Prozess gegen Göttinger Hells Angels in Kassel

Erpressung: Rocker sollen Laptop mit Kinderpornos gestohlen haben

Kassel/Göttingen. Zahlreiche Polizisten in Einsatzmontur, Leibesvisitationen, scharfe Kontrollen.

Unter großen Sicherheitsvorkehrungen und starkem Medieninteresse ist vor dem Amtsgericht Kassel am Donnerstag der Prozess gegen vier Männer angelaufen, von denen drei Mitglieder des Hell-Angels-Motorradclubs Göttingen waren. Der Verein wurde inzwischen vom niedersächsischen Innenministerium verboten.

Aktualisiert
um 15.12 Uhr

Staatsanwältin Richter wirft dem Quartett versuchte gemeinschaftliche Erpressung und Diebstahl vor. Opfer war ein 60-jähriger Mann aus Wahlsburg im Altkreis Hofgeismar, der offenbar selbst Beziehungen zu dem Rockerclub hatte. Mitglieder hatten ihm, so die Anklage, bei einem Umzug geholfen. Wenig später wurde in die Wohnung des Mannes eingebrochen, aus zwei Tresoren wurden eine hohe Bargeldsumme - sie stammte aus einem Versicherungsfall - und ein Laptop sowie ein Wandbild mit einem Hells-Angels-Motiv gestohlen.

Start im Prozess gegen Göttinger Hells Angels in Kassel

Weil der Bestohlene den Verdacht geäußert haben soll, die Angels seien für den Diebstahl verantwortlich, geriet er Ende September vergangenen Jahres ins Visier des 48-jährigen Rockerpräsidenten.

Mit seinen Verdächtigungen habe der 60-Jährige den Club in Verruf gebracht und den möglichen Ausschluss des „Hells Angels MC Charters Göttingen“ aus der Oberorganisation in Hannover provoziert, soll der Rocker-Präsident dem Wahlsburger vorgeworfen haben. Dafür solle er 30.000 Euro Schadensersatz leisten.

Über den tatsächlichen Einbrecher, einen „alten Mann“, wollen die Rocker in den Besitz des Laptops gekommen sein, auf dessen Festplatte sich jede Menge Sexdarstellungen befanden. Die Erpressungssumme stieg auf 100.000 Euro. Staatsanwältin Richter: „Die Angeklagten wollten den Bestohlenen mit diesen pornografischen Dateien erpressen.“

Richterin Ferchland hatte bereits dem Ansinnen der vier Verteidiger zugestimmt, außerhalb des Gerichtssaals über eine Einigung zu verhandeln, da stellte sich Staatsanwältin Richter quer: „Mit mir wird es keine Verhandlungen im Hinterzimmer geben“, stellte sie kategorisch fest. Alles solle öffentlich ausgetragen werden.

Ab da herrschte gereizte Stimmung im Gerichtssaal. Verteidiger Matthias Wuttke (Göttingen) wollte die möglicherweise virenverseuchte Festplatte nicht mit einem eigenen Computer öffnen. Darauf seien riesige Mengen kinderpornografischen Materials sowie Dokumente, die er für die Verteidigung seines Mandanten zuerst sichten müsse. Dem schlossen sich auch die anderen Verteidiger an, zudem auch noch 6000 Seiten Prozessakten auszuwerten seien. Die Verhandlung wurde daraufhin ausgesetzt, wann‘s weiter geht, ist offen. (tom)

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