Größerer Vogel hat Wanderfalke vertrieben

Er hat die Falken vertrieben: Uhu nistet im Kasseler Lutherturm

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Unsere größte Eulenart: So sieht der Uhu mit seinen Federohren aus, wenn er sich mal blicken lässt. Die Aufnahme entstand bei einer Greifvogelschau im Tierpark Sababurg. 

Kassel. Erstmals seit vielen Jahren nistet im Turm der Kasseler Lutherkirche ein Uhu. Der hat bereits Nachwuchs.

Helge Kuhn

Die Lutherkirche hat einen Gast, mit dem niemand gerechnet hat. Ganz oben im Turm ist er eingezogen. Zunächst war er noch skeptisch, doch mittlerweile ist sich Helge Kuhn sicher. „Bei uns hat sich ein Uhu eingenistet“, sagt der Architekt, der für das Gebäudemanagement im evangelischen Stadtkirchenkreis zuständig ist.

Ein beliebter Platz für Tauben und andere Vögel ist der Kirchturm schon immer. Das kann man an den vielen hellen Flecken erkennen. Eigentlich war der Nistplatz in der Spitze der Kirche allerdings für die seltenen Wanderfalken angelegt worden. Die seien in diesem Frühjahr immer wieder um den Turm herumgeflogen, hätten sich aber nicht näher rangetraut, sagt Kuhn.

Die Lutherkirche: Ganz oben im Turm hat sich ein Uhu eingenistet. 

Das ist auch kein Wunder, denn Uhus sind wesentlich größer als die Falken und einer der wenigen natürlichen Feinde, die die beeindruckenden Flieger haben. „Wenn diese Vögel irgendwo in der Nähe zueinander nisten, dann holt sich irgendwann der Uhu den Nachwuchs der Wanderfalken“, sagt Frank Dach, der sich ehrenamtlich für den Vogelschutz und insbesondere die Wanderfalken engagiert.

Spuren der Nutzung: Die Luke zum Brutplatz im Lutherturm.

Lange Zeit seien die Falken in der Region nahezu ausgestorben gewesen. Auf dem Hohen Meißner, am Hirzstein, im Turm der Marburger Elisabethkirche und im Turm der Lutherkirche hätten sich die Wanderfalken zuerst wieder angesiedelt. Mittlerweile gebe es in der Region 65 Paare. Wenn jetzt ein Uhu in dem Turm nistet, dann sieht das der Fachmann mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Auf der einen Seite sei dies ein weiteres Zeichen dafür, dass es auch mit dem Uhu wieder aufwärtsgehe. Für die Wanderfalken bedeute das im konkreten Fall allerdings, dass sie sich einen anderen Nistplatz suchen müssen.

Kamera im Turm

Dem Uhu auf die Schliche ist Helge Kuhn übrigens durch eine Art Überwachungskamera gekommen. Die haben Vogelschützer bereits vor Jahrzehnten in dem Kirchturm angebracht. Sie liefert ziemlich unscharfe, aber gerade noch erkennbare Schwarz-Weiß-Bilder. Für den Abdruck in der Zeitung eignen sie sich nicht.

Demnächst soll die Technik aber erneuert werden. Es gebe Spendenzusagen für eine moderne Kamera und einen Monitor im Erdgeschoss der Kirche. Wenn die jungen Uhus ausgeflogen sind, soll die neue Kamera installiert werden. Dann können Besucher der Kirche im kommenden Frühjahr nachsehen, ob der Wanderfalke zurückgekehrt ist – oder ob der Uhu sein neues Brutrevier nicht mehr hergeben will.

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