch-Klinik nach Sanierung und Anbau neu.

Vier Jahre später übernahm das Rot-Kreuz-Krankenhaus (heute DRK-Kliniken Nordhessen) die Immobilie an der Pfarrstraße. Die dort untergebrachte Frauenklinik wurde mit den Abteilungen Frauenheilkunde, Geburtshilfe und vorgeburtliche Medizin in das neu gebaute Diakonissen-Krankenhaus in den Vorderen Westen, wo sie bis heute fortbesteht. Schwerpunkt war nun in Bettenhausen vor allem die Betreuung und Versorgung älterer Patienten. 

Damit ist nun auch Schluss. Wie berichtet, nehmen die DRK-Kliniken Nordhessen eine umfassende Restrukturierung vor. Die Immobilie soll verkauft werden. Wie eine künftige Nutzung aussehen könnte, ist noch nicht absehbar. Damit schließt das einzige Krankenhaus östlich der Fulda.

DRK-Kliniken wollen Kosten sparen

Die DRK-Kliniken Nordhessen nehmen eine umfassende Restrukturierung vor. Weil das Unternehmen für 2019 ein deutliches Defizit erwartet, schließt es, wie bereits berichtet, seinen Standort in Bettenhausen, die ehemalige Koch-Klinik. Das bestätigte das Unternehmen bei einer Pressekonferenz. Daneben wurde der bisherige Geschäftsführer Michael Gribner mit Wirkung zum 2. September abberufen. 

Der Verwaltungsrat hat den Prokuristen und Leiter der Finanzbuchhaltung Jens Horstmann zum 1. Januar 2020 zum Geschäftsführer bestellt. Gemeinsam mit Claudia Nehrig, Pflegedirektorin und Geschäftsführerin an den DRK-Kliniken Nordhessen, wird er die Restrukturierung vornehmen. 

Übersicht der Kasseler Krankenhäuser.

Um das negative Ergebnis auszugleichen, werden die Leistungen des Standorts Bettenhausen an die beiden anderen Standorte in Kaufungen und Wehlheiden gebündelt, die Altersmedizin zum Beispiel werde nach Kaufungen verlegt, die Diabetologie nach Wehlheiden. So könnten Kosten eingespart werden, die etwa für Logistik oder Energie anfallen, sagte Nehrig. Mit diesem Schritt könnten Einsparungen im hohen sechsstelligen Bereich erwirtschaftet werden. „Wir gehen davon aus, dass wir in zwei bis drei Jahren wieder wirtschaftlich aufgestellt sind.“ 

Die Immobilie an der Pfarrstraße soll verkauft werden, Interessenten gebe es bereits. Wie eine künftige Nutzung aussieht, ist noch unklar. „Das erfolgt als zweiter Schritt“, sagte Nehrig. Zunächst konzentriere man sich auf dem Umzug, der bis zum 1. Oktober erfolgt sein soll. Als weitere Maßnahme werde zum Jahresende ein Restrukturierungsmanager eingestellt, der gemeinsam mit der neuen Geschäftsführung in den kommenden zwei Jahren die Restrukturierung umsetzt. 

Betriebsbedingte Kündigungen soll es ebenfalls nicht geben. „Auf das Personal können wir nicht verzichten.“ Die rund 60 Mitarbeiter des Standorts Bettenhausen seien traurig über diese Entscheidung, sagte Nehrig, sie hätten aber auch Verständnis gezeigt.

Diese Kliniken gibt es:

Klinikum Kassel: 1200 Betten, 26 Abteilungen, über 430 Ärztestellen, gnh.net 

DRK-Kliniken Nordhessen mit den Standorten in Wehlheiden und Kaufungen: 320 Betten, 12 Abteilungen, über 90 Ärztestellen, drk-nh.de 

Agaplesion Diakonie Kliniken Kassel: 316 Betten, 10 Abteilungen, über 75 Ärztestellen, diako-kassel.de 

Elisabeth-Krankenhaus Kassel: 240 Betten, 6 Abteilungen, über 70 Ärztestellen, elisabeth-krankenhaus-kassel.de 

Marienkrankenhaus Kassel: 169 Betten, 7 Abteilungen, über 54 Ärztestellen, marienkrankenhaus-kassel.de 

Vitos Orthopädische Klinik Kassel: 140 Betten, vitos-okk.de 

Paracelsus-Elena-Klinik Kassel (Neurologisches Akutkrankenhaus): 120 Betten, paracelsus-kliniken.de/kassel Habichtswald Privat- und Reha-Klinik, 110 Plätze

Vitos Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Kassel, Psychosomatik (Erwachsene) in der Vitos Klinik für Psychosomatik Kassel, beide Wilhelmshöher Allee 345 A, zusammen 150 Betten

Vitos psychiatrische Tagesklinik Kassel, Karthäuserstraße 3, 36 teilstationäre Plätze

Vitos Klinik Bad Wilhelmshöhe, Herkulesstraße 111, 78 Betten und Plätze

vitos-kurhessen.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.