Haus des Verdächtigen Stephan E. in Kassel durchsucht

Ermittlungen im Fall Lübcke: Tatwaffe noch nicht gefunden - Verdächtiger schweigt

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Pressekonferenz von Innenminister und BKA-Chef: Horst Seehofer (von links), Holger Münch und Verfassungsschutzpräsident Thomas Haldenwang informierten im Fall Lübcke.

Die Tatwaffe im Fall des getöteten Regierungspräsidenten Walter Lübcke wurde bislang noch nicht gefunden. Das teilte BKA-Präsident Holger Münch mit. Der Verdächtige hat sich bislang noch nicht geäußert.

Aktualisiert am 18. Juni um 14.21 Uhr - Es gebe eine Menge, Menge aufzuklären, sagte Münch am Dienstagmittag auf einer Pressekonferenz mit Innenminister Seehofer und dem Verfassungsschutzpräsidenten Thomas Haldenwang. "Es gab noch keine Einlassung des Tatverdächtigen", erklärte Münch in Berlin. Er wolle sich nicht äußern, fügte er auf Nachfrage eines Journalisten hinzu. Nach Angaben des BKA-Chefs sei der Verdächtige Mitglied in einem Schützenverein, habe aber keine waffenrechtliche Erlaubnis gehabt.

Innenminister Seehofer nannte den Anschlag "abscheulich" und "widerwärtig". "Ein rechtsextremer Anschlag auf einen führenden Repräsentanten unseres Landes ist ein Alarmsignal und richtet sich gegen uns alle", sagte der CSU-Politiker. Man müsse davon ausgehen, dass es sich um einen rechtsextremen Täter und um einen rechtsextremen Hintergrund handele. Das lege die Biografie des Verdächtigen nahe, sagte Seehofer. Als Tatmotiv könne derzeit nichts ausgeschlossen werden. Die Hintergründe der Tat seien noch nichts vollends aufgeklärt. Die Behörden ermitteln in alle Richtungen: "Ob er allein gehandelt hat oder Teil eines Netzwerks ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht klar."

Fall Lübcke: Die Berichterstattung vom 17. Juni 2019

Behördensprecher Markus Schmitt erklärte am Montagnachmittag, dass man von einem „rechtsextremistischen Hintergrund“ ausgehe. Dafür würden das Vorleben sowie die öffentlich wiedergegebenen Meinungen und Ansichten des am Samstag festgenommen Stephan E. aus Kassel sprechen.

Der 45-jährige deutsche Staatsbürger sei dringend tatverdächtig, Kassels Regierungspräsidenten Lübcke in der Nacht zum 2. Juni heimtückisch durch einen Kopfschuss getötet zu haben. Das wäre dann Mord. Der 65-Jährige war gegen 0.30 Uhr mit einer Schussverletzung auf seiner Terrasse in Istha gefunden worden.

Die Ermittlungen müssten jetzt zeigen, ob Stephan E. mit Hintermännern gearbeitet habe. Bislang gebe es aber keine Hinweise darauf, dass der Tatverdächtige in ein rechtsterroristisches Terrornetzwerk eingebunden gewesen wäre, sagte der Behördensprecher. Bei einer Durchsuchung in Kassel sei umfangreiches Beweismaterial sichergestellt worden, unter anderem Datenträger. Das Material wird nun ausgewertet.

Statement der Bundesanwaltschaft: Hier laufen seit Montag die Ermittlungen. Sprecher Markus Schmitt informierte am Montag die Öffentlichkeit.

Nach Informationen der HNA fand der Polizeieinsatz am Samstagmorgen gegen 2 Uhr in der Kasseler Heidenkopfstraße im Stadtteil Forstfeld statt. Dort soll Stephan E. wohnen. Nach Erkenntnissen unserer Zeitung soll er mit seiner Frau zwei Kinder haben und Mitglied in einem Schützenverein im Landkreis Kassel sein. Dort soll er als Bogenschütze aktiv gewesen sein.

Heidenkopfstraße im Kasseler Stadtteil Forstfeld: Hier wurde der Tatverdächtige am Samstag festgenommen.

Der tatverdächtige Stephan E. war schon wegen versuchten Totschlags verurteilt worden. Im Jahr 1993 soll er einen Anschlag auf das Flüchtlingsheim in Hohenstein-Steckenroth (Rheingau-Taunus-Kreis) verübt haben. Er hatte dazu eine Rohrbombe installiert, die aber vor der Explosion entschärft werden konnte. Deswegen soll er wegen versuchten Totschlags zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden sein.

