Offener Brief an OB

Gekippte Kastrationspflicht: Tierschützer schlagen Alarm wegen Katzenelend

Gegen die geplante Kastrationspflicht für Katzen in Kassel hat der Oberbürgermeister  Ende vergangenen Jahres sein Veto eingelegt. In einem offenen Brief appellieren jetzt mehrere Organisationen an Hilgen, seine Blockade gegen die Katzenschutzverordnung aufzugeben.

Als „Alarmruf“ verstehen die sieben Unterzeichner ihren offenen Brief an Kassels Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD). Die Vertreter von Tier- und Umweltschutzorganisationen sowie der Grünen appellieren an den OB, doch noch eine Kastrationspflicht für Katzen in Kassel einzuführen. Wie berichtet, hatte Hilgen der seit Langem geplanten Katzenschutzverordnung im vergangenen November überraschend eine Absage erteilt. Er begründete seine Entscheidung, mit der er sich gegen das Votum der Stadtverordnetenversammlung stellte, mit rechtlichen Bedenken.

Karsten Plücker

Seit über vier Jahren wird in Kassel schon über die Einführung einer Registrierungs- und Kastrationspflicht für Katzen diskutiert. Seither habe das Leid der Katzen weiter zugenommen, heißt es in dem offenen Brief. Die Zahl der Straßenkatzen sei gestiegen, zudem seien auch immer mehr der Tiere krank. Schätzungen zufolge gibt es um die 3000 streunende Katzen im Stadtgebiet.

In der Kasseler Wau-Mau-Insel werden fast täglich Fundkatzen abgegeben, rund 250 im Jahr, sagt Tierheim-Chef Karsten Plücker. Aufgrund der mangelnden Versorgung seien Straßenkatzen oft krank und unterernährt, berichtet Plücker. Auch für Hauskatzen mit Freigang sei das eine Gefahr: Sie können sich beim Kontakt mit den Streunern mit Krankheiten infizieren. Zudem tragen auch sie – sofern sie nicht kastriert sind – zur unkontrollierten Vermehrung bei. Über 80 Prozent aller aufgenommenen Katzen im Tierheim (Fundkatzen sowie sichergestellte und abgegebene Tiere) sind nicht kastriert.

Um das Tierleid einzudämmen, müsse die Zahl wild lebender Katzen dringend eingedämmt werden, sagt auch Ruth Helwig vom Kasseler Verein Cat-Care Tierhilfe. In den vergangenen Jahren habe man mehr als 2000 verwilderte Katzen kastrieren lassen. Die Grenzen der Belastbarkeit seien bereits überschritten. Die Lösung des Problems sehen die Tierschützer in der Katzenschutzverordnung, die der OB in Kraft setzen müsste. Demnach müssten Halter, die ihren Katzen Zugang ins Freie gewähren, ihre Tiere kastrieren und mit einem Chip registrieren lassen.

Die Stadtverordneten hatten bereits 2013 einstimmig die Einführung einer Kastrations- und Registrierungspflicht beschlossen. Damals hieß es seitens des Magistrats, man müsse noch auf eine Rechtsgrundlage des Landes warten. Diese liege seit Mitte 2015 vor, sagt Christine Hesse, umweltpolitische Sprecherin der grünen Rathausfraktion. Warum der OB trotzdem die Katzenschutzverordnung blockiere, sei nicht nachvollziehbar. Für die Stadtverordneten-Sitzung am 27. März haben Grüne und CDU das Thema erneut auf die Tagesordnung setzen lassen.

Die Verfasser des Offenen Briefs

Der Offene Brief ist unterzeichnet von Karsten Plücker (Tierheim Wau-Mau-Insel), Ruth Helwig (Cat-Care Tierhilfe Kassel), Christine Hesse (Rathausfraktion der Grünen) sowie der grünen Bundestagsabgeordneten Nicole Maisch, Peter Lorenz (NABU Kassel), Johanna Leng (Albert-Schweitzer-Stiftung für unsere Mitwelt) und Harald Haag (Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz).

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Rubriklistenbild: © dpa

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