Neustart im Ausland

Sie steigen aus: Fünf Kasseler verwirklichen Traum von pädagogischen Zentrum in Frankreich

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Aussteigen, alles hinter sich lassen und ganz neu anfangen – wovon viele nur zu träumen wagen, setzen fünf junge Kasseler gerade in die Realität um.

Aussteigen, alles hinter sich lassen und ganz neu anfangen – wovon viele nur zu träumen wagen, setzen fünf junge Kasseler gerade in die Realität um.

Sie brechen ihre Zelte in Nordhessen ab, ziehen in das kleine französische Dorf Pouilly-sur-Vingeanne nordöstlich von Dijon und gründen dort ein Mitmach-Studio, in dem Gruppen, erlebnis- und musikpädagogische Freizeiten machen können.

Marina Arndt (31) und ihr Lebensgefährte Yannic Heyn (33) hatten schon lange den Traum vom Neustart im Ausland. „Vor zwei Jahren ist Yannic dann zufällig auf das Grundstück in Frankreich gestoßen, als er den Bauwagen einer Kasselerin in der Nähe renoviert hat“, sagt die Sozialarbeiterin Marina Arndt.

Ein Haupthaus und mehrere historische Steinhäuser, eine große Wiese an dem Fluss Vingeanne – das idyllische Anwesen inklusive Sauna und Pizzeria begeisterte den staatlich geprüften Sportlehrer und Erlebnispädagogen Yannic Heyn sofort. Auch Kanus, Fahrräder, Billardtisch und Flipper waren schon da. Beste Voraussetzungen für die Umsetzung der pädagogischen Ideen der Freunde.

Hier liegt Pouilly-sur-Vingeanne

Erst sei das alles mehr ein Scherz gewesen. „Dann haben wir genauer darüber nachgedacht und uns dafür entschieden“, sagt Marina Arndt. Gemeinsam mit Maike Kujawski (32), Beat Sandkühler (27) und Johannes Schröder (29) wird das Paar künftig auf dem ein Hektar großen Grundstück leben und arbeiten. Die Fünf kennen sich aus der Kulturarbeit, veranstalten gemeinsam kulturelle Events in Kassel sowie im In- und Ausland. 

Bisher kein Treffpunkt im französischen Dorf

Inzwischen hat die Gruppe den Verein „Anwesend“ gegründet – diesen Namen trägt auch das Projekt. In Frankreich angekommen ist sie auch schon. Zum Einstand gab es jetzt eine Einweihungsfeier für das ganze Dorf, um die Einwohner kennenzulernen und „Anwesend“ vorzustellen. „In dem Ort gibt es bislang keinen Treffpunkt, deshalb planen wir, einen Dorfladen einzurichten, der als Begegnungsort dienen soll“, sagt der Kunsthochschul-Student Beat Sandkühler.

Noch sind die Französischkenntnisse der Fünf rudimentär. „Die frischen wir gerade wieder auf“, sagt Marina Arndt, die zuletzt bei der Jugendhilfe gearbeitet hat. Daher wollen sich die Kasseler zunächst vor allem auf deutschsprachige Gruppen konzentrieren. Ziel der Freizeiten, die sich etwa an wie Schulklassen, Wohngruppen, Vereine oder Umweltorganisationen richten, sei die Teambildung, die Stärkung der Gruppe, sagt Marina Arndt. „Die Leute können an einem nachhaltigen Ort Urlaub machen, kreativ sein und einfach eine gute Zeit haben“, sagt Beat Sandkühler.

Kreativwerkstatt und Musikstudio

Eine Kreativwerkstatt für Kunsthandwerk und Malerei soll ebenso entstehen wie ein interaktives Eigenklang-Musikstudio, in dem Musik oder Hörspiele produziert werden können. Die Fünf planen auch, einen Jugendlichen mit individualpädagogischem Betreuungsbedarf langfristig aufzunehmen, der künstlerisch, organisatorisch und handwerklich mitarbeiten kann. Ab Frühjahr 2020 soll es richtig losgehen.  

Den Kontakt zu Kassel will die Gruppe auf keinen Fall verlieren. „Wir hoffen, dass uns viele Kasseler besuchen“, sagt Beat Sandkühler. Marina Arndt fällt der Abschied nicht leicht: „Ich bin in Kassel groß geworden. Es ist zwar schon lange mein Traum, ins Ausland zu gehen, und ich freue mich auch. Aber in den vergangenen Wochen ist mir bewusst geworden, was ich alles aufgebe und dass ich an der Stadt und den Menschen hier hänge. Kassel wird immer unser Bezugspunkt sein, wir werden immer wieder zurückkehren.“

Weitere Informationen im Internet unter anwesend.fr Kontakt: contact@anwesend.fr

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