Umstrittene Umweltschutzbewegung

Extinction Rebellion: Diese Frau aus Kassel blockiert für das Klima Straßen und lässt sich anketten

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Nadine Recker: Klima-Aktivistin aus Kassel gründete die deutsche sektion von Extinction Rebellion mit.

Klima-Aktivistin Nadine Recker blockiert Straßen und lässt sich am Kanzleramt anketten. Was treibt die Mitgründerin von Extinction Rebellion Deutschland an?

Für Nadine Recker muss die Welt manchmal stillstehen, damit sie sich verändern kann. In den vergangenen Monaten hat sich die 24-Jährige aus Kassel mit anderen Klima-Aktivisten etwa auf den Steinweg gestellt, um den Autoverkehr zwischen Altmarkt und Fridericianum für sieben Minuten zu blockieren. 

Sie kettete sich an das Kanzleramt in Berlin, und auch vor wenigen Wochen war sie dabei, als Extinction Rebellion (XR) die Hauptstadt lahmlegte.

Kasselerin ist bei Extinction Rebellion 

Recker hat die deutsche Sektion der aus Großbritannien stammenden Umweltschutzbewegung mitgegründet. Eigentlich wollte die aus Neuental-Gilsa im Schwalm-Eder-Kreis stammende Frau Politik studieren. Nun jobbt sie aber, um im Hauptfach zivilen Ungehorsam zu praktizieren.

Extinction Rebellion bedeutet so viel wie Aufstand gegen das Aussterben und ist sozusagen die radikalere kleine Schwester von Fridays for Future. Seit Oktober vorigen Jahren machen die Aktivisten vor allem in Großbritannien mit Sitzstreiks und Flashmobs auf sich aufmerksam.

Großstadtblockaden von Extinction Rebellion 

Anfang Oktober legte XR Großstädte wie London und Berlin lahm. Seither wird auch in Deutschland darüber diskutiert, wie weit Protest gehen darf. Für Recker ist das, was sie und die 30 anderen Kasseler Aktivisten machen, ein legitimes Mittel, um auf den Klimawandel und den drohenden Kollaps der Ökosysteme hinzuweisen.

Gewaltfreiheit ist eines von zehn Prinzipien der Bewegung, die sich in der Tradition von Martin Luther King und Mahatma Gandhi sieht. „Jeder weiß, dass man manchmal Dinge tun muss, die wider das Gesetz sind, um Gerechtigkeit zu erringen, wenn die Gesetze selbst falsch sind“, sagte der britische Philosoph und XR-Aktivist Rupert Read nach der Protestwoche in Berlin.

Protest in Berlin: Im Juni ließ sich die Kasselerin Nadine Recker (in der Mitte sitzend) mit anderen Klima-Aktivisten von Extinction Rebellion an den Zaun des Bundeskanzleramts in Berlin ketten.

Dort ging neben der Kapitänin und Flüchtlingshelferin Carola Rackete auch die Nordhessin Recker auf die Straße. Sie war an der Großblockade an der Siegessäule und an der Mühlendammbrücke beteiligt. Demo-Erfahrung hatte sie zuvor schon in Heidelberg gesammelt, wo Polizisten sie und die anderen XR-Rebellen wegtrugen. Die „Wegtragegebühr“ von 100 Euro finanzierten die zehn Demonstranten durch den Erlös von Soli-Partys.

Schon im Politikunterricht an der Christophorusschule Oberurff und am Hessenkolleg wunderte sie sich, wie viel Einfluss Lobbyisten angeblich haben. Der Weckruf für sie waren jedoch erst das Artensterben und eine Reise nach London, wo sie XR kennenlernte. Seither versucht sie, nachhaltig zu leben. In Kassel ist sie mit dem Rad unterwegs, ihr Waschmittel stellt sie aus Kastanien her, und sie ist gerade dabei, Veganerin zu werden, wie sie sagt.

Als Kind lernte sie von ihren Eltern, dass Mülltrennung sinnvoll ist und Plastik irgendwann ein Riesenproblem wird. Aber aus Freude in die Luft gesprungen sind sie verständlicherweise nicht, als sie erfuhren, dass ihre Tochter nun erst einmal Klima-Aktivistin ist.

Auch das Kassler Frauenhofer Institut hat Kritik an dem Politischen Umgang mit der Thematik. 

Extinction Rebellion: Die Kritik

Für manche sind die radikalen Demonstranten wahlweise „Klimafaschisten“ oder „grüne Sowjets“. Die ehemalige Grünen-Politikerin Jutta Ditfurth nannte XR, deren Logo eine stilisierte Sanduhr ist, eine „esoterische Weltuntergangssekte“. Recker schmunzelt, wenn sie das hört. Der Esoterik-Vorwurf komme sicher daher, dass sie in ihren AGs etwa in der Stadtkommune „Villa Locomuna“ auch Yoga machen.

Auch sonst klingt Recker oft wie eine ganz normale junge Frau. Sie sagt: „Ich würde irgendwann gern Kinder haben – wenn ich wüsste, dass es eine lebenswerte Zukunft gibt.“

Für den Erhalt des Planeten demonstrierten in Kassel auch schon 15.000 Menschen. Dies allerdings nicht unter dem Mantel von Extinction Rebellion, sondern im Zuge der Weltweiten Schülerbewegung von Fridays for Futur.

Nicht nur gegen die aktuelle Umweltzerstörung engagiert sich die Kassler Bevölkerung, sondern auch gegen Krieg und Waffenexporte in Krisengebiete. Dies zeigt der Starke Protest an der Kassler Waffenfabrik von Krauss Maffei Wegmann. 

An Extinction Rebellion scheiden sich die Geister, wie die fr.de* in einem Hintergrund veröffentlicht.

Kontakt zur Kasseler Ortsgruppe: kassel@extinctionrebellion.de

*fr.de ist ein Teil des bundesweiten Ippen-Redaktionsnetzwerks. 

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