Altkanzler zu Besuch in Museum für Sepulkralkultur

Unter Freunden: Gerhard Schröder besucht Balkenhol-Ausstellung in Kassel

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Unter Freunden: Stephan Balkenhol (von links), Soyeon Schröder-Kim, Kathrin Balkenhol und Gerhard Schröder neben einer Arbeit von Stephan Balkenhol im Museum für Sepulkralkultur.

Gerhard Schröder und der Künstler Stephan Balkenhol sind befreundet. Nun besuchte der Altkanzler Balkenhols Ausstellung in Kassel.

Es ist am Anfang nicht ganz klar, ob Gerhard Schröder der Öffentlichkeit auch Fragen beantwortet. Das Ganze ist eigentlich eine private Veranstaltung mit offiziellem Fototermin: Der Altkanzler besucht die Ausstellung des heimischen Künstlers Stephan Balkenhol im Kasseler Sepulkralmuseum, in der es um Balkenhols Werke im Spannungsfeld von Leben und Tod geht.

Gerhard Schröder steht jetzt mit etwas mehr als einem Dutzend geladener Gäste in einem Nebenraum, in dem es Snacks und Getränke gibt. Die Atmosphäre ist locker, die Sonne scheint herein. Und – natürlich: Schröder steht bereit für Fragen. Wobei: Es gibt da schon eine Bedingung, die er sogleich als Scherz verpackt: „Wenn es nicht gerade um die Führung der SPD geht, dann ist alles in Ordnung.“ Alle lachen, und seine Frau Soyeon Schröder-Kim unterstreicht, dass Fragen zur Kunst doch immer erlaubt seien.

Gerhard Schröder: Man muss jeden Tag nutzen

Wie also ist Schröders Eindruck von dem gerade Gesehenen? Der 75-Jährige sagt: „Es ist wirklich ein wunderbares Erlebnis, durch die Ausstellung zu gehen. Nicht zuletzt wegen des Themas, weil man dann doch daran erinnert wird, dass sein wunderbares Leben, das man gegenwärtig lebt, irgendwann zu Ende ist. Und dass man daran erinnert wird, jeden Tag zu nutzen.“

Ähnlich schon hatte sich der Künstler selbst vor der Eröffnung der Ausstellung geäußert. Er sagte, den Tod ins Leben zu integrieren, hieße, es als Geschenk zu betrachten und zu feiern. Womöglich ist diese deckungsgleiche Ansicht über das Leben auch ein Grund dafür, dass Schröder und Balkenhol sich mögen. Und so ist Schröders Gastauftritt in Kassel auch ein Treffen von Freunden.

Schröder und Balkenhol seit 2001 befreundet

Beide lernten sich 2001 kennen, als Schröder – damals noch Kanzler – Künstler einlud, um das neue Bundeskanzleramt in Berlin auszugestalten. Balkenhol, geboren in Fritzlar, bekam den Auftrag, sich mit dem Bankettsaal des Hauses zu befassen – und schuf fünf Holzskulpturen. Schröder hat die Arbeit mächtig beeindruckt.

Seitdem haben sich beide immer wieder getroffen; im vergangenen Jahr hielt Schröder die Rede, als die Balkenhol-Skulptur „Hommage an August Macke“ an die Stadt Bonn übergeben wurde. „So ist eine intensivere Beziehung entstanden“, sagt Schröder, der darauf verweist, dass auch in seinem Hannover ein Kunstwerk Balkenhols steht, das viele erfreue. „Ich geh da oft vorbei.“ Und seine Frau erzählt, dass kürzlich auf einem Repräsentantentreffen alle von einer Arbeit Balkenhols fasziniert gewesen seien. Da habe sie stolz angemerkt, dass sie den Künstler kenne.

Schröder setzt sich beim Fototermin auf Kunstwerk

Balkenhol wiederum schätzt an Schröder nicht nur dessen Menschlichkeit, sondern auch dessen Fähigkeit, sich für Kunst zu begeistern. Während seines Besuchs in Kassel zeigt Schröder von beiden Eigenschaften etwas. Bevor es auch noch in die Grimmwelt geht, steht noch der Fototermin im Sepulkralmuseum an. Auf einer Zwischenetage liegt Balkenhols bekannte Bronzefigur Ikarus; die Gäste stellen sich um sie herum, die Fotografen postieren sich, als die Idee aufkommt, dass sich Schröder doch auf die Figur setzen könne. Und so nimmt der Altkanzler Platz auf Ikarus und lächelt. Seine Frau setzt sich auf seinen Schoß.

Wie war das noch mit dem Leben? Man sollte es feiern. Balkenhol hat nichts dagegen, dass jetzt plötzlich jemand auf seinem Kunstwerk sitzt – als ob er Schröder bestätigen wollte. Kurz zuvor hatte der Altkanzler noch gesagt: „Mit Balkenhol kann man Pferde stehlen.“

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