Für einige Geschäfte gibt es neue Pläne

Fußgängerzone ist Sorgenkind: Langjährige Mieter verlassen Kassels Innenstadt

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Zum letzten Mal mit Weihnachtsschleife: Das Modehaus Köhler an der Ecke zum Opernplatz schließt im Sommer. Danach wird das Gebäude umfassend saniert.

Kassel. Nach dem Weihnachtsgeschäft reiht sich in der Kasseler Innenstadt ein Rabatt-Plakat an das nächste. Viele Geschäfte schließen aber auch für immer. 

Darunter auch langjährige Mieter. Hier gibt es keinen Rabatt-, sondern Ausverkauf. Die größten Veränderungen sind mit den Schließungen der Sportarena und des Modehauses Köhler zu erwarten. Aber nicht nur an der Oberen Königsstraße, sondern auch in den Nebenstraßen gibt es unvermietete Läden. 

Beim Blick in die drei großen Einkaufsgalerien zeigt sich ein ungleiches Bild. Während in der Königs-Galerie keine unvermieteten Ladenlokale ins Auge fallen, gibt es in der Kurfürstengalerie gleich eine ganze Reihe an leeren Geschäften. Im City Point ist lediglich ein Ladenlokal frei, das aber während des Weihnachtsgeschäfts noch für den Service genutzt wurde. Außerdem sind die Räume der früheren Immergrün-Filiale noch nicht neu vermietet. Wir geben einen Überblick über die Leerstände in der Innenstadt. Oftmals ist allerdings auch auf Nachfrage noch kein neuer Mieter zu erfahren oder darf noch nicht bekannt gegeben werden.

Obere Königsstraße: Viele Wechsel in der Fußgängerzone

Das Sorgenkind in der Kasseler Innenstadt ist, was den Leerstand angeht, die Obere Königsstraße. Eigentlich sollte man meinen, dass die Lage gefragt ist, allerdings sind die hohen Mieten auch nur von großen Ketten zu stemmen. Mehrere langjährige Mieter haben kürzlich geschlossen oder schließen noch in der ersten Jahreshälfte.

  • Sportarena und Reno: Die Sportarena schließt zu Ende Januar, die angrenzende Reno-Filiale ist bereits geschlossen. Seit mehreren Wochen läuft der Ausverlauf. Die Immobilie steht im Eigentum der Kaufhof-Mutter Hudson’s Bay Company (HBC). Nutzungskonzepte würden geprüft, sagt ein Sprecher. Die Stadt Kassel teilte mit, dass ihr diesbezüglich keinerlei Informationen vorlägen – eben so wenig entsprechende Bauanträge.
  • Modehaus Köhler: Wie bereits länger bekannt ist, schließt auch das Modehaus Köhler zum 30. Juni 2018. Das integrierte Damengeschäft Stella indes bleibt erhalten. Wie Köhler-Chef Ludwig Vordemfelde erklärte, wird eine Mitarbeiterin das Geschäft übernehmen und in die Wilhelmstraße umziehen. Das Gebäude in der Königsstraße werde zehn Monate lang umgebaut. Wer der Nachmieter sein wird, wird nicht verraten. Gerüchte, wonach H&M dorthin umsiedeln und dort zusammen mit der in der Königs-Galerie untergebrachten Edelmarke Cos einziehen wolle, dementierte Vordemfelde.
  • Zero: Die Zero-Filiale an der Ecke zum Königsplatz ist seit Ende 2017 geschlossen. Derzeit laufen Umbauarbeiten. Es gibt nach Informationen des Eigentümers bereits einen Nachmieter, der aber noch nicht genannt wird.
  • Tamaris: Beim Schuhverkäufer Tamaris läuft der Räumungsverkauf. Wann genau geschlossen wird, steht noch nicht fest. Ende Februar will der Inhaber das Ladenlokal in der Oberen Königsstraße 16 übergeben. Einen Nachmieter gibt es auch hier bereits.
  • New Yorker: Auch die Modekette New Yorker hat zum Jahresende geschlossen. Ob das Ladenlokal in der Königsstraße 25 bereits vermietet ist, ist nicht bekannt.
Nur für den Übergang: Während des Rathausumbaus sind in dem früheren Schuhgeschäft Albert Mitarbeiter der Stadt untergebracht.

Opernstraße: Neue Gastronomie

Nach dem Auszug der Modekette Soho Zoo und dem Traditionshaus Loose Fashion standen die Geschäfte zwischen Kaufhof und C&A länger leer. Mittlerweile ist das Ladenlokal von Soho Zoo neu vermietet. In die Loose-Räume ist der Juwelier Goldart eingezogen. Mieter des Ladenlokals an der Ecke zur Neuen Fahrt soll die Asia-Restaurantkette Lê & Vi werden. Auf dem Bauschild ist zu lesen, dass die Räume zum Restaurant umgebaut werden. Wann das abgeschlossen ist, ist nicht bekannt.

Im oberen Bereich der Opernstraße stehen keine Läden leer. In der Kunsthandlung Heinzel, der Comic Galerie und dem Stoffladen EvLi’s-Needle werden Kunstbegeisterte und Kreative fündig.

Friedrichsplatz: Umbau läuft

An Kassels zentralem Innenstadtplatz gibt es aktuell keinen Leerstand. Auffällig sind allerdings die Umbauten des früheren, teilweise unter Denkmalschutz stehenden Leder Meid-Gebäudes. An der vorgelagerten Schaufensterpassage sind die Veränderungen bereits deutlich zu sehen. Während der documenta waren am Friedrichsplatz 4 ein Ausstellungsort, das Presse- und Infocenter und das Café Depanneur untergebracht. Nach HNA-Informationen soll die Kasseler Filiale der Deutschen Bank dort einziehen.

