Insgesamt 18 Stück

Boulevard der Friseure: Auf der Kasseler Friedrich-Ebert-Straße reiht sich Salon an Salon

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Zu Besuch bei den Friseuren: HNA-Mitarbeiterin Leonie Wessel war auf der Friedrich-Ebert-Straße von Salon zu Salon unterwegs.

Die Friedrich-Ebert-Straße in Kassel: Über zweieinhalb Kilometer erstreckt sie sich. Sie beheimatet Kirchen, Apotheken, Supermärkte, Cafés, Bars, Clubs und: 18 Friseursalons

Beginnend bei „Gehard Ramfeld“ verläuft so eine kleine Allee von Salons bis zum „Friseur Team Aktuell“, wo sich die Friedrich-Ebert-Straße in die Fünffensterstraße und den Ständeplatz teilt.

Beim Schlendern über den Boulevard wird im Durchschnitt alle 138 Meter ein Friseur passiert, manche liegen sich direkt gegenüber, andere trennt nur ein einziges Geschäft. Wird einem die Fülle bewusst, kommt man nicht umhin, sich zu fragen: Weshalb haben sich gerade hier so viele Friseursalons angesiedelt? Wie kann das Geschäft für alle funktionieren? Aber das fragt man wohl am besten die Friseure selbst.

Friseure in Kassel: Von Konkurrenz keine Spur

Das vorweg: Von Konkurrenz keine Spur. Die ist nämlich gar nicht nötig, jeder Salon hat seine eigenen Angebote und Kompetenzen und dadurch auch eigene Kundschaft. Die Stammkundschaft, das wohl höchste Gut eines Friseurs, da sind sich die Friedrich-Ebert-Straßen-Friseure einig. Ist sie einmal gewonnen, bleibt sie.

Seit der Umgestaltung der Friedrich-Ebert-Straße – so berichten es uns die Friseure – werden aber auch immer neue und jüngere Kunden angelockt, die beim Bummeln in den kleinen Geschäften die Salons erspähen und sich den aussuchen, der ihnen am besten gefällt.

Und warum lassen sich in Kassel Friseuresalons auf der Friedrich-Ebert-Straße so gerne nieder? Die Antwort lautet: Weil hier eine besondere Stimmung herrscht und es hier fast nur Einzelhändler gibt. Die persönliche Beziehung, die Kunden und Friseure aufbauen und pflegen, sei auf der Friedrich-Ebert-Straße ganz besonders, das Schwätzchenen miteinander ein sehr wichtiger Bestandteil des Besuches. Auf dem Boulevard der Friseure geht es nicht nur ums Haareschneiden.

Friseur in Kassel: "Schicke Schnitte" von Sandra Hilpert

Sandra Hilpert, Inhaberin (links), "Schicke Schnitte" und ihre Mitarbeiterin.

„Viele Friseure sind schon ewig hier und jeder der herkommt, bleibt auch, keiner macht zu“, sagt Sandra Hilpert, 49, Inhaberin von „Schicke Schnitte“. Sie hat sich vor knapp fünf Jahren selbstständig gemacht, ihre Stammkunden seien bei ihr geblieben, der Rest komme durch Mundpropaganda. Man profitiere sehr von der Umgestaltung der Straße: Die neuen Geschäfte laden zum Schlendern ein, alles sei vor Ort zu bekommen, luxuriöse Restaurants wie das „Voit“ dienen als Anziehungspunkt, sagt Sandra Hilpert.

Und: „Das Attraktive der Friedrich-Ebert-Straße ist für uns vor allem, dass hier nur Einzelhändler stehen. Jedes Geschäft und jeder Dienstleister ist erst mal auf sich gestellt, man kennt sich und empfiehlt sich gegenseitig weiter.“ Auch sei die Diversität der Friseure wichtig: „Du suchst dir heutzutage beim Friseur das ganze Paket aus, von Ambiente über Behandlung bis Preis“, sagt sie. Sandra übrigens ist Färbe-und Balayage-Spezialistin. Da sich auf der Friedrich-Ebert-Straße alle von einander in ihrem Konzept und Spezialitäten unterscheiden, habe jeder seine eigenen Kunden, die immer wieder kommen.

