Gründer sprechen über ihre größten Misserfolge

Fail Night: Drei Kasseler Jungunternehmer erzählen vom Scheitern

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5. Kasseler Fail Night im Sciencepark: (von links) Jungunternehmer Henning Siedentopp, Jasmin Möser und Jan Goldau berichteten von ihrem unternehmerischen Scheitern.

Bei der fünften Kasseler Fail Night im Sciencepark berichteten am Dienstagabend drei Jungunternehmer von ihren unternehmerischen Misserfolgen.

 „Verkackt“ – das Wort, das der Beamer auf die Leinwand wirft, springt die Zuhörer im Science Park geradezu an. Dabei war Jan Goldaus Geschichte zuvor so schön gewesen. Der 38-jährige Kasseler berichtete am Dienstag bei der Fail Night, einem Erzählabend zum Thema Scheitern, von seiner Unternehmensgründung.

Gemeinsam mit seinem Bruder und Cousin hatte der Ingenieur der Elektrotechnik vor vier Jahren ein Unternehmen für Design-Möbel gegründet. „Wir haben jedes Jahr 50 bis 100 Prozent Wachstum. Nächstes Jahr erreichen wir voraussichtlich einen siebenstelligen Umsatz“, berichtete Goldau. „Ist also alles super. Warum stehe ich dann eigentlich hier?“

Weil sie es „verkackt“ hätten, so Goldau. „Der Umsatz ging hoch, aber die Stimmung rapide runter.“ Arbeitslast und Anspannung hätten zugenommen. Die Vorstellungen über die Entwicklung des Unternehmens seien auseinandergegangen. Irgendwann hätten seine Partner ihm eröffnet, dass sie nicht mehr mit ihm zusammenarbeiten wollten.

Monate Funkstille

Es folgten Monate der Funkstille. „Das war ein entsprechendes Drama in der Familie“, so Goldau. Mithilfe eines Mediators kamen die drei aber wieder ins Gespräch, machten einen zweiten Versuch. „Doch nach zwei Monaten bat mich mein Bruder, die Reißleine zu ziehen.“ Inzwischen liefen die Verhandlungen über seinen Ausstieg.

Seine Geschichte sei keine des wirtschaftlichen, sondern des menschlichen Scheiterns, betonte Goldau. Gründern riet er, sich vertraglich gut abzusichern, offen miteinander zu sprechen und vor allem nicht das Wirtschaftliche, sondern das Menschliche in den Vordergrund zu stellen.

„Ich hab’s auch richtig verkackt“, sagte Jasmin Möser. Die Unternehmensberaterin machte sich mit Anfang 20 selbstständig. Ihre Kasseler Agentur führte sie gemeinsam mit einem Geschäftspartner. „Mein erster Fehler war, dass ich nicht deutlich genug gesagt habe, dass die Agentur für mich ein Projekt mit Anfang und Ende ist“, so Möser.

Auch Unternehmensberaterin Jasmin Möser erzählte unumwunden von ihren Fehlschlägen.

Irgendwann habe sie aussteigen wollen, habe sich aber überreden lassen weiterzumachen. Jahre später fasste sie endgültig den Entschluss, die Agentur zu verlassen. „Sieben Tage die Woche arbeiten, kein Urlaub. Das ging irgendwann nicht mehr.“ Mit 29 erkrankte Möser schwer und stieg aus der Agentur aus. „Damals ist meine persönliche Hölle losgebrochen.“

Seither kommunizierten sie und ihr ehemaliger Geschäftspartner nur noch über ihre Anwälte. Die Agentur, eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR), wurde geschlossen, zurück blieb ein Schuldenberg, für den Möser mit ihrem Privatvermögen haftete. Inzwischen betreibt die Beraterin eine eigene Agentur.

Ausstiegs-Szenarien im Blick haben

Ein wichtiges Fazit sei, schon bei der Gründung über Ausstiegs-Szenarien zu sprechen, sagte Möser. Zudem warnte sie Gründer davor, zu schnell zu wachsen und sich unnötig zu verschulden.

Henning Siedentopps Geschichte des Scheiterns kam da eher harmlos daher. Mit Freunden wollte der Gründer der Kasseler Modefirma Melawear vor Jahren ein Unternehmen aufbauen, das das Teilen von Internetzugängen organisiert. „Aber wir lebten alle an unterschiedlichen Orten, hatten alle einen Job, nicht das nötige Know-how, und es war nicht klar, wie wir mit dem Unternehmen Geld verdienen sollten“, sagte Siedentopp. Und so wurde nichts aus der Idee.

Sein Rat: „Wer eine Idee hat, soll sie ausprobieren, aber die Idee alleine ist nicht viel wert. Es kommt auf die Umsetzung an. Sie sollte Hand und Fuß haben.“

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