An vielen Tagen im Jahr bleibt die Königsstraße frei von Bahnen

Es geht in Kassels Innenstadt auch jetzt schon ohne Trams

Allgegenwärtig: Straßenbahnen bestimmen das Bild in Kassels Einkaufsmeile. Fußgänger müssen auf der Hut sein, wenn sie die Königsstraße überqueren wollen. Archivfoto: Malmus

Kassel. Dass in der Kasseler Fußgängerzone auch jede Menge Straßenbahnen und Regiotramzüge unterwegs sind, sorgt seit vielen Jahren für kontroverse Diskussionen.

Viele Stadtbewohner und Einkaufsbummler aus der Region wünschen sich eine Fußgängerzone ohne Straßenbahn. Doch das würde vor allem für viele ältere und behinderte Menschen eine enorme Einschränkung bedeuten, weil die Wege zu den Geschäften an der Einkaufsmeile länger würden, wenn die Trams nur noch über Scheidemannplatz und Ständeplatz verkehren.

Im Jahr 1985 wurde das Kasseler Straßenbahnnetz so verändert, dass fast alle Tramlinien über die Königsstraße fahren. Das ist bis heute so geblieben. Und auch im geplanten neuen Liniennetz der Kasseler Verkehrs-Gesellschaft (KVG) soll sich daran nichts ändern.

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Auch die Kaufmannschaft in der Innenstadt ist geteilter Meinung. Es gibt Händler, die in einer wirklichen Flaniermeile ohne Schienenfahrzeuge eine große Zukunftschance für die Fußgängerzone sehen. Aber es gibt auch City-Kaufleute, die den Vorzug, dass die Kunden direkt vors Geschäfts gefahren werden, nicht missen möchten, weil das den Umsatz sichert.

2005 gab es einen Vorstoß aus der Händlerschaft, mit dem Verzicht auf die Trams einen echten Einkaufs-Boulevard zu schaffen und den Weg für Flaneure frei zu machen. Die Stadtverordnetenversammlung beschloss damals mit den Stimmen von SPD, CDU und FDP eine zeitweise tramfreie Innenstadt an den Adventswochenenden. Das fand damals auch der Seniorenbeirat der Stadt gut. In einem HNA-Lesertreff im Oktober 2005 gab es aber unter den Gästen eine leichte Mehrheit dafür, dass die Tram in der Königsstraße weiter so fährt wie gewohnt.

Inzwischen ist es aber längst zur Regel geworden, die Schienenfahrzeuge über Scheidemannplatz und Ständeplatz fahren zu lassen, wenn in Kassels guter Stube viel los ist.

Es geht auch ohne Tram: Gedränge auf der Königsstraße während des Hessentages in Kassel im Juni 2013. Die Bahnen fuhren zehn Tage lang über Scheidemannplatz und Ständeplatz. Foto: Malmus/nh

Bei Stadtfesten, Casseler Freyheit, Weihnachtsmarkt, Umzügen, Kundgebungen oder Demonstrationen schickt die KVG die Trams auf die Ersatzroute, weil die Fahrzeuge im Menschengedränge ohnehin nicht mehr vorankämen. Mit dem Umleitungsverkehr soll zudem auch die Sicherheit der Fußgänger auf der Königsstraße erhöht werden. Die tramfreie Innenstadt bewährt sich auf diese Weise bereits regelmäßig an vielen Tagen im Jahr.

Weil es in der Innenstadt nachweisbar auch ohne Straßenbahnen und Regiotramzüge geht, gibt es immer wieder Diskussionen, ob nicht zur Entlastung der Fußgängerzone einzelne Linien aus der Königsstraße herausgenommen werden und auf Dauer über die Ausweichstrecke geführt werden könnten. Ein solcher Kompromiss scheint auch mit erklärten Befürwortern der Tram auf der Königsstraße – zum Beispiel der Rathausfraktion der Grünen – möglich. Und das Verteilen der Linien auf beide Strecken könnte auch eine Chance für die Fußgängerzone sein, wenn der angestrebte Bürgerentscheid scheitern sollte.

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