Tausende jubelten in Kassel dem Kanzler zu 

Erinnerungen an Helmut Kohl und seine Besuche in Kassel

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Besuch von Helmut Kohl in Kassel im Dezember 1995: Neben dem Kanzler der damalige Oberbürgermeister Georg Lewandowski. Die junge Dame, die ein Geschenk überreicht, ist Sabine Wurst (damals zehn Jahre alt), heute ist sie Geschäftsführerin der Kasseler SPD und SPD-Stadtverordnete.

Kassel. Altkanzler Helmut Kohl, am Freitag im Alter von 87 Jahren gestorben, war mehrfach zu Besuch in Kassel. Erinnerungen an die Besuche des Kanzlers der Einheit.

Wie oft der am Freitag im Alter von 87 Jahren verstorbene Altkanzler Helmut Kohl in Kassel war, ist schwer zu sagen. Zwei Besuche – einmal als Regierungschef am 20. Dezember 1995 und ein weiterer als Privatier und Wahlkampfhelfer für Hessens damaligen Ministerpräsidenten Roland Koch am 28. Januar 2003 – blieben vielen Kasselern in Erinnerung.

Denn bei diesen beiden und anderen Gelegenheiten jubelten ihm Tausende von Anhängern fast schon frenetisch zu. Und in beiden genannten Fällen machte der Pfälzer Ausnahmepolitiker, der die deutsche Einheit ermöglichte und gleichzeitig wie kein anderer die europäische Integration vorantrieb, den Kasselern und Nordhessen Mut.

Bundeskanzler Helmut Kohl kam am 17. Februar 1983 zum HNA-Redaktionsgespräch. Links ist der damalige Chefredakteur Achim von Roos, daneben CDU-Bundestagsabgeordneter Lothar Haase und rechts Verleger Rainer Dierichs zu sehen. 

Bei seinem Besuch 1995 prophezeite er „dieser Region in der Mitte Deutschlands eine große Zukunft.“ Und er sollte Recht behalten. Nordhessen hat sich in den vergangenen 15 Jahren – also seit Arbeitsaufnahme des Regionalmanagements – auch europaweit zu einer der dynamischsten Wirtschaftsregionen gewandelt, und die Nordhessen haben ein Selbstbewusstsein entwickelt, um das sie in anderen Landesteilen beneidet werden.

Damals war Kohl von Kassels Oberbürgermeister und Parteifreund Georg Lewandowski begrüßt worden, der natürlich die Struktur- und Verkehrsprobleme sowie die hohe Arbeitslosigkeit in der Region unterstrich. Und Kohl versprach ihm, alles in seiner Macht Stehende zu tun, um Abhilfe zu schaffen.

Besuch am 13. Oktober 1994 in Kassel (von links): Helmut Kohl, Oberbürgermeister Georg Lewandowski und CDU-Bundestagsabgeordnete Anneliese Augustin.

Dabei wäre der Besuch um Haaresbreite abgesagt worden – wegen eines heftigen Wintereinbruchs, der eine Landung des Kanzler-Hubschraubers auf dem Gelände der damaligen Lüttich-Kaserne verhinderte. So kam Kohl bei den Heeresfliegern in Fritzlar herunter und ließ sich mit dem Auto nach Kassel fahren. Mit den Worten: „Ich muss nach Kassel“, soll er seinerzeit entgegen der Empfehlung seiner Berater an seinem Besuch in Nordhessens Metropole festgehalten haben.

Landung in Kassel-Calden: 1971 war Kohl noch Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz.

Anders bei seinem Aufenthalt Anfang 2003. In jenem Jahr war der 72-Jährige bereits Privatmann. Die Kanzlerschaft lag mittlerweile fast fünf Jahre zurück. Dass er dennoch für Roland Koch und seine CDU Wahlkampf machte, begründet er unter tosendem Applaus mit folgendem Satz: „Wenn ein Militärpferd Marschmusik hört und es noch traben kann, dann trabt es“. Also warf sich das „alte Militärpferd“ noch einmal für den politischen Enkel in die Schlacht, die Koch seinerzeit mit absoluter Mehrheit für sich entschied.

Wahlkampf 1998: Unser Foto zeigt von links den hessischen Minsterpräsidenten Roland Koch, Helmut Kohl und Kassels frühere Bürgermeister Dr. Jürgen Gehb. 

An jenem Abend geriet die Rede Kohls zu einer Ansprache an einen jungen Mann, ja zu einem politischen Vermächtnis für die nachfolgende Generationen. Er rief die Jugend auf, die damaligen Probleme mit Mut, Geduld und Verstand anzugehen. Er habe keinen Zweifel daran, dass die Deutschen die Schwierigkeiten meistern würden, wenn nur der Wille da sei. „Die Visionäre sind die eigentlichen Realisten in der Politik“, sagte der Altkanzler damals. Heute steht Deutschland auch im globalen Vergleich so gut da wie selten zuvor. So waren Kohls Sätze einst sicher auch ein wenig Zweckoptimismus, aber wohl ebenso kluge Voraussicht.

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