Villa wird renoviert

Haus Hunstein: Wo große documenta-Künstler in Kassel feierten

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Deckengewölbe freigelegt: Eigentümer Stefan Hunstein (links) und Architekt Elmar Kriesten.

Mitte. Einst gingen die documenta-Leiter und viele Künstler hier ein und aus. Viele feucht-fröhliche Abende mit Bode, Beuys und Co. fanden in der geschichtsträchtigen Kasseler Villa am Königstor/ Ecke Ulmenstraße statt.

Derzeit wird das 1904 erbaute Haus für knapp eine Mio. Euro saniert. Dabei wurde nicht nur viel alte Bausubstanz wieder freigelegt, sondern sogar ein Raum geöffnet, der über Jahrzehnte verschlossen war.

Der in Kassel geborene Münchner Schauspieler Stefan Hunstein ist Eigentümer der Immobilie. Er kennt die alten Geschichten aus seinem Elternhaus. Der Schauspieler wuchs in der „Villa Hunstein“ auf, wo sein Vater, Heinz Hunstein, eine Zahnarztpraxis betrieb. Der 2010 verstorbene Vater war Kunstliebhaber und ein guter Freund des documenta-Gründers Arnold Bode.

Arnold Bode oft zu Gast

Aber nicht nur Bode war regelmäßiger Gast im Haus Hunstein. Auch die folgenden documenta-Leiter Harald Szeemann, Manfred Schneckenburger, Rudi Fuchs und Jan Hoet saßen auf dem Sofa im ersten Stock, wohin Heinz Hunstein zum Diskutieren und Philosophieren einlud.

Der Sohn erinnert sich noch gut an diese Zeit – etwa daran, wie der Künstler Sigmar Polke nach einer Feier im Hause Hunstein die Gebissabdrücke aus der Zahnarztpraxis auf den Autos in der Nachbarschaft verteilte.

Weil das Gebäude ein Ort der documenta-Geschichte sei, findet es Stefan Hunstein schade, dass die documenta seinen Vorschlag abgelehnt habe, aus dem Haus ein Ort der Erinnerung zu machen. Nun lässt er die Räume für eine Anwaltskanzlei zurecht machen, das Dachgeschoss wird als Wohnung vermietet.

Bei der seit Mai laufenden Sanierung sind viele Überraschungen aufgetaucht. So musste der Dachstuhl komplett erneuert werden. Bei den Arbeiten versucht der beauftragte Kasseler Architekt Elmar Kriesten so viel alte Substanz zu erhalten wie möglich.

Zudem wurden einige Schätze des 370 Quadratmeter großen Gebäudes ans Tageslicht geholt: Darunter das alte Treppenhaus, das in den 60er-Jahren mit Spanplatten verschalt worden war. Auch die abgehängten Decken gehören der Vergangenheit an. Nun beträgt die Raumhöhe wieder vier Meter. Weil der Stuck nur fragmentarisch erhalten war, konnte er nicht restauriert werden. Eindrucksvoll ist aber die wieder freigelegte Gewölbedecke in der Loggia, die das Gebäude mit dem Nachbarhaus verbindet.

Auch Stefan Hunstein konnte für sich ein altes Geheimnis seiner Kindheit lüften. So befand sich hinter dem Bücherregal seines Kinderzimmers ein Raum, den er in seinem Leben noch nie betreten hatte. Er war vor Jahrzehnten zugemauert worden. Statt der Schatztruhe, die er sich dort als Kind ausgemalt hatte, fand er dort nun aber nur eine alte Badewanne, ein alte Toilette und eine Tür.

Bis März 2017 soll die Sanierung abgeschlossen sein. Die im Krieg zerstörte Turmspitze wird das Gebäude aber nicht wieder erhalten.

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