Instrument kostet 2,2 Millionen Euro

Ein Kunstwerk für Augen und Ohren:  St. Martin bekommt eine neue Orgel

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So wird die neue Orgel in der Martinskirche aussehen, die 2017 eingeweiht werden soll. Der künstlerische Entwurf stammt vom norwegischen Künstler Yngve Holen, gebaut wird das Instrument von der Vorarlberger Orgelbaufirma Rieger. Eine optische Besonderheit ist ein Vorhang von Haaren (vermutlich Rosshaar) vor den Pfeifenfüßen des Prospekts, der sich im Luftzug bewegt.

Kassel. Die Orgel gilt seit Jahrhunderten als Königin der Instrumente. Am Freitag wurde der offizielle Start für eine neue Orgel in der Kasseler Martinskirche gefeiert.

Dort entsteht eine „Thronfolgerin“ für die in die St. Elisabeth überführte Bosch-Bornefeld-Orgel. Bis das neue Instrument in der gegenwärtigen in Renovierung befindlichen Kirche erklingen kann, dauert es aber noch zwei Jahre: Im Juni 2017 soll die neue Orgel eingeweiht werden.

PLANUNG UND BAU

Nach einem mehrstufigen Auswahl- und Planungsverfahren, das von einer Orgelkommission unter der Leitung von Kantor Eckhard Manz gesteuert wurde, hat die renommierte Vorarlberger Orgelbaufirma Rieger den Zuschlag für die Planung und den Bau der Orgel erhalten. Die Gestaltung des Klangkunstwerk vom Bauvolumen eines Einfamilienhauses folgte dem Entwurf des norwegischen Künstlers Yngve Holen.

DAS PROJEKT 

Lexikonwissen: Die Martinskirche im HNA-Regiowiki

Die neue Orgel in der Martinskirche ist eines der spannendsten Orgelbauprojekte der Gegenwart. Wegen der bundesweit bedeutenden Position der Martinskirche als Aufführungsort für neue Musik soll das neue Instrument nicht nur den gegenwärtigen Stand des Orgelbaus repräsentieren, sondern Impulse für den Orgelbau der Zukunft geben. Dazu gehören neue klangliche Möglichkeiten. Die hochkarätig besetzte Orgelkommission hat zahlreiche Komponisten nach ihren Wünschen und Anregungen für die klangliche Ausstattung der Orgel befragt.

Drei Neuerungen sind besonders auffällig: Die Orgel wird über verschiedene Systeme der Windversorgung verfügen, die über variablen Winddruck (Luftdruck) neuartige klangliche Wirkungen erzielen lassen. Zudem verfügt eines der Manuale über eine Vierteltontastatur, so dass feinere Tonabstufungen als auf herkömmlichen Instrumenten möglich sind. Auch spezielle neuartige Register (z. B. Harmonika und Röhrenglocken) erweitern das Klangspektrum. Dass auch die traditionelle Orgelmusik in hervorragender Weise gespielt werden kann, gehört zu den Grundanforderungen für das Instrument. Eine weitere Besonderheit ist ein zusätzliches fahrbares Orgelmodul im Kirchenschiff, das auch vom Hauptspieltisch zu bedienen ist. Ein Einzelspender trägt die Kosten von 200.000 Euro dafür.

VISUELLE GESTALTUNG 

Die außergewöhnliche visuelle Gestaltung des Orgelwerks durch den Künstler Yngve Holen betont mit der spielerischen Anordnung der Prospektpfeifen die Vertikale des Kirchenraums. Völlig neuartig ist ein Vorhang aus Haaren vor den Pfeifenfüßen, der sich bei Luftzug sanft bewegt. Angedacht ist als Material Rosshaar. DIE

FINANZIERUNG 

Die Gesamtkosten der Orgel betragen 2,2 Millionen Euro. Davon übernimmt die Landeskirche die Hälfte wegen der überregionalen Bedeutung des Projekts. 600.000 Euro trägt die Kirchengemeinde Kassel-Mitte. 500.000 Euro müssen durch Spenden aufgebracht werden. Laut Kirchenvorstandsvorsitzendem Dr. Hans Helmut Horn gibt es bereits Zusagen über Großspenden von rund 300.000 Euro. 200.000 Euro müssen noch aufgebracht werden. Dazu wurde das Spendenprojekt „Pfeifenpatenschaften“ gestartet.

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