Kreuzung sei trotzdem kein Unfallschwerpunkt

Gefahr für Fußgänger am Stern: Bei Grün fährt auch die Tram

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Grün für Fußgänger und die Straßenbahn fährt durch: Auf der Kreuzung „Am Stern“ in der Kasseler Innenstadt kommt es durch diesen Konflikt täglich mehrmals zu gefährlichen Situationen. Unfälle passieren laut Polizei aber nur sehr selten, der Verkehrsknoten gilt nicht als Unfallschwerpunkt. 

Kassel. Gefahr am Stern: Wenn Fußgänger die Kreuzung in der Kasseler Innenstadt bei grünem Ampellicht überqueren, kreuzen gleichzeitig Straßenbahnen und Busse ihren Weg.

Mehrmals täglich kommt es zu brenzligen Situationen. Erwachsene, aber auch viele Kinder und Jugendliche, die sich allein auf die vermeintlich sichere Fußgängerampel verlassen, können Unfälle manchmal noch gerade so vermeiden.

Oft sind es andere Passanten, die Unaufmerksamen Warnungen zurufen oder die Menschen an der Kleidung festhalten, damit nichts passiert. Viele Tramfahrer schaffen sich per Dauerklingel freie Bahn durch die Fußgängergruppen. Eine Kasselerin, die oft zu Fuß über den Stern muss, hat Angst, „dass meine Tochter hier in den Tod laufen könnte.“

Warnhinweise für Fußgänger: Das gelbe Wechselblinklicht.

Die Ampeln so zu schalten, dass jeweils nur Fußgänger oder Tram Grün bekommen, würde nach Einschätzung der Stadt keine Verbesserung bringen, sondern zu deutlich längeren Wartezeiten für Fußgänger führen, sagt Rathaus-Sprecher Ingo Happel-Emrich. „Dies würde die Verkehrssicherheit an der Kreuzung verschlechtern. Denn unserer Erfahrung nach neigen Fußgänger in solchen Situationen dazu, die Straße bei Rot zu überqueren.“

Die roten Warn-Aufsteller mitten auf dem Überweg.

Die Kreuzung am Stern sei seit 1998 kein Unfallschwerpunkt mehr. 2007 sei die Situation für Fußgänger verbessert worden. Die Fußgängerfurt wurde einen Meter weit in Richtung Altmarkt verlegt und zudem um zwei Meter verbreitert. Und es wurden rote Warn-Stelen aufgestellt, die die Fußgänger auf die Straßenbahnen und Busse hinweisen.

Die Warntafeln neben den Ampeln macht am Stern auf kreuzende Straßenbahnen und Busse aufmerksam. 

Viele Anregungen und Hinweise zu dem bekannten Problem seien geprüft worden, „ohne dass eine bessere und sicherere Variante gefunden werden konnte.“„Wir appellieren daher an alle Fußgänger, die Straße grundsätzlich nur bei Grün zu überqueren und dabei auf die Straßenbahnen zu achten“, sagt Happel-Emrich. Verkehrsteilnehmer sollten zudem darauf verzichten, ihren Hörsinn durch das Tragen von Kopfhörern zu beeinträchtigen.

Laut Polizei gab es in den vergangenen sieben Jahren lediglich zwei Unfälle zwischen Fußgängern und Straßenbahnen am Stern. Beide ereigneten sich in 2015, ein Fußgänger wurde leicht, der andere schwer verletzt. „In beiden Fällen führte Unachtsamkeit der Fußgänger zum Unfall“, sagt Polizeisprecher Matthias Mänz. Ein Unfallhäufungspunkt liege am Stern demnach nicht vor. Zudem habe es dort bislang keine Unfälle gegeben, die auf eine unklare Verkehrsführung zurückzuführen wären. „An einer solchen innerstädtischen Kreuzung mit derartig hohem Verkehrsaufkommen kommt der im Straßenverkehr erforderlichen Sorgfalt eines jeden Verkehrsteilnehmers und somit auch eines jeden Fußgängers erhöhte Bedeutung zu“, erklärt Mänz.

Tipps für Fußgänger

  • Handy in die Tasche! Wer als Fußgänger im dichten Verkehr nur sein Smartphone-Display im Blick hat, riskiert einen Unfall und damit sogar sein Leben.
  • Stöpsel aus den Ohren! Wer als Fußgänger per Kopfhörer laute Musik hört, kriegt vom Straßenverkehr rundherum nicht mehr viel mit und riskiert einen Unfall... 
  • Auch wenn die Fußgänger-Ampel Grün zeigt: Achtsam sein! Tram und Busse kreuzen viele Überwege. Und nicht selten übersehen Autofahrer eine rote Ampel oder treten bei Spätgelb noch mal aufs Gas. Wer als Fußgänger auf die Straße läuft, ist zwar im Recht, riskiert aber seine Gesundheit. 
  • Um Hilfe bitten! Wer als älterer Mensch über eine vielbefahrene Kreuzung will, sollte sich nicht scheuen, Jüngere, die ebenfalls an der Ampel warten, um Unterstützung beim Überqueren der Straße zu bitten.

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