Große Mehrheit im Parlament

Früheres Stadtbad Mitte: Behörden-Bau ersetzt Bad

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Modern und schlicht: So sehen die Pläne für das neue Geschäftshaus entlang der Mauerstraße aus. Im Vordergrund rechts ist der City-Point zu sehen, auf der linken Seite die Kurfürsten-Galerie.

Kassel. Der Weg für die neue Bebauung auf dem Areal des früheren Stadtbads Mitte ist endgültig frei.

Mit großer Mehrheit haben die Kasseler Stadtverordneten jetzt den Bebauungsplan für das Gelände zwischen Kurt-Schumacher- und Mauerstraße beschlossen.

Neben SPD und Grünen stimmten auch CDU und FDP zu. Kasseler Linke sowie Demokratie erneuern/Freie Wähler (DeFW) waren dagegen.

Nach dem Abriss des Stadtbads Mitte hatte eine Tochter der OFB Projektentwicklungs GmbH das Grundstück gekauft. Die OFB wiederum ist ein Tochterunternehmen der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Geplant ist, dass an dem Standort ein Behördenneubau entstehen soll, in den Mitarbeiter des Regierungspräsidiums Kassel einziehen sollen. Im Erdgeschoss sollen Flächen für Einzelhandel und Gastronomie entstehen.

Kein Wettbewerb

Der Magistrat hatte den Bebauungsplan mit Tempo durch die Gremien gebracht. In der Vorlage heißt es: „Aufgrund der Eilbedürftigkeit bei der Schaffung von Planungsrecht für die geplante Nutzung (...) war es nicht möglich, vorab ein Wettbewerbsverfahren durchzuführen.“

Der Grund für die Eilbedürftigkeit erschließe sich ihm nicht, kritisierte Frank Oberbrunner (FDP), obwohl seine Fraktion dem Plan zustimmte. Mit dem Gelände gebe die Stadt ein „Filetstück“ auf. „Die Stadtentwicklung werde zum wiederholten Mal verhunzt“, sagte Oberbrunner. Dass wie am Altmarkt mit dem Finanzamt und am Steinweg mit dem Regierungspräsidium an so exponierter Stelle eine weitere Behörde entstehe, sei falsch. „Verwaltungsleute können am Stadtrand arbeiten“, sagte Oberbrunner.

In eine ähnliche Richtung ging die Kritik von Norbert Domes, Fraktionschef der Kasseler Linken. Er zitierte aus einer Stellungnahme des Zweckverbandes Raum Kassel: „Es wäre wünschenswert gewesen, wenn für dieses besondere Stück Kassel sowohl vom Architektonischen als auch von der Nutzung her im Vorfeld ein Konzept erarbeitet worden wäre.“ Eine bisher gemeinnützig genutzte Fläche gebe die Stadt mit einer „08/15-Lösung“ auf.

Zum ersten Mal seit Langem hätte die Stadt auf einem eigenen Gelände selbst Wohnungen in der Innenstadt schaffen können, sagte DeFW-Fraktionsvorsitzender Bernd Häfner. Diese Chance werde nun vertan. Denn der Bebauungsplan widerspreche früheren Beschlüssen der Stadtverordnetenversammlung. So stehe zum Beispiel im Innenstadtleitbild als ein Ziel, dass Wohnungen geschaffen werden sollten, sagte Dr. Bernd Hoppe (DeFW).

Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne) und Grünen-Fraktionschef Dieter Beig verteidigten die Pläne als vernünftig. Es sei lange und ausführlich über den Plan diskutiert worden. Aufgrund der hohen Verkehrsbelastung eigne sich das Gelände eh nicht für Wohnraum, sagte Nolda. „Die Innenstadt ist ein großer Raum für Arbeitsplätze, Einzelhandel und auch Wohnort. Und da haben wir in der Stadt Kassel ein sehr gutes Verhältnis.“ (clm)

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