Auch im hessischen NSU-Untersuchungausschuss war Stephan E. laut dem Recherchenetzwerk Exif ein Thema. Die Partei Die Linke soll ihn als gewalttätigen Neonazi benannt haben.

Verdächtiger soll bei rechtsextremen Parteien aktiv gewesen sein

Wie Spiegel Online berichtet, soll der Tatverdächtige in der Vergangenheit im Umfeld der hessischen NPD aktiv gewesen sein. Nach weiteren Medienberichten soll er auch Verbindungen zur Neonazi-Organisation Combat 18 gehabt haben. 

Zeit Online berichtet, dass der Festgenommene bereits 1993 im Alter von 20 Jahren mit einer Rohrbombe eine Asylbewerberunterkunft im hessischen Hohenstein-Steckenroth angegriffen haben soll. Nach HNA-Informationen soll der Mann bereits Anfang der 2000er-Jahre in den Akten der Kasseler Staatsanwaltschaft aufgetaucht sein. 

Mehrere Hamburger Medien berichten, dass nach dem gewaltsamen Tod des Kasseler Regierungspräsidenten Aktivisten der Antifaschistischen Gruppen Hamburg zu einer Spontan-Demo durch das Schanzenviertel und St. Pauli für Montagabend aufgerufen haben. 

Anlass ist die Meldung, dass der 45-jährige Tatverdächtige, der in der Nacht zum Samstag in Kassel festgenommen worden ist, Kontakte in die rechtsextreme Szene haben soll. Auf der Kundgebung sollen Walter Lübcke und allen anderen Opfern rechter Gewalt gedacht werden, heißt es in einer Mitteilung der Aktivisten.

Im Fall Lübcke wurde ein tatverdächtiger festgenommen. 

Der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Andreas Thöne, hatte am Sonntag mitgeteilt, dass die Festnahme aufgrund eines DNA-Spurentreffers erfolgte. Dieser ist derzeit das „zentrale Beweismittel“, sagte Thöne gegenüber der HNA.

Der Mann gilt als dringend tatverdächtig, so Thöne. Ermittelt werde wegen des Verdachts des Mordes. Der 45-Jährige sei am Sonntagnachmittag dem zuständigen Ermittlungsrichter des Amtsgerichts Kassel vorgeführt worden. Aufgrund der Indizienlage wurde Untersuchungshaftbefehl erlassen. Der Tatverdächtige wurde in die JVA Kassel I in Wehlheiden gebracht. Sein Motiv ist unklar.

Fall Lübcke: Hautschuppen des Verdächtigen gefunden

Nach Informationen der HNA wurden Hautschuppen des 45-jährigen auf Lübcke gefunden. Das bedeutet: Der Mann muss bereits straffällig geworden sein, ansonsten wäre seine DNA nicht in der zentralen DNA-Analyse-Datei des Bundeskriminalamts gespeichert worden.

Wie die HNA am Sonntag erfuhr, soll der Verdächtige ein langes Vorstrafenregister haben. Wie die FAZ berichtet, soll der Mann aus dem rechtsextremistischen Milieu stammen. Nach HNA-Informationen gibt es noch keine Hinweise auf die Tatwaffe und um welche Waffe es sich überhaupt handelt. Damit stehe auch noch nicht fest, ob Lübcke aus nächster Nähe erschossen worden war. 

Die Staatsanwaltschaft Kassel und das Landeskriminalamt weisen ausdrücklich daraufhin, dass es sich bei dem festgenommenen Mann nicht um die Person handelt, die vor einer Woche am Fähranleger in Harlesiel in Gewahrsam genommen worden war. Dieser Mann war nach seiner Befragung wieder entlassen worden.

Tod des RP Lübcke: Trauerfeiern in Kassel und Istha

Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke (65) war am Sonntag, 2. Juni, tot auf der Terrasse seines Wohnhauses in Wolfhagen-Istha mit einer Schussverletzung im Kopf gefunden worden. Um das Tötungsdelikt aufzuklären, war die Sonderkommission „Liemecke“ mit 50 Ermittlern eingerichtet worden. 

Rund 200 Hinweise waren eingegangen, entscheidend war aber eine DNA-Spur. Am Donnerstag waren 2000 Menschen zur Trauerfeier in die Kasseler Martinskirche gekommen. Die Beisetzung fand am Samstag in Lübckes Heimat Istha statt.

Abschied von Walter Lübcke: Trauerfeier in der Martinskirche

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