Kein Hotel frei - Bahn zahlte gestrandeten Passagieren Weiterbeförderung

Bahnreisende stranden wegen Sturm am Bahnhof Wilhelmshöhe - Darum war das das große Los für Taxifahrer

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Einspringen für die Bahn: Taxifahrer Danish Ahmad gehörte zu jenen, die in der Nacht zu Mittwoch viele in Kassel gestrandete Zugpassagiere auf Kosten der Bahn in Richtung Hannover und Hamburg kutschierten.

Der Sturm in Norddeutschland in der Nacht zu Mittwoch ließ zahlreiche Bahnreisende in Kassel stranden, das Problem: Keine freien Hotelzimmer in der Stadt. Glück für die Taxifahrer.

In der Nacht zu Mittwoch haben viele Kasseler Taxifahrer das große Los gezogen. Wegen Sturmschäden waren mehrere ICE-Züge in Kassel gestrandet. Weil lange unklar war, ob und wie es weiterging, gab die Bahn an Passagiere Taxi-Gutscheine aus.

Für teilweise mehr als 600 Euro pro Tour starteten die Kasseler Droschken in Richtung Norden. Taxiunternehmer Danish Ahmad war einer der Ersten, die so eine Fahrt bekommen haben. „So was kommt vielleicht einmal im Jahr vor“, sagte der 29-Jährige. Vier Fahrgäste stiegen bei ihm ein, die an den Hamburger Stadtrand wollten. Diese Schicksalsgemeinschaft gestrandeter Zugpassagiere sei offenbar von Bahnmitarbeitern wegen ähnlicher Zielorte zusammengestellt worden. „Die kannten sich vorher nicht“, hat der Chauffeur herausgehört.

Nachdem Ahmad gestartet war, schmolz die Schlange der wartenden Taxen vor dem Fernbahnhof in Windeseile ab. Die Nachricht, dass dort lukrative Fahrten zu ergattern sind, verbreitete sich umgehend – alles, was im Stadtgebiet vier Räder und ein schwarz-gelbes Schild auf dem Dach hat, eilte nach Wilhelmshöhe zum Bahnhof.

Bahnhof Wilhelmshöhe: Kein einziges Taxi mehr am Mittwochabend

Wo sonst Taxis in mehreren langen Reihen warten, habe gegen 21.30 Uhr kein einziges Fahrzeug mehr gestanden, berichtete Unternehmer Atif Qayyum: „Für unser Geschäft ist das natürlich erfreulich.“ Die Taxizentrale 88111 schätzte, dass in der Nacht zu Mittwoch stadtweit 60 bis 80 Taxis im Einsatz gewesen sein dürften.

Im Morgengrauen war Danish Ahmad wieder zurück in Kassel. Was ihm die Fernfahrt bringt, „muss ich noch genau ausrechnen“, sagte er. Die Rechnung gehe an die Deutsche Bahn. Die zahle in solchen Fällen eine Kilometerpauschale von rund 1,80 Euro für die einfache Strecke.

Seine Fahrgäste seien nur froh gewesen, am Ende des Tages daheim zu sein: „Die waren glücklich, dass Taxen eingesprungen sind und dass sie nicht in Kassel im Hotel übernachten mussten.“

Das ist verständlich – nur: In Kassel hätte es gar keine Hotelzimmer gegeben. Schon vor den Sturmschwierigkeiten sei „in der Stadt alles ausgebucht“ gewesen, sagte eine Rezeptionistin im Intercity-Hotel direkt am Fernbahnhof.

Rund 7000 Hotelbetten gibt es in Kassel - die waren fast komplett ausgebucht

Ein Blick auf die großen Buchungsportale im Netz bestätigt dies: Bei Booking, HRS und Co. waren am Mittwochvormittag stadtweit gerade mal drei Zimmer verfügbar. Kassel sei „bei uns zu 96 Prozent ausgebucht“, hieß es auf Hotels.com. Rund 7000 Hotelbetten gibt es in der Stadt.

Was ist da los? „Im September und Oktober ist Kassel einfach voll“, sagte Tourismus-Bereichsleiter Hubert Henselmann von Kassel Marketing. Gerade liefen zum Beispiel ein Juristen- sowie ein Stadtwerke-Kongress, eine Messe in Hannover wirke sich hotelmäßig zudem bis nach Kassel aus. Und von etlichen bundesweiten Berufs-Meetings in Kasseler Hotels „bekommen wir gar nichts mit“, sagte Henselmann.

Hochsaison eben im Tagungsgeschäft. Da bleibt in Kassel kein Platz für gestrandete Zugfahrgäste mehr. Und da greift die Bahn lieber gleich zum Taxi-Gutschein.

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