Einkommenslücke liegt bei nahezu unverändert 22 Prozent

Frauen verdienen weniger: Demonstration in Kassel

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Kassel. Die Einkommensunterschiede von Männern und Frauen in Deutschland sind mit die höchsten in Europa.

Laut statistischem Bundesamt verdienten Frauen aufgrund ihrer Erwerbsbiografie 2014 nahezu unverändert im Schnitt 22 Prozent weniger als Männer. Am Freitag wollen viele Frauen aus der Region am so genannten Equal Pay Day, dem internationalen Aktionstag zur Durchsetzung gleicher Löhne, vor dem Kasseler Rathaus gegen die Ungleichbehandlung demonstrieren.

Gewerkschaften prangern die geschlechterspezifische Einkommenslücke seit Jahren an. Nur in Estland, Österreich und Tschechien ist sie höher. Die geringsten Unterschiede weisen Slowenien (3,2 Prozent) und die Niederlande (5,1) auf. Die Gründe für das deutsche Ungleichgewicht: Frauen wenden mehr Zeit für die nicht bezahlte Kindererziehung auf und arbeiten viel häufiger in Teilzeit. Von den fast 60.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Teilzeit im Agenturbezirk Kassel sind 80 Prozent Frauen.

Hinzu kommt, dass Frauen tendenziell in Berufen tätig sind, in denen weit weniger bezahlt wird als in Männerdomänen. Frauen arbeiten vielfach in schlecht bezahlten Erziehungs- und Pflegeberufen, im Handel, in der Gastronomie und im Reinigungsgewerbe. Und die branchenspezifischen Einkommensunterschiede sind teilweise riesig: So erhält ein Metallfacharbeiter in der Industrie nach der Ausbildung gut 3000 Euro Einstiegslohn im Monat. Dazu kommen Schicht- und Wochenendzuschläge und häufig auch Gewinnbeteiligung. Eine Erzieherin hat ein Einstiegsgehalt von 2300, eine Altenpflegerin von 2100, sofern sie nach Tarif bezahlt werden, was oft nicht der Fall ist. Rechnet man die niedrigeren Gehälter heraus, verdienen Männer im Schnitt immer noch sieben Prozent mehr als Frauen. Für die gleiche Arbeit werden sie nicht selten schlechter bezahlt als ihre Kollegen, was rechtlich unzulässig ist.

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