74-Jährige will Alt und Jung zusammenzubringen

Kasselerin Helga Engelke ist Stimme älterer Menschen auf Bundesebene

Auf Bundesebene ganz vorn: Helga Engelke aus Kassel ist neue 1. Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesseniorenvertretungen. Foto: Michaelis

Kassel. Wirklich alt fühlt Helga Engelke sich nicht. Dabei ist die Kasselerin jetzt die Stimme der älteren Menschen in Deutschland.

Vor kurzem wurde sie zur 1. Vorsitzenden der Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesseniorenvertretungen gewählt. In dieser Organisation haben sich alle Seniorenbeiräte in Deutschland vereinigt.

Angestrebt habe sie das Amt nicht, sagt die 74-Jährige, die stellvertretende Vorsitzende der Seniorenbeiräte in der Stadt Kassel und des Landes Hessen ist. „Ich bin gefragt worden, ob ich es nicht machen möchte.“ Nun steht sie zwei Jahre lang ehrenamtlich an der Spitze eines fünfköpfigen Vorstandes. Wie viele ältere Menschen sie genau vertritt, weiß Helga Engelke bisher nicht. „Da muss ich mich erst noch schlaumachen.“

Die Zahlen aus Hessen kennt sie aber. In der Landesseniorenvertretung ist die Arbeit von 132 kommunalen Seniorenbeiräten gebündelt, in denen sich jeweils unterschiedlich viele Menschen engagieren. In Kassel gibt es etwa 30 Aktive.

Alt und Jung gemeinsam

Großes Ziel ist für Engelke „Alt und Jung zusammenzubringen“. Nur so lasse sich der demografische Wandel bewältigen, ist sie überzeugt. Gerade im Bereich der Gesundheitspolitik und ärztlichen Versorgung funktioniere es nur, wenn Alt und Jung an einem Strang ziehen. Dazu müssten sich beide für den jeweils anderen öffnen. Beispielhaft führt Engelke an, dass ältere Menschen sich mit der Technik der jungen befassen müssten. Und sie räumt ein, dass auch sie da noch Nachholbedarf hat. Weiterhin nennt Engelke eine flexible Altersgrenze für das Ausscheiden aus dem Berufsleben. „Wer weiterarbeiten möchte, soll das auch können.“

Politisch aktiv zu sein, ist für die inzwischen dreifache Großmutter nicht neu. Bis zum vorigen Jahr war sie bei den Freien Wählern in Kassel aktiv. Dort hat sie sich inzwischen zurückgezogen. Im Seniorenbeirat engagiert sich seit etwa fünf Jahren.

Die Seniorenvertretungen sieht sie als überparteiliche Organe. Es bleibe nicht aus, dass die Drähte zu Parteien an der Macht etwas kürzer sind als die zur Opposition. „Wir wollen unsere Sache ja voranbringen“, sagt Helga Engelke.

Ihre große Leidenschaft ist das Tanzen, auch wenn sie selbst nicht mehr über das Parkett wirbelt. Seit ihr Mann im Jahr 2002 nach schwerer Krankheit starb, habe sie nicht mehr getanzt. Verbunden ist sie dem Sport dennoch, als Vorsitzende des Tanzvereins Rot-Weiß-Klub Kassel.

Auch wenn Helga Engelke voll im Leben steht, denkt sie sich darüber nach, wie sie alt werden will: „Möglichst lange zu Hause, in der eigenen Wohnung“, sagt sie und wird politisch. Denn sie findet, dass es nicht nur für Heime sondern auch für die häusliche Pflege eine Aufsicht geben sollte. „Und am liebsten wäre es mir, ich würde an einem Abend ins Bett gehen und morgens nicht mehr aufwachen.“

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