Neun Unfälle 2016 mit zehn Verletzten

Diese Schulwege in Kassel sind "besonders gefährlich"

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Wolfsgraben: Die Straße wird als „besonders gefährlich eingestuft, weil die Gehwege dort sehr schmal sind.

Kassel. In Kassel gibt es mehrere Schulwege, die als „besonders gefährlich“ eingestuft werden. Das geht aus der Antwort von Kultusminister Alexander Lorz (CDU) auf eine FDP-Anfrage hervor.

Nach Angaben der Stadt handelt es sich dabei um Teilstrecken von fünf Straßen im Stadtgebiet. Gefährliche Schulwege müssen nicht nur ermittelt werden, um Gefahren zu vermeiden, sondern auch im Zusammenhang mit der Erstattung von Beförderungskosten (siehe Hintergrund ganz unten).

Das sei bei den betreffenden Straßen der Fall, sagte der Pressesprecher der Stadt Kassel, Michael Schwab. Sie seien nicht vom Straßenverkehrsamt als gefährlich eingestuft worden, sondern vom Schulträger. „Die Straßenabschnitte stellen für bestimmte Schüler eine Gefahr oder ein Hindernis dar, beispielsweise für Schüler mit Behinderungen.“ Konkret handelt es sich um Teilstrecken der Straßen Tannenstraße, Wolfsgraben, Ellenbacher Straße, Bei den Weidebäumen und Heidenkopfstraße.

Handlungsdruck bestehe an diesen Stellen aber nicht, so Schwab. „Es handelt sich nicht um Unfallschwerpunkte.“ Er habe keine Kenntnis davon, dass an den betreffenden Stellen in den vergangenen Jahren überhaupt etwas passiert sei. Sollten die Straßen irgendwann ohnehin saniert werden, würden die kritischen Stellen angegangen. Auch der Polizei liegen laut Pressesprecher Jürgen Wolf keine Erkenntnisse darüber vor, dass es an den betreffenden Stellen zu Schulwegunfällen gekommen sei.

Im Landkreis Kassel ist nicht der Schulträger, sondern sind die Kommunen für die Schulwege zuständig, sagte Kreissprecher Harald Kühlborn. Insofern liege ihm keine Übersicht über etwaige gefährliche Schulwege vor. Anfragen unserer Zeitung in den beiden größten Städten des Landkreises, Vellmar und Baunatal, haben aber ergeben, dass es dort derzeit keine als gefährlich eingestuften Schulwege gibt.

Übernahme der Fahrkosten

Das Hessische Schulgesetz sieht vor, dass bei einem Schulweg von mehr als zwei Kilometern zur zuständigen Grundschule beziehungsweise von mehr als drei Kilometern zur weiterführenden Schule die Fahrkosten übernommen werden. Ausnahmen gelten für kürzere Strecken, die besonders gefährlich oder wegen einer Behinderung besonders beschwerlich sind. Vorrang hat die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel. Ist das nicht möglich oder nicht zumutbar, können die Schulträger Schulbusse einsetzen oder private Fahrkosten erstatten. Mehr Infos unter:

https://kultusministerium.hessen.de/ueber-uns/buergerbuero/fahrkostenerstattung

2016 neun Unfälle auf Schulwegen

Zwanzig Unfälle auf Schulwegen wurden laut Polizeisprecher Jürgen Wolf in den vergangenen zwei Jahren im gesamten Stadtgebiet registriert. Im Jahr 2015 gab es elf Schulwegunfälle. Dabei wurden zwölf Kinder verletzt, sieben davon leicht, fünf schwer. Im Jahr 2016 waren es neun Unfälle, mit zehn verletzten Kindern, sechs davon leicht und vier schwer. Unfallzahlen für den Landkreis konnten nicht ermittelt werden. 

Die Unfallursachen seien vielfältig gewesen, so Wolf. Es habe beispielsweise Unfälle mit dem Fahrrad oder beim Überqueren der Straße gegeben. Auch habe es einen Fall gegeben, bei dem ein Kind nach einer Rempelei zu weit auf die Straße gekommen sei. 

