Nach Ankündigung, Tiere in der Manege zu zeigen 

Flic Flac: Tierschützer drohten, das Zirkuszelt anzuzünden

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In der Kritik: Militante Tierschützer drohten Zirkus Flic Flac

Kassel. Militante Tierschützer haben dem Zirkus Flic Flac damit gedroht, dessen Zelte anzuzünden, sobald sie auf dem Friedrichsplatz stehen. 

Hintergrund dafür war, dass bei dem Gastspiel vom 20. Dezember bis 14. Januar in Kassel erstmals eine Tiernummer mit Hunden und einem Pferd zu sehen sein sollte. Nach heftiger Kritik und Drohungen hat die Tierdresseurin Rosi Hochegger ihren Auftritt abgesagt.

„Der Anrufer drohte dem Zirkus, Hocheggers Stallzelte und auch die Flic-Flac-Zelte in Brand zu stecken“, sagt Rudi Bauer, Sprecher von Flic Flac. Der Zirkus habe sich daraufhin nicht einschüchtern lassen. „Wir hätten es durchgezogen. Aber für Hochegger war das zu viel“, sagt Bauer. In Rücksprache mit Zirkusgründer Benno Kastein habe sie ihr Engagement zurückgezogen.

„So einen Angriff habe ich noch nie erlebt“, sagt Hochegger, die seit über 20 Jahren mit ihrer tierischen Nummer in den Manegen großer Zirkusse auftritt. Sie wäre gerne nach Kassel gekommen, aber nach der Ankündigung eines Brandanschlags habe sie die Reißleine gezogen. „Da ist mir die Sicherheit meiner Tiere wichtiger.“ Inzwischen habe sie bereits ein neues Engagement über die Weihnachtszeit.

Nachdem Mitte Oktober bekannt wurde, dass es in diesem Jahr erstmals eine Tierdressur im Artistenzirkus zu sehen geben wird, waren die Reaktionen zweigeteilt: Während der Kartenvorverkauf so gut wie in den Vorjahren lief und viele sich auf Hochegger freuten, erreichten den Zirkus auch etliche E-Mails mit Beschwerden.

„Wir wussten, dass es Leute geben würde, die Kritik daran üben, dass wir von der Beschränkung auf Artisten abweichen“, sagt Zirkus-Sprecher Bauer. Von der Heftigkeit der Kritik sei man aber überrascht gewesen. „Wir wollten ja keine Giraffe in Afrika fangen und diese in unserem Zelt auftreten lassen. Es ging um Hunde und ein Pferd“, sagt Bauer.

2016 hatten 61.000 Menschen die 45 Shows in Kassel besucht. 

Hier gastiert Flic Flac traditionell in Kassel

Das sagt der Tierschutzbund: Haustiere besser als Wildtiere

Die Drohungen gegen den Zirkus Flic Flac und die Absage der Tierdresseurin Rossi Hochegger werfen vor allem eine Frage auf: Ist es problematisch, Haustiere zu dressieren und in der Manege auftreten zu lassen?

James Brückner, Abteilungsleiter Arten- und Naturschutz beim Deutschen Tierschutzbund, nimmt die Tierhaltung in Zirkussen kritisch unter die Lupe. „Generell lässt sich sagen, dass domestizierte Tiere wie Hunde und Pferde eher für den Zirkus geeignet sind als Wildtiere“, sagt Brückner. Diese allgemeine Aussage lasse sich aber nicht auf alle Zirkusse und Dresseure übertragen. Im Einzelfall müsse geprüft werden, wie das Training und die Haltung der Tiere aussehen.

Sie arbeitet mit Hunden und Pferden: Die Dresseurin Rossi Hochegger sollte ursprünglich auch im Zirkus Flic Flac in Kassel auftreten.

„Es ist gut, wenn Haustiere gefordert und beschäftigt werden. Wenn ein Hund durch den Reifen springt, ist das für ihn kein gesundheitliches Problem. Wenn er allerdings längere Zeit auf den Hinterbeinen hüpfen muss, leiden seine Gelenke“, sagt Brückner.

Gut sei es beispielsweise, wenn die Hunde – wie bei Hochegger – im Rudel gehalten würden. „Es sollte aber auch gewährleistet werden, dass jeder Hund außerhalb der Tourneen Familienanschluss hat“, sagt Brückner.

Bei Pferden sei oft die Haltung in Zirkussen problematisch. „Auch wenn ich das für Frau Hochegger nicht beurteilen kann.“ Etliche Zirkusse würden den Pferden nicht ausreichend Freiflächen bieten, auf denen sie sich bewegen und grasen können. „Die Bewegung in der Manege reicht nicht aus.“ Oftmals würden die Pferde im Winterquartier nur in den Boxen stehen.

Ihre Pferde erhalten immer ausreichend Auslauf – auch auf den Tourneen, erklärt Tierdresseurin Rosi Hochegger.

„In der Zirkusleitlinie des Bundeslandwirtschaftsministerium – deren Einhaltung von den Veterinären überprüft wird – ist etwa festgehalten, dass Pferden ein Außengehege zur Verfügung stehen muss. Aber es steht dort nicht drin, dass sie sich auch frei bewegen können müssen wie auf einer Koppel“, sagt Brückner. Die Zoorichtlinien seien wesentlich strenger. „Wenn die Zoorichtlinen für Zirkusse gelten würden, könnten die meisten keine Tiere mehr halten“, so der Tierschützer.

Trotz des Mitgefühls für die Tiere seien Drohungen gegen Zirkusse völlig inakzeptabel. „Davon distanzieren wir uns als Tierschutzbund“, sagt Brückner.

Das sagt die Stadt Kassel: Wenig Verstöße bei Haustieren

Für das Kasseler Veterinäramt teilt ein Stadtsprecher mit: „Erfahrungsgemäß gibt die Haltung von Hunden und Pferden in einem Zirkus in aller Regel bei Kontrollen eher wenig Anlass zu wesentlichen Beanstandungen. Sofern Verstöße gegen die Haltungsvorschriften (Zirkus-Leitlinien, Tierschutz-Hundeverordnung) festgestellt werden, können die Mängel meist kurzfristig und mit relativ geringem Aufwand abgestellt werden. Die Haltungsbestimmungen sind einfacher umzusetzen als diejenigen für klassische Wildtierarten.“

Flic Flac gastiert vom 20. Dezember bis 14. Januar in Kassel. Der Vorverkauf läuft. Karten gibt es beim HNA-Kartenservice, Tel. 0561/203204.

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