Kreditinstitut zukunftsfit

Evangelische Bank in Kassel streicht bundesweit 100 Vollzeitstellen

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So wird sie 2019 aussehen: die neu- und umgebaute Zentrale der Evangelischen Bank an der Ecke Ständeplatz/Fünffensterstraße. Knapp 30 Millionen Euro will das kirchliche Kreditinstitut dort investieren.

Kassel. Die Evangelische Bank reagiert auf das zunehmende Online-Banking und den Kostendruck mit Stellenstreichungen. Bis 2021 soll fast ein Viertel der Stellen sozialverträglich wegfallen.

Die Evangelische Bank (EB) in Kassel stellt die Weichen für die Zukunft. Im Zuge der Digitalisierung wird das Privatkundengeschäft in der im Aufbau befindlichen „EB Direkt/Servicebank“ in Kassel gebündelt. Dadurch fallen in den noch verbliebenen bundesweit 14 Standorten sowie im Verwaltungsbereich am Unternehmenssitz bis 2021 rund 100 der umgerechnet etwa 430 Vollzeitstellen (486 Köpfe) weg. Der Abbau soll in enger Abstimmung mit dem Betriebsrat sozial verträglich erfolgen und wird mit einem Sozialplan und Interessenausgleich sowie mit Altersteilzeit- und Vorruhestandsregelungen, Qualifizierungsmaßnahmen und Hilfen für künftige Berufspendler flankiert. Das teilte Vorstandschef Thomas Katzenmayer am Dienstag bei Vorlage der Jahreszahlen für das abgelaufene Jahr mit.

Thomas Katzenmayer

„Wir müssen die Bank verschlanken, damit wir zukunftsfähig bleiben. Wir müssen effizienter, besser und schneller werden, und wir müssen uns stärker am Kunden orientieren“, begründete Katzenmayer den geplanten Einschnitt. Ob der Abbau ganz ohne betriebsbedingte Kündigungen bewerkstelligt werden kann, ist laut Katzenmayer noch unklar. Am Unternehmenssitz in Kassel, der – wie berichtet – bis 2019 für fast 30 Millionen Euro umgebaut und modernisiert werden soll, fällt der Abbau vergleichsweise moderat aus. Dort soll die Zahl der Köpfe von aktuell 250 auf 220 bis 230 sinken.

Die anhaltende Niedrigzinsphase, die die Zinsspanne als Haupteinnahmequelle in den vergangenen Jahren stark gedrückt hat, der steigende bürokratische und personelle Aufwand im Zusammenhang mit der Bankenaufsicht, der demografische Wandel und die Digitalisierung zwingen die Bank, Arbeitsabläufe zu optimieren und gleichzeitig auf die Kostenbremse zu treten. Katzenmayer erklärte, das der Vorstand den Personalabbau bedauere, betonte aber, dass er das „Wohl der Gesamtbank im Blick behalten muss“.

Ungeachtet des schwierigen Marktumfelds und seiner Zukunftspläne hat das Kreditinstitut im kirchlichen Raum das vergangene Jahr erfolgreich abgeschlossen. Bilanzsumme, Kundeneinlagen und Kreditvolumen stiegen leicht (siehe Grafik). Der Zinsüberschuss legte um 3,2 Prozent auf 79,7 Millionen Euro, der Provisionsüberschuss sogar um neun Prozent auf 20,5 Mio. Euro zu. Nach Abzug aller Kosten, Steuern und Abgaben bleibt ein nahezu unveränderter Jahresüberschuss von 10,1 Mio. Euro. Die Dividende soll wie im Vorjahr drei Prozent betragen.

Die EB ist ein auf Kirchen, Diakonie, Caritas und Freie Wohlfahrtspflege spezialisierter Finanzdienstleister und arbeitet schwerpunktmäßig in der Sozial- und Gesundheitswirtschaft. Rein kommerzielle Projekte sind tabu. 19 000 institutionelle sowie 72 000 private Kunden setzen auf die Dienste der Bank mit christlicher Werte-Orientierung. Bundesweit gibt es eine weitere evangelische Kirchenbank sowie fünf aus dem katholischen Raum.

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