Gesetzesreform greift seit 1. Oktober

Erste gleichgeschlechtliche Ehe in Kassel: Sie sagten zum zweiten Mal „ja“

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Viel Aufmerksamkeit: Sonja Kolb (2. v. links) und Daniela Mücke haben vor dem Standesbeamten Oliver Obst (links) die erste gleichgeschlechtliche Ehe geschlossen. Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle gratulierte.

Kassel. Sonja Kolb und Daniela Mücke haben am Montagmorgen als erstes Kasseler Paar die gleichgeschlechtliche Ehe geschlossen.

Dabei kam es den frisch Verheirateten gar nicht darauf an, die Schnellsten zu sein. „Wir wollten nur unser Hochzeitsdatum behalten“, sagt Mücke. Es ist genau sieben Jahre her, dass die Kasselerinnen eine eingetragene Lebenspartnerschaft eingegangen waren. Nun ließen sie diese im Standesamt in eine gleichgeschlechtliche Ehe umwandeln.

Am 1. Oktober 2010 gaben sich Kolb und Mücke zum ersten Mal das Ja-Wort. Einen Tag später ließen sie sich kirchlich segnen. Die Kirchengemeinde wollen sie nicht verraten, weil sie nicht wissen, ob die Gemeinde damit offen umgeht. Weil der 1. Oktober in diesem Jahr auf einen Sonntag fiel und das Kasseler Standesamt geschlossen hatte, wich das lesbische Paar auf den Tag seiner kirchlichen Segnung aus.

Umwandlung in eine Ehe

Begleitet von etwa 40 Hochzeitsgästen ließen sich die Frauen vom Standesbeamten Oliver Obst im Trausaal des Rathauses trauen. Obwohl es sich nach Auskunft des Standesamtes genau genommen nicht um eine Trauung, sondern um eine „Umwandlung“ handelte: von der Lebenspartnerschaft zur Ehe.

Nach einem bürokratischen Akt sah die Hochzeitsfeier aber nicht aus. Auch Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) schaute mit zwei Blumensträußen vorbei und gratulierte dem Paar. „Dieses Ereignis zeigt, dass wir in einer toleranten und weltoffenen Gesellschaft leben“, sagte Geselle. Dennoch bleibe gesellschaftlich noch einiges zu tun. Anschließend nahm er sich Zeit für einen Sekt-Plausch vor dem Trausaal.

Dort gab es einiges zu erfahren. Zum Beispiel, dass das Paar seit 17 Jahren zusammen ist. Wegen der Liebe zog die Schwarzwälderin Sonja Kolb einst zur Kasselerin Daniela Mücke. Beide mussten nicht lange überlegen, als der Gesetzgeber überraschend den Weg frei gemacht hatte für die gleichgeschlechtliche Ehe, die der Ehe zwischen Mann und Frau in nichts mehr nachsteht.

Diskriminierungen nahmen Frauen im Alltag nicht wahr

Homophobe Einstellungen und Diskriminierungen nehmen die Frauen im Alltag nicht wahr. „Ich habe meinen Arbeitskollegen erzählt, dass ich mit einer Frau zusammen bin. Für die Kollegen war das kein Problem“, sagt Mücke. Sicherlich gebe es unter den 80 Millionen Deutschen unterschiedliche Meinungen und auch Vorurteile, aber im Großen und Ganzen nehme sie eine „positive Entwicklung“ wahr, ergänzt Kolb.

Ebenfalls fanden am Montag im Rathaus eine weitere Umwandlung in eine gleichgeschlechtliche Ehe sowie eine neue gleichgeschlechtliche Ehe zwischen zwei Männern statt. In Kassel gibt es etwa 400 eingetragene Lebenspartnerschaften. Zahlen zu beantragten Umwandlungen hat das Standesamt nicht.

Die Partner in einer Lebensgemeinschaft können sich bei einer Umwandlung aussuchen, ob sie eine Trauzeremonie wünschen oder eine unfestliche Umtragung im Standesamt.

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