HNA-Serie: Den kennt man doch 

Er ist der Herr der Tiefgarage: André Werth arbeitet unter dem Friedrichsplatz

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Gute Laune ist sein Geheimrezept: André Werth ist beim Sicherheitsdienst Gegenbauer für die Tiefgaragen zuständig. Auf den Kamerabildern hat er alles im Blick. 

Kassel. Manchmal muss er fragen, ob draußen die Sonne scheint, denn bei seiner Arbeit bekommt er das oft nicht mit. André Werth arbeitet in der Tiefgarage unter dem Friedrichsplatz.

„Das fehlende Tageslicht kann man aber problemlos mit guter Laune ausgleichen“, sagt André Werth. Seit fünf Jahren arbeitet Werth bei der Firma Gegenbauer. Er ist unter anderem für die Kasseler Parkhäuser zuständig.

Die Tiefgarage am Friedrichsplatz nennt Werth sein „Baby“. Sicherheit und Ordnung haben Priorität. In der Parkgarage kennt Werth jede Ecke und damit auch so gut wie jeden Parkplatz. Einen Tipp für den besten Parkplatz hat er deshalb auch: Der erste Frauenparkplatz, wenn man direkt von der Einfahrt komme, sei besonders beliebt. Früher sei die Fläche ein Behindertenparkplatz gewesen und deshalb breiter als andere. Auch an der Ausfahrt zur Karlsstraße gibt es noch eine ähnlich breite Fläche. SUV-Fahrer würden dort besonders oft ihre Fahrzeuge abstellen. Dass Frauen schlechter parken als Männer, das kann Werth aber nicht bestätigen. „Das hält sich die Waage.“

Besonders mag er an seinem Job, dass man Kontakt zu vielen Menschen hat. Über die Jahre sind so viele Freundschaften entstanden. Der eine oder andere Flirt sei auch mal dabei, meint der 44-jährige Single schmunzelnd. Vielleicht ja auch irgendwann die Frau fürs Leben.

Werth wohnt in Grebenstein, ist aber oft in Kassel unterwegs. „Dann treffe ich Leute, die mich grüßen, und manchmal weiß ich selbst gar nicht, wer das ist“, sagt er. Gelegentlich passiere aber auch der umgekehrte Fall, nämlich dass ihn jemand auf der Straße nicht erkenne, weil er seine Uniform nicht anhabe.

Stammkunden gibt es auch in der Tiefgarage: Ein Mann käme beispielsweise jeden Morgen um dieselbe Uhrzeit, erledige seinen Einkauf und fahre nach einem kurzen Plausch wieder.

Seine Schichten verbringt Werth größtenteils im Leitstand, der unmittelbar am Eingang zur Königsgalerie ist. Dort sind Bilder aller Kameras in den Kasseler Parkhäusern zu sehen. „Wenn dort auffällt, dass etwas nicht stimmt, dann kümmern wir uns“, sagt Werth.

20 bis 30 Mal im Monat käme es vor, dass jemand sein Auto nicht wiederfände. Da helfen dann Werth und seine Kollegen. Häufig kommen auch Kunden, die mit ihrem Auto nicht mehr aus der Parklücke kommen, weil der Nebenmann zu nah daneben geparkt hat. „Da sage ich dann: gut, dass ich noch ein paar Kilo abgenommen habe, da komme ich bestimmt durch und fahre dann das Auto aus der Parkbucht“, sagt Werth.

Wer mit Einkäufen bepackt ist, für den gibt es in der Tiefgarage am Königsplatz einen besonderen Service. Der kann sich dann mit dem Elektromobil zu seinem Auto fahren lassen. „Das gehört zu unserem Service“, sagt Werth.

Doch die Arbeit im Sicherheitsdienst birgt auch viel Konfliktpotenzial. Ruhig und freundlich bleiben, das ist das Geheimrezept von Werth. Fast alle verlassen das Parkhaus dann mit einem Lächeln.

Die Horrorvorstellung eines Autofahrers, vor der verschlossenen Schranke an der Ausfahrt zu stehen, ist für Werth Alltag. „Wenn ich dann merke, es gibt ein technisches Problem, dann lasse ich den Kunden raus“, sagt Werth. Wer nur vergessen habe zu bezahlen, der müsse den Warnblinker anschalten und zum nächsten Automaten gehen, da gäbe es kein Pardon.

Gerade in der kalten Jahreszeit hat Werth auch häufig Kontakt zu Obdachlosen. „Unterstellen und Aufwärmen ist kein Problem“, sagt er. Wenn allerdings ganze Gruppen Alkohol und Drogen konsumieren würden, dann gehe das nicht. „Da schalten wir dann die Polizei ein.“

Trotzdem: Eine andere Arbeit kann Werth sich auch nach 24 Jahren im Sicherheitsdienst nicht vorstellen. „Einmal in der Branche, verlässt du die nicht mehr“, sagt er.

In weiteren Teilen der Serie haben wir Wolfgang Wagner, der bei den Stadtreinigern arbeitet, und Andrea Ebel vorgestellt. Sie arbeitet seit 35 Jahren im Café Nenninger.

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