Um die Zahl der Unfälle zu verringern, überprüfen die zuständigen Straßenverkehrsbehörden die Schulwege laut hessischem Verkehrsministerium regelmäßig auf ihre Verkehrssicherheit. Bei sogenannten Verkehrsschauen würden bestehende Verkehrsschilder, Zebrastreifen und andere Verkehrseinrichtungen begutachtet. Auch die Polizei ist an der Einschätzung der Situation beteiligt. 

„Das ist ein gemeinsamer Prozess“, so Pressesprecher Wolf. Sobald eine mögliche Gefahrenstelle gemeldet werde, meist von den Eltern, würden die Verantwortlichen der Kommunen, der Verkehrsbehörden und der Polizei zusammenkommen. „Sie schauen sich dann gemeinsam die Lage vor Ort an. Und wenn es tatsächlich ein Problem gibt, dann wird es in der Regel schnell behoben“, so Wolf.

Fünf Straßen in Kassel

Bei den fünf Kasseler Schulwegen, die als „besonders gefährlich“ im Sinne des Hessischen Schulgesetzes eingeschätzt werden, handelt es sich um Teilstrecken folgender Straßen:

Wolfsgraben 

Die Straße Wolfsgraben im Stadtteil Wolfsanger/Hasenecke wird der Stadt zufolge als gefährlich eingeschätzt, weil dort die Gehwege schmal sind.

Wolfsgraben: Die Straße wird als „besonders gefährlich eingestuft, weil die Gehwege dort sehr schmal sind.

Ellenbacher Straße 

An der Ellenbacher Straße im Stadtteil Bettenhausen gibt es laut der Stadt Kassel im Bereich der Schmidtschen Schaak keinen Gehweg.

Ellenbacher Straße: Im Bereich der Schmidtschen Schaak gibt es keinen Gehweg.

Tannenstraße 

In der Tannenstraße im Stadtteil Vorderer Westen verspringt nach Informationen der Stadt Kassel ein einseitiger Gehweg im Bereich der Tannenbrücke auf die andere Straßenseite.

Tannenstraße: Dort verspringt ein einseitiger Gehweg an der Tannenbrücke auf die andere Straßenseite.

Bei den Weidebäumen 

Die Straße "Bei den Weidebäumen" im Stadtteil Jungfernkopf wird als gefährlich eingestuft, weil sich dort teilweise nur ein halbseitiger Gehweg befindet.

Bei den Weidenbäumen: Die Straße wird als „besonders gefährlicher“ Schulweg eingeschätzt, weil sich dort teilweise nur ein halbseitiger Gehweg befindet.

Heidenkopfstraße 

Der hintere Abschnitt des Neubaugebiets "An der Söhrebahn" bis zur Ochshäuser Straße im Stadtteil Forstfeld hat der Stadt Kassel zufolge einen Baustraßencharakter ohne Gehweg. Der Bereich habe aber keine große Verkehrsbedeutung.

Heidenkopfstraße: Dort droht Schulkindern Gefahr, weil es teilweise gar keinen Gehweg gibt.

Hintergrund

491 Unfälle mit Schulkindern in Hessen

Hessenweit gab es in der vergangenen beiden Jahren insgesamt 491 Schulwegunfälle. Nach Angaben von Kultusminister Alexander Lorz (CDU) sind dabei ein Mensch getötet, 108 Personen schwer und 384 weitere leicht verletzt worden. Wie viele der Opfer Schulkinder waren, geht aus den Zahlen nicht hervor. 

Die häufigsten Gründe für durch Schüler verursachte Unfälle waren Lorz zufolge falsches Verhalten an Ampeln, Fußgängerüberwegen und in der Nähe von Kreuzungen. Autofahrer verhielten sich dem Kultusministerium zufolge oft an Zebrastreifen und den Haltebuchten der Schulbusse falsch. 

In zahlreichen hessischen Städten gibt es Schulwege, die als gefährlich gelten. Dazu zählen unter anderem Wiesbaden mit 16 als „besonders gefährlich“ eingestuften Routen und Frankfurt mit bis zu 20 Strecken.

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