Übersicht: Aktuelle und baldige Leerstände:

Untere Königsstraße: Nur Übergangslösung

Auch wenn sich in diesem Bereich der Innenstadt in den vergangenen Jahren viel getan hat: Auf den ersten Blick stehen an der Unteren Königsstraße zwischen Königsplatz und Stern einige Ladenlokale leer – die früheren Räume vom Schuhhaus Albert, Betten Kranefuß und auch das Alfa Outlet an der Hausnummer 54.

  • Schuhhaus Albert: Mitarbeiter der Stadt aus den Abteilungen Stadtplanung, Bauaufsicht und Denkmalschutz werden während des Rathausumbaus in der Unteren Königsstraße 46 untergebracht. Sie sind bereits im November umgezogen.
  • Betten Kranefuß: Das Traditionsgeschäft Betten Kranefuß, das seit 1894 seinen Sitz an der Unteren Königsstraße 50 im Herzen Kassels hatte, musste 2016 aufgeben. Derzeit ist das Gebäude mit Holzplatten vernagelt und wird umgebaut. Ob es bereits einen neuen Mieter gibt, war nicht herauszufinden.
  • Alfa Outlet: Im Fenster hängen noch Plakate vom Ausverkauf. Auf eine Neuvermietung deutet bislang nichts hin.

Königsplatz: Platz im Wandel

Kaum ein Platz hat in den vergangenen Jahren sein Aussehen so häufig verändert wie der Kasseler Königsplatz. Ähnlich wie zu früheren Zeiten Neckermann und Overmeyer prägen auch heute noch große Kaufhäuser das Bild. Leerstand gibt es kaum.

  • Ergo-Gebäude: Im unteren Bereich des Ergo-Gebäudes an der Poststraße sind ein Telekom-Shop und Starbucks untergebracht. Die beiden Ladenlokale daneben stehen leer. Die Räume des früheren Ein-Euro-Shops bereits seit einigen Monaten. Die Selbstbedienungsfiliale der Volksbank Kassel-Göttingen, die dort untergebracht war, hat Anfang des Jahres geschlossen. Als Grund wird auf einem Aushang an der Tür ein nicht verlängerter Mietvertrag genannt. Nach Angaben einer Sprecherin habe der Vermieter anderes mit den Räumen vor. Was, ist nicht bekannt.
  • Café Mocca: Die Räumlichkeiten des früheren Café Mocca stehen leer. Sie werden aktuell vom benachbarten Lederhaus Schumann als Ausstellungsfläche genutzt.

Theaterstraße: Viel Neues

Wer in Kassel nicht ortskundig ist, der wird – wenn überhaupt – eher zufällig in den Bereich der Theaterstraße kommen, der oberhalb der Wolfsschlucht liegt. Hier gibt es beispielsweise seit Herbst 2016 bei „Lust der Sinne“ ausgefallene Dessous, auch in Übergrößen. In den Räumen des früheren Bogen Konzept Stores in der Theaterstraße 3 soll in Kürze „drei“, eine Mischung aus Galerie, Store und Bar, eröffnen. Im Bereich unterhalb der Neuen Fahrt gibt es verschiedenste Gastronomieangebote.

Treppenstraße: Wenig Glanz

In der ersten Fußgängerzone Deutschlands ist von den früheren Glanzzeiten derzeit nur noch wenig zu sehen. Büroräume und Restaurants prägen das Bild. Trist wirken die bereits leeren Verkaufsflächen des früheren Reno Schuhgeschäfts. In die Räume des früheren Grimmheimatlädchens an der Treppenstraße 1 ist ein Schönheitssalon eingezogen. Neuer Mieter der ehemaligen Jeansetage gegenüber von Mc Donalds ist ein Friseur-Salon.

Steht leer: Die frühere Reno-Filiale an der Treppenstraße.

Neue Fahrt, Wolfsschlucht und Mauerstraße: Etablierte Händler geben auf

Während an der Oberen und Unteren Königsstraße eher die großen Einkaufsketten vertreten sind, finden sich im Bereich Neue Fahrt, Wolfsschlucht und Mauerstraße viele inhabergeführte Läden. Leerstand gibt es bald im ehemaligen Ladenlokal von Pelz Böttcher an der Wolfsschlucht. Außerdem sucht Lovely Nails an der Ecke zur Theaterstraße einen Nachmieter. Auch die Metzgerei Löffler an der Ecke Kölnische Straße/Mauerstraße steht seit Jahresende leer.

Wilhelmsstraße: Lange Meile der Schuhgeschäfte

Die Wilhelmsstraße ist wohl die Straße mit den meisten Schuhgeschäften in der Kasseler Innenstadt. Gab es hier vor einigen Jahren noch einige leer stehende Ladenlokale, ist im Moment fast alles vermietet. Lediglich die Räume, in denen vor Weihnachten die „Galerie auf Zeit“ untergebracht war, stehen leer. Im unteren Bereich zur Königsstraße hin ist es auffällig, dass die oberen Etagen einiger Läden nicht vermietet scheinen. Zudem stehen in einigen Fenstern nur Werbebanner.

Karlsplatz: Ein Laden steht leer

Rund um den zentralen Parkplatz hinter dem Rathaus kommen auf jeden Fall Raucher auf ihre Kosten. Mehrere Läden mit Tabakwaren und Shisha Bars prägen das Bild. Leer steht lediglich das Ladenlokal am Karlsplatz 13. Die Aufschrift „100 Tage“ über dem Eingangsbereich weisen auf die Nutzung während der documenta im vergangenen Jahr hin. Bislang scheint sich hier noch kein neuer Mieter gefunden zu haben.

Kein neuer Mieter: Der Laden am Karlsplatz 13.

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