Autarcon

Kasseler Firma ausgezeichnet: Sauberes Trinkwasser mit Sonnenenergie

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Die Trinkwasserproblematik in ländlichen Entwicklungsregionen wollen Florian Benz (von links), Alexander Goldmaier und Philipp Otter von Autarcon mit ihren Wasseraufbereitungsanlagen nachhaltig bekämpfen. 

Die Kasseler Firma Autarcon entwickelt solarbetriebene Anlagen zur Trinkwasseraufbereitung und Entkeimung für Entwicklungsländer. Dafür wurde sie jetzt mit einem Preis der Siemens Stiftung ausgezeichnet. 

„Jede Minute stirbt ein Mensch durch verunreinigtes Trinkwasser“, sagt Philipp Otter von der Kasseler Firma Autarcon. Jährlich sind es fast vier Millionen Menschen. Abhilfe schaffen sollen dabei die Wasseraufbereitungsanlagen von Autarcon, für die die Ausgründung der Universität Kassel jetzt mit einem 30 000 Euro dotierten Preis der Siemens Stiftung ausgezeichnet worden ist.

50 dieser Anlagen sind derzeit in zehn Ländern im Einsatz. Vor allem in Nigeria, Tansania, Indien, Ägypten und Nepal ist Autarcon aktiv. „Das Besondere an den Anlagen ist, dass sie ohne chemische Zusätze auskommen und per Solarenergie betrieben werden“, erläutert Projektleiter Otter (35).

Das SuMeWa-System (Sun Meets Water, deutsch: Sonne trifft Wasser) funktioniert folgendermaßen: Zwei Fotovoltaik-Module wandeln Sonnenlicht in Gleichstrom um, der eine Wasserpumpe antreibt. Sie pumpt Wasser aus einem Brunnen, Fluss oder Teich. Das Wasser wird gefiltert und dabei von Trüb- und Schadstoffen befreit. Dann wird das natürliche Chlorid im Wasser ebenfalls per Sonnenstrom in einem elektrolytischen Prozess in Chlorgas umgewandelt. Das Chlor bleibt im Trinkwasser und tötet Keime sicher ab. Deshalb kann das so aufbereitete Wasser auch längere Zeit in einem Tank aufbewahrt oder in Wasserleitungen eingespeist werden. Ein Sensor überwacht ständig die Qualität des Wassers und passt die Chlorproduktion entsprechend der Wasserqualität an.

Bis zu 50.000 Liter Wasser täglich kann das System auf diese Weise desinfizieren. Das reicht als Trinkwasser für 15.000 Menschen.

Die Anlagen, die durch Fördermittel und von Spendern finanziert werden, senden ihre Daten mobil nach Kassel. So können Otter und die Autarcon-Geschäftsführer Florian Benz (38) und Alexander Goldmaier (45) jederzeit abrufen, wie viel Wasser gerade wo produziert wird und wo Probleme wie etwa Verstopfungen auftreten. Und auch die Nutzer, Spender und Partner kann Autarcon so auf dem Laufenden halten.

Jede Anlage, die Autarcon baut, ist an die speziellen Bedingungen vor Ort angepasst. „Wir bauen nicht von der Stange“, sagt Otter. Und auch wenn das Team versucht, die Kosten durch schlanke Strukturen so gering wie möglich zu halten, schlägt ein System mit gut 25 000 Euro zu Buche. Deshalb möchte das Unternehmen seine Anlagen künftig auch für Investoren interessant machen und als Betriebsmodell etablieren. Zu diesem Zweck haben Otter, Benz und Goldmaier ein Kartensystem entwickelt, das wie bei einem Prepaid-Handy funktioniert.

Die Nutzer der Anlage bekommen eine Karte, die sie an der jeweiligen Zapfstation mit Guthaben aufladen lassen können. Das Wasser können sie dann zu einem Preis von 0,0015 Cent pro Liter abzapfen. „Der lokale Preis für einen Liter Flaschenwasser beträgt 0,15 Cent“, sagt Otter. „Unser Wasser ist damit hundertmal günstiger und auch für die Ärmsten der Armen bezahlbar.“ Die von Autarcon gesammelten Daten zeigen, dass sich die Anlagen auf diese Weise über fünf Jahre refinanzieren.

Ein weiterer positiver Effekt der Autarcon-Stationen: Es bilden sich Nebengeschäfte. „In Tansania beispielsweise hat sich um den Kartenverkauf herum ein Kiosk entwickelt. Und in Nepal gibt es Fahrer, die das Wasser gegen eine Gebühr nach Hause liefern“, berichtet Otter.

Informationen:autarcon.com

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