Gerangel um das Victoria-Gebäude: Stadt will Vorkaufsrecht geltend machen

Steht zum Verkauf: Das Victoria-Hochhaus an der Rathauskreuzung. Die Stadt will das Gebäude erwerben. Foto: Fischer

Kassel. Die Stadt Kassel will das Victoria-Hochhaus an der Oberen Königsstraße 3 gegenüber dem Rathaus kaufen.

In dem Gebäude aus den 1960er-Jahren sollen städtische Ämter angesiedelt werden, die bislang in angemieteten Räumen untergebracht sind.

Der Grundstücksausschuss wird sich bereits am morgigen Dienstag in einem nachgeschobenen Tagesordnungspunkt mit dem Thema befassen. Die Stadtverordneten sollen das Vorhaben am Montag, 16. November, absegnen. Der Kaufpreis für die sanierungsbedürftige Immobilie liegt nach Informationen der HNA bei rund 3 Millionen Euro.

Der Hintergrund

Grund für die Eile: Der Kasseler Projektentwickler Klaus Rolf Gerhold hat nach eigenen Angaben mit dem Eigentümer, der Bubis Verwaltungsgesellschaft in Abwicklung, nach langwierigen Verhandlungen bereits einen notariellen Kaufvertrag geschlossen.

Die Stadt, die mit dem Sozialpsychiatrischen Dienst und der Psychosozialen Kontakt- und Beratungsstelle des Gesundheitsamtes Region Kassel drei Etagen in dem 1960er-Jahre-Hochhaus belegt, hat aber ein im Grundbuch abgesichertes Vorkaufsrecht. Davon will sie nun Gebrauch machen und ihre Raumprobleme nach dem Scheitern des Technischen Rathauses bei Salzmann lösen. Die Zentrale Bußgeldstelle des Landes Hessen, die acht Stockwerke angemietet hat, wird voraussichtlich 2017 vom Victoria-Haus in den Neubau auf dem ehemaligen Stadtbad- Mitte-Gelände ziehen.

Die Position der Stadt 

Christian Geselle

Kämmerer und Liegenschaftsdezernent Christian Geselle (SPD) sieht trotz des hohen Sanierungsbedarfs einen „wirtschaftlichen Vorteil“ für die Stadt. Im Victoria-Haus könnten „die vielen Satelliten“ zusammengefasst werden, die Nähe zum Rathaus sei ein weiteres Plus. Die Stadt brauche zudem Raum, wenn der Rathausflügel an der Karlsstraße in naher Zukunft saniert werde. Mehr wollte Geselle im Vorfeld der Ausschusssitzung zu den Sanierungskosten und dem Kaufpreis nicht sagen.

Die Sicht des Konkurrenten 

Klaus Rolf Gerhold

„Die Stadt will das durchpeitschen, ohne die Risiken zu benennen“, sagt Projektentwickler Gerhold. Der Sanierungsbedarf sei enorm. Bausachverständige schätzten die Sanierungskosten auf vier bis sechs Millionen Euro. Allein die energetische Sanierung würde mehrere Millionen verschlingen „Wir haben die Kosten für eine energetische Sanierung, die zu einem Gebäude mit dem heute aktuellen Standard führen würde, sachverständig schätzen lassen. Allein diese Kosten würden sich auf circa 2 bis 3 Millionen Euro belaufen.“

Weiterer kritischer Punkt ist laut Gerhold die Zufahrt zur Tiefgarage des Victoria-Hauses, die nur über ein Nachbargrundstück möglich sei. Dieses Wegerecht sei zwar im Grundbuch abgesichert, nach seiner Kenntnis strebe der Grundstückseigentümer aber dessen Löschung an.

„Viel Arbeit reingesteckt“

„Wir haben viel Arbeit reingesteckt“, sagt Gerhold, der das Gebäude „nach und nach sanieren“ und vermieten wollte. Ein Jahr lang habe er mit dem Eigentümer verhandelt, Konzeptentwicklung betrieben, Investitionen und Bewertungen vorgenommen. Die 4500 Quadratmeter, die nach dem Auszug der Bußgeldstelle frei werden, könne die Stadt auch als Mieter haben.

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