Freie Bahn zum Finanzamt

Geh- und Sehbehinderte testen den barrierefreien Überweg am Altmarkt

Grünes Licht: Sabine Ernst und ihr sehbehinderter Mann Helmut, Vorsitzender des Behindertenbeirats (vorn von links), Thomas Müller von der Kasseler Stadtverwaltung und Carola Hiedl überquerten als erste den Überweg am Finanzamt. Foto: Dilling

Kassel. „Die Altmarktkreuzung war für mich bisher tabu“, sagt Carola Hiedl. Für die Rollstuhlfahrerin, die Mitglied im Behindertenbeirat der Stadt ist, war die Unterführung unter der Kreuzung ein unüberwindliches Hindernis. Der Weg zur Fulda oder zum Finanzamt war ihr versperrt. Das ist nun Vergangenheit.

Hiedl testete mit weiteren Geh- und Sehbehinderte als erste den neuen beampelten, barrierefreien und mit einem Leitsystem ausgestatteten Fußgängerüberweg an der Nordseite der Kreuzung über die Weserstraße zum Finanzamt. Das ist ein Happy End nach langen Diskussionen um die Unterführungen, die einst die Stadt autofreundlich machen sollten. Es gab sogar Demonstrationen für einen barrierefreien Übergang. Die Unterführung ist inzwischen von der Stadt gesperrt worden. Dort werden im Zuge des Umbaus des Altmarkts zunächst Versorgungsleitungen verlegt. Dann wird der Tunnel verfüllt.

An der westlichen Seite der Kreuzung, in Höhe der Tränkepforte und der Straßenbahnhaltestelle, können Gehbehinderte die Kurt-Schmumacher-Straße am Altmarkt bereits seit längerem ebenerdig überqueren. Nach den Sommerferien im nächsten Jahr werde auch ein barrierefreier Überweg an der südlichen Seite, im Zuge der Brüderstraße angelegt, kündigte Uwe Bischoff vom städtischen Straßenverkehrs- und Tiefbauamt an.

Kleine Schwachpunkte

Der Test des neuen Überwegs zeigte allerdings noch kleine Schwachpunkte: Die Grünphase für Fußgänger war arg knapp bemessen. Das soll geändert werden. Carola Hiedl fürchtet zudem, dass Rollstuhlfahrer, deren Fahrzeuge kleine Lenkrollen haben, am Übergang zu den Straßenbahnschienen hängen bleiben können. Tatsächlich ist der Bereich des Gleisbetts huppelig. Es gibt Senken und kleine Hügel im Bereich des gepflasterten Gleisbetts. Das sei beispielweise an der Straßenbahnhaltestelle Weigelstraße (Wilhelmshöher Allee) besser gelöst, sagt Hiedl. Bischoff sagte eine Prüfung zu.

Bisher hat die Stadt nach eigenen Angaben 1,5 Millionen Euro in den Umbau des Altmarkts investiert. 4,2 Millionen Euro sind insgesamt eingeplant – 2,4 Millionnen kommen vom Land. Bis Ende des Jahres sollen auch die Randbereiche des nördlichen Teils fertiggestellt werden. Stadtbaurat Christof Nolda hofft, dass der gesamte Umbau bis Ende 2015 erledigt sein wird. Sperrungen und Fahrbahnverengungen während der Bauarbeiten würden rechtzeitig bekannt gegeben. Momentan sind am Altmarkt alle Fahrspuren frei. (pdi)

Archivvideo: So wird der Altmarkt

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