Sie stahlen Zigaretten, Werkzeuge und Bargeld – Täter gestanden Beutezüge in der Region

Haftstrafen für Diebestrio

Kassel. Keine Bewährung für die Angeklagten im Prozess heute vor dem Amtsgericht Kassel: Der 22-Jährige und die beiden jeweils 25 Jahre alten Männer bleiben in Haft. Wegen gewerbsmäßigen Diebstahls wurde das Trio zu Freiheitsstrafen von 20 sowie 24 Monaten verurteilt.

Das Gericht sah keinen Hinweis auf Bandenkriminalität. Das hielt Richterin Ferchland den rumänischen Angeklagten in der Urteilsbegründung zugute – ebenso, dass sie schon zu einem frühen Zeitpunkt und voll geständig waren.

Sie gaben zu, von März bis Mai dieses Jahres in Kassel, Waldeck, Naumburg, Calden, Baunatal, Hofgeismar und Gersfeld (Landkreis Fulda) gewerbsmäßig Diebstähle begangen zu haben. In erster Linie hatte es das Trio auf Bargeld und Zigaretten abgesehen, bei einem Streifzug durch das Neubaugebiet Kelzer Ring in Hofgeismar aber auch auf Werkzeuge. Letztere, gefunden am Wohnsitz des Trios in Breuna-Oberlistingen, seien die einzigen Beweismittel, räumte die Richterin ein. Ohne die Geständnisse der jungen Männer, die seit ihrer Festnahme Mitte Mai in Untersuchungshaft sitzen, sei der Prozess deshalb schwierig geworden.

Staatsanwalt Manfred Jung hatte Freiheitsstrafen zwischen 39 Monaten und vier Jahren gefordert. Dem 22-Jährigen rechneten Staatsanwalt und Gericht strafmindernd an, dass er der Polizei in Nürnberg bei einem Ermittlungsverfahren gegen „eine größere Bandenstruktur, wo es um Millionenbeträge geht“, wichtige Hinweise lieferte. Der Junior im Trio sollte von der rumänischen Bande für Diebstähle in Österreich und der Schweiz angeworben werden.

Überwachung per Video

Mehr zufällig war die Kriminalpolizei in Zusammenhang mit den dortigen Ermittlungen auf das Trio in Kassel aufmerksam geworden. Das baufällige Fachwerkhaus in Breuna-Oberlistingen, in dem das Trio untergeschlüpft war, wurde mit einer Kamera überwacht, die Telefone der Angeklagten abgehört. So kamen die Ermittler den Angeklagten auf die Schliche. Auch das Tatfahrzeug wurde per GPS überwacht. Abhörprotokolle der Handys, die vor Gericht verlesen wurden, machten gestern deutlich, dass beim Aufbruch von Spielautomaten Ende März in Naumburg die Polizei schon einmal ganz nah an den Tätern dran war, ohne es zu wissen. Ein Zeuge überraschte das Trio, das zunächst mit einer Tüte Bargeld flüchtete, die der Haupttäter dann wegwarf. Mit einem Besen habe er gemeinsam mit anderen Passanten Münzen und Geldscheine im Wert von etwa 1100 Euro von der Straße aufgekehrt, berichtete der Zeuge.

„Immer wenn das Geld alle war, haben wir neue Taten begangen“, übersetzte eine Dolmetscherin die Aussage des 25-Jährigen. „Ich habe kein Geld gehabt, ich musste klauen gehen, um Geld zum Essen und zum Leben zu besorgen.“ (and)

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