Polizei sucht Zeugen

Er bangt um sein Augenlicht: Flüchtling in Kassel absichtlich mit Silvesterrakete beschossen

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Vor dem Tatort: Malek Alsalamat wurde in der Silvesternacht von einem dunkelhäutigen Mann mit einer Silvesterrakete beschossen. Dabei wurde die Netzhaut seines linken Auges zerstört. Er hat auf dem Auge nur noch zehn Prozent Sehfähigkeit.

Kassel. Er floh vor dem Bürgerkrieg in Syrien. Sowohl die Bombenangriffe in seiner Heimat wie auch die lange Flucht nach Deutschland überstand Malek Alsalamat körperlich unversehrt.

Doch in dem Land, in dem der 22-Jährige Schutz suchte, wurde er nun angegriffen. In der Silvesternacht richtete ein Mann, mutmaßlich Afrikaner, vor einer Shisha-Bar an der Kurfürstenstraße eine Silvesterrakete auf den Syrer. Sie traf ihn im Gesicht und zerstörte die Netzhaut seines linken Auges. Seitdem hat Alsalamat auf diesem Auge nur zehn Prozent Sehfähigkeit. Ob es sich je erholt, da wollen sich die Ärzte im Klinikum nicht festlegen.

Dabei wollte der anerkannte Flüchtling, der vor zwei Jahren nach Deutschland kam und inzwischen in Vellmar wohnt, nur ein paar schöne Stunden mit Freunden verbringen. Sie trafen sich am Silvesterabend in der Kasseler Cleopatra Shisha Bar an der Kurfürstenstraße, unweit des Hauptbahnhofes. Es wurde geraucht, Karten wurden gespielt. Als um 0 Uhr draußen das Feuerwerk begann, ging Alsalamat – wie alle Gäste der Bar – vor die Tür, um das Spektakel am Himmel zu beobachten.

Musste mehrere Tage stationär behandelt werden: Die Verletzung am linken Auge.

In etwa fünf Meter Entfernung beobachtete der Syrer einen etwa 25 bis 30 Jahre alten Mann mit schwarzer Hautfarbe, der eine Silvesterrakete in der Hand hielt und diese anzündete. „Erst richtete er die Rakete in den Himmel, aber ganz plötzlich zielte er damit auf mich. Ich habe noch versucht, die Hände vor das Gesicht zu nehmen, aber da war es schon zu spät“, erzählt Alsalamat. Er bekam die Rakete direkt ins Gesicht. Das Blut strömte aus Nase und Auge. „Ich rief: Mein Auge, mein Auge“, erinnert sich der Syrer. Er habe sich dann mit anderen Gästen in die Bar gerettet. Kurz darauf sagten ihm seine Freunde, dass sich der Täter, der den Silvesterabend auch in der Bar verbracht hatte, aus dem Staub gemacht habe. Der Eigentümer der Bar habe ihn schließlich ins Klinikum gefahren. Dort wurde er mehrere Tage stationär behandelt und konnte erst anschließend seine Aussage bei der Polizei machen.

Mehrere Gäste hätten an dem Abend das Geschehen beobachtet. Alsalamat hofft, dass sich einige davon als Zeugen bei der Polizei melden. Er selbst würde den Täter – der etwa 1,70 bis 1,77 Meter groß ist und am Tatabend einen weißen Pullover und eine schwarze Hose trug – wiedererkennen. „Ich vermute, dass er aus dem Sudan oder Eritrea stammt“, sagt Alsalamat. Er habe jedenfalls nicht Arabisch gesprochen, weshalb er die nordafrikanischen Länder als Herkunft ausschließe. Trotz des Vorfalls wirkt der Syrer, der schon gut Deutsch spricht, lebensfroh. Nach wie vor hält er an seinem Plan fest, im Wintersemester ein Informatikstudium an der Uni Kassel zu starten. Eine bedingte Zulassung habe er bereits. Er müsse nur noch eine Deutschprüfung bestehen.

Seine Familie, die aus Daraa in Syrien stammt, lebt inzwischen in Jordanien in Sicherheit, wohin sie vor vier Jahren ausgewandert war.

• Hinweise zur Tat oder zum Täter an die Polizei: 0561/ 9100

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