Werk von Franz Rosenzweig mit persönlichem Brief übergeben

Erbin schenkt Uni-Bibliothek wertvolles Buch

Eine kostbare Schenkung: Dr. Brigitte Pfeil, Leiterin der Sondersammlungen der Universitätsbibliothek Kassel, mit dem Buch „Der Stern der Erlösung“ und dem Versöhnungsbrief aus der Feder von Franz Rosenzweig. Foto: Ludwig

Kassel. Es war als Versöhnungsgeschenk und platonische Liebesbotschaft gedacht: Der jüdische Religionsphilosoph und Historiker Franz Rosenzweig (1886-1929) aus Kassel hatte im März 1921 seinem Cousin sein damals neu erschienenes Hauptwerk „Stern der Erlösung“ geschickt.

Beigelegt hatte er einen Brief, in dem er sich mit diesem versöhnte und ihm seine Zuneigung offenbarte. Dieses wertvolle Exemplar wurde der Universitätsbibliothek von der 97-jährigen Tochter des Empfängers geschenkt – pünktlich zum bevorstehenden Geburtstag von Rosenzweig am 25. Dezember.

Franz Rosenzweig verband eine brüderliche Beziehung zu seinem Göttinger Cousin Rudolf Ehrenberg (1884-1969). Beide hatten sich immer wieder über ihren Glauben ausgetauscht: Der Biologe Ehrenberg war Christ und setzte sich ebenfalls mit philosophischen und theologischen Fragen auseinander. Beide hatten sich ab 1907 näher kennengelernt, als sie beide in Berlin studierten. Später wurde ein reger Briefkontakt gepflegt.

Die Cousins waren im Sommer 1913 an einer Diskussion mit Eugen Rosenstock-Huessy beteiligt. Der Soziologe war jüdischer Herkunft und ließ sich evangelisch taufen. Auch Rosenzweig kam nach diesem Gespräch ins Grübeln, entschied sich aber, Jude zu bleiben.

Ehrenberg war es, der Rosenzweig für den „Stern der Erlösung“ inspirierte, das er während seines Einsatzes im Ersten Weltkrieg verfasste und später sein wichtigstes Werk werden sollte. Die Freundschaft bekam aber einen Knacks, weil Ehrenberg Probleme mit Rosenzweigs Dreiecks-Beziehung hatte. Der Kasseler hatte über Eugen Rosenstock-Huessy auch dessen Frau Margrit kennengelernt. Es entbrannte ein große Liebe.

„Der Ehemann wusste aber Bescheid, es war eine offene Beziehung“, sagt Dr. Brigitte Pfeil, Leiterin der Sondersammlungen der Universitätsbibliothek. Sein Cousin Ehrenberg habe dies aber kritisch gesehen, zumal Margrit irgendwann ein Baby von Eugen Rosenstock-Huessy erwartete. Rosenzweig war inzwischen mit einer Berliner Religionslehrerin verheiratet. Zwischen den Brüdern im Geiste kam es zu Spannungen.

Erst als Franz Rosenzweig am 10. März 1921 zum Stift griff und seinem „lieben Rudi“ einen langen Brief schrieb und diesen mit dem „Stern der Erlösung“ an ihn schickte, kam es zur Versöhnung. Rosenzweig hatte seinen Brief mit den Zeilen beendet: „nur weil du ... bist, kann ich ... sein“.

Den Brief und das Buch hat Ehrenbergs Tochter Maria Ehrenberg der Kasseler Uni-Bibliothek übergeben. Über einen persönlichen Draht zu einer Bibliotheksmitarbeiterin, die über Rosenzweig forscht, steht sie schon länger in Kontakt mit dem Haus.

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