Hoai Thu Nguyen betreibt den Kasseler Friseur-Salon "La façon"

Hoai Thu Nguyen, Inhaberin vom Salon La Facon

„Thu ist etwas ganz Besonderes“, sagt eine Kundin über die 62-jährige Inhaberin des Salons „La Façon“. Vor 30 Jahren hat Thu ihn übernommen, seit zwei Jahren arbeitet sie hier allein. Dies führt zu einer familiären Atmosphäre, die ihre Kunden sehr schätzen. Die Sympathien und das Vertrauen ihrer Kunden zu gewinnen und eine gute Beziehung aufzubauen, sieht Thu als wichtigsten Faktor für ihr langes Bestehen auf der Salon-Allee.

Übrigens: Schnipp schnapp, zu viel ab: Das ist bei einem missglückten Friseurbesuch zu tun

Friseur in Kassel: "Gradlinig" von Stephanie Caspar

Stephanie Caspar, Inhaberin von "Gradlinig Cassel"

Vor vier Jahren machte sich Stephanie Caspar, 32, selbstständig und suchte sich dafür die Friedrich-Ebert-Straße aus: „Der Westen hat einen besonderen Flair, vor allem durch die Mischung der Menschen“, sagt sie. Sie schätzt es, dass die Leute hier noch Inhaber geführte Geschäfte unterstützen. Ihre Stammkunden sind ihr alle gefolgt, manche kommen schon in mehreren Generationen. Eine persönliche Bindung zu ihnen aufzubauen, sei dafür essenziell.

Friseur in Kassel: "head couture" von Hans-Karl Krüger

Hans-Karl Krüger, Geschäftsführer und Friseurmeister bei "head couture".

Der Salon „head couture“ ist seit 20 Jahren auf der Friedrich-Ebert-Straße zu finden, Inhaber ist Hans-Karl Krüger. Der ist außerdem Friseurmeister und Lizenzinhaber des „Organic Hair Cutting“. Er sieht eine Art Atomisierung der Friseursalons: Sie werden immer kleiner, daher muss es auch immer mehr von ihnen geben. „Jeder zieht seine Leute an, dadurch kann es funktionieren“, erklärt er dazu die Stabilität der 18 Salons auf kleinem Raum.

Sarah Klein betreibt das "Haarstudio Klein"

Sarah Klein, Inhaberin vom Haarstudio Klein

„Wenn hier etwas leer steht, kommt entweder eine Kneipe oder ein Friseur rein“, sagt Sarah Klein, 40, die vor 15 Jahren den jetzt 25 Jahre alten Salon von ihrer Mutter übernahm. Sie lebt hauptsächlich von ihrer Stammkundschaft und macht jeden Handgriff selbst. „Dienstleister und Menschenfreund zu sein, ist die Basis aller Friseure“, erklärt Klein und betont, dass gerade in Ein-Personen-Läden die Verbindung zu den Kunden am wichtigsten sei.

Friseur in Kassel: "Scissor Hands" von Mario Deichmann

Mario Deichmann, Inhaber von "ScissorHands".

„Wenn du Stammkundschaft hast und kein Allerwelts-Typ bist, dann kann es funktionieren“, erklärt Mario Deichmann, 44, Inhaber von „ScissorHands“. Auch er machte sich nach Jahren als Arbeitnehmer selbstständig auf der Friedrich-Ebert-Straße, auf der er selbst lange gewohnt hat. „Der Mini-Kiez ist eine kleine Liebe von mir“, sagt er, und vergleicht den Charme der Gegend mit Berlin und Hamburg.

Vor allem seit ihrer Umgestaltung verändere sich das Gesicht der Straße. Es entstünden neue Konzepte, alles werde jünger, sei schön, klein und ausgewählter. Friseurmäßig sei mittlerweile für jeden etwas dabei, jeder Salon locke unterschiedliches Klientel an. „So langsam ist der Bedarf hier aber gesättigt“, so Deichmann. Einen Friseurbesuch sieht er als Wellness-Einheit, mit seinen Kunden spreche er über alles. „Der Friseur ist wie der Frauenarzt, man wechselt ihn nicht gerne.“ Daher hat er auch keine Angst vor Konkurrenz, seine Stammkundschaft würde ihn niemals verlassen. „Außer dem bisschen Laufkundschaft nimmt man sich hier nichts weg, wir neiden uns hier nichts“.

Das sind die Friseure auf der Friedrich-Ebert-Straße

Von Leonie Wessel

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