Artistin Geraldine Philadelphia stammt aus altehrwürdigen Zirkusfamilie

Ein Zirkuskind wurde bei Flic Flac zur Herrin der Ringe

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Mit ihrer Ringjonglage begeistert Geraldine Philadelphia im Flic-Flac-Zelt: Die 21-Jährige stammt aus einer Artistenfamilie mit langer Tradition.

Kassel. Mit ihrer Ring-Jonglage ist Geraldine Philadelphia eine der Publikumslieblinge im Zirkus Flic Flac, der in Kassel gastiert. Die 21-Jährige weist eine beeindruckende Biografie auf. Unterdessen gibt es im Programm neue Attraktionen.

Das Publikum hat es sich gerade erwartungsvoll auf den Bänken bequem gemacht, die Schau beginnt – und da steht sie im Scheinwerferlicht. Geraldine Philadelphia macht mit ihrer poetisch-präzisen Ringjonglage den Auftakt zur aktuellen Schau des Flic-Flac-Festivals der Artisten.

Und das, so sagt die 21-Jährige mit einem strahlenden Lachen, empfinde sie als große Ehre – und Verantwortung. Da muss dann alles stimmen: die Spannung, der zirzensische Zauber, die Ausstrahlung und die spielerische Freude, die ins Publikum überspringt, sozusagen als Pars pro toto, als Appetitmacher auf die gesamte Vorstellung.

All das leistet Geraldine Philadelphia in ihrer eleganten und zugleich lässigen Art, mit ihren glitzernden Hula-Hoop-Reifen, die ihr wie eine willige Gefolgschaft beim Wirbeln durch die Luft millimetergenau gehorchen.

Unser Gespräch führen wir, während sie sich vor der Vorstellung mit Dehnübungen aufwärmt. Lenkt sie das nicht zu sehr ab? Muss sie sich nicht konzentrieren? Wieder lächelt sie. Nein, nein, nur ihr Aufwärmtraining müsse sie absolvieren, mehr nicht.

So jung wie sie ist, ist Geraldine schon ein Artistenprofi. Als Zirkuskind im Wohnwagen aufgewachsen, hat sie den Zirkusalltag mit der Muttermilch eingesogen. Seit Generationen sind die Philadelphias Akrobaten, Tierdresseure, Seiltänzer und Schausteller. Den Familiennamen hatte sich vor fast dreihundert Jahren Urahn Jacob Meyer nach seiner Geburtsstadt in den USA, Philadelphia, zugelegt. Heute werden die Philadelphias im gleichen Atemzug mit den großen Zirkusdynastien der Welt genannt. 

Jongliert mit sieben Ringen: Geraldine Philadelphia.

Papa Patrick Philadelphia ist Betriebsleiter im Circus Roncalli und Geraldines Mama Eliza war in ihrer Jugend Kunstturnerin in Rumänien und hat sich später, als sie aus dem Leistungssport herausgewachsen war, als Zirkusartistin am Schleuderbrett einen Namen erarbeitet. Kennengelernt haben sich die Eltern übrigens im Zirkus Flic-Flac, erzählt Geraldine, die noch einen elfjährigen Bruder hat. Vielleicht rühre auch daher ihre Affinität zum Zirkus im schwarz-gelben Zelt.

Die Jonglage mit Ringen habe sie schon als kleines Kind fasziniert, erzählt Geraldine. Alle Versuche der Mutter, die Tochter für Sprünge und Salti zu trainieren, seien fehlgeschlagen. Ihr Ding sei die Jonglage und die Freude, die sie dabei, Vorstellung für Vorstellung, empfindet, überträgt sie auf ihr Publikum. Sie sagt: „Es geht nicht so sehr darum, was du machst, sondern wie du es machst.“

Dabei hat Geraldine noch viel vor. „Ich will noch so viel lernen“, sagt sie. Gleichzeitig steht sie mit beiden Beinen auf der Erde. Vor drei Jahren hat die junge Frau ihr Abitur gemacht und sie kann sich vorstellen, Betriebswirtschaft zu studieren. Aber dem Zirkus, davon ist sie überzeugt, wird sie immer treu bleiben.

Das 9. Flic-Flac-Festival der Artisten gastiert noch bis 14. Januar auf dem Friedrichsplatz in Kassel. Karten: HNA-Kartentelefon 0561/203204 und an der Zirkuskasse.  

Neue Attraktionen

In leicht veränderter Form präsentiert sich das Flic-Flac-Festival in seiner Abschlusswoche wie nach einer Fitness-Kur: verdichtet, knackig, energiegeladen und noch mal einen Hauch dynamischer. Drei neue Nummern sind in das Programm aufgenommen worden.

Der überwältigende und preisgekrönte junge Künstler Chih-Han Chao aus Taiwan fasziniert mit seiner choreografisch und technisch atemberaubenden Diabolo-Nummer. Das ist frisch und mitreißend. Eine außergewöhnliche und beeindruckende Nummer präsentiert auch das russische Duo Pavlov mit Luftartistik an der Kette. Wie kraftaufwendig diese Akrobatik ist, lässt sich nur erahnen. 

Als bereits Bekannte im schwarz-gelben-Zirkuszelt können in der letzten Woche außerdem die drei unnachahmlichen Akrobatinnen von „Rhythm of three Hearts“ aus der Ukraine begrüßt werden. Die drei jungen Frauen vollbringen mit ihrer Sportgymnastik- und Akrobatik schier Übernatürliches. 

Aus dem aktuellen Programm verabschiedet hat sich dafür die China National Acrobatic Troupe mit ihrer Diabolo-Performance. Darüber hinaus ziehen in der aktuellen Schau nach wie vor die wunderbaren D’Holmikers aus der Schweiz mit Comedy und Kraftartistik in den Bann, fesselt das Duo „Flash of Splash“ mit Luftakrobatik, provoziert der „Master of Hellfire“, verzaubert Geraldine Philadelphia mit Jonglage.

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