Fahrende Ärzte bieten Essen für Bedürftige: Hausmannskost ist heiß begehrt

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„Froh, dass es sowas gibt“: Waltraud Gundlach (vorne) kommt regelmäßig zu den Fahrenden Ärzten essen. Hinten links verteilt Küchenchef Dirk Schoppmann den Eintopf. 

Kassel. Seit zwanzig Jahren bietet der Verein Fahrende Ärzte in Kassel mobile medizinische Versorgung für Bedürftige an.

Seit zwei Jahren verteilen sie einmal in der Woche auf dem Martinsplatz auch warme Mahlzeiten.

Bei der Kälte schmeckt der deftige Eintopf besonders gut. Grünkohl mit geräucherter Mettwurst kommen bei den Menschen, die sich auf dem Martinsplatz versammelt haben, gut an. Gudrun Siebert und Jutta Kamrath, die zum Helferteam der Fahrenden Ärzte gehören und die Teller füllen, müssen sich sputen.

Hilfe direkt: Krankenschwester Kerstin Sattler und Dr. Gero Moog behandeln einen Obdachlosen vor Ort.

Waltraud Gundlach (71) hat es sich derweil an der aufgestellten Biertischgarnitur mit ihrem Teller bequem gemacht. Der Tisch ist dezent weihnachtlich geschmückt, die Stimmung unter den Menschen unterschiedlichen Alters ist gelöst. Es wird sogar gescherzt. „Ich bin sehr dankbar, dass es sowas gibt“, sagt Waltraud Gundlach, den dampfenden Teller vor sich auf dem Tisch. „So eine warme Mahlzeit ist prima. Ich bin fast jeden Montag hier. Dafür müsse man sich nicht schämen, meint die Seniorin. Nur das erste Mal sei es vielleicht schwierig, sich zu überwinden und zu kommen. „Bekäme ich mehr Rente, würde ich das ja auch nicht machen.“ Schließlich gebe es genug Bedürftige. Die „Fahrenden Ärzte“ bieten seit 1996 in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt der Stadt und der Drogenhilfe eine kostenlose mobile medizinische Erstversorgung für Drogenabhängige und Obdachlose an.  

Vermehrt nehmen dieses Angebot aber auch Rentner und Hartz-4-Empfänger an. Seit zwei Jahren verteilt das Team von Ärzten, Krankenschwestern, Sozialarbeitern und anderen Freiwilligen um Dr. Gero Moog an den gleichen Personenkreis zusätzlich Essen.

Sponsor der warmen Mahlzeiten ist das Marienkrankenhaus, wo Moog und die meisten Helfer tätig sind. Klinik-Küchenchef Dirk Schoppmann ist an diesem Montag vor Ort und kann die Komplimente der Gäste gleich persönlich entgegennehmen: „Das schmeckt klasse“, meint ein Mann mit wenigen Zähnen im Mund, die Parkakapuze tief ins Gesicht gezogen. Im Schnitt werden jeden Montag 50 Essen ausgegeben. „Die Menschen mögen Hausmannskost“, sagt Moog. An diesem Montag verteilt die 28-jährige Lee Jeonghwa an jeden Gast zusätzlich ein Tütchen mit Weihnachtsplätzchen. Seit Sommer hilft sie den Fahrenden Ärzten: „Ich wohne in der Nähe und habe das immer beobachtete, sagt die angehende Studentin: „Weil ich viel Freizeit habe, dachte ich: Da kannst du helfen.“

„Wir finden den Einsatz unserer Mitarbeiter toll und möchten sie unterstützen“, sagt Michael Schmidt, der Geschäftsführer des Marienkrankenhauses, zum Engagement der Klinik. Das Motto des Klinikträgers, Vinzenz von Paul, laute: Liebe sei Tat. Das bedeute auch, dort zu helfen, wo es direkt ankommt.

Montags sind die Fahrenden Ärzte mit ihrem Angebot auf dem Martinsplatz und am Donnerstagabend an der Gießbergstraße präsent.

Kontakt und Spenden: www.fahrende-aerzte.de

Hier ist der Martinsplatz

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