Aldi nun auch im Boot

Helfer sind selbst in Not: Kasseler Tafel brechen Spenden weg

Werben um Spender: Brigitte Stiefel ( links) und Krista Schreiber verteilten am Wochenende selbst gebackenen Kuchen auf dem Opernplatz. Auch der Spielmannszug Wellerode machte mit seinem Auftritt für die Tafel Werbung. Fotos: Dilling

Kassel. 3000 bedürftige Menschen unterstützt die Kasseler Tafel mit Lebensmitteln, die sie aus den Restbeständen von Supermärkten und Bäckereien kostenlos erhält und verteilt. Viele Familien haben die Gaben der Tafel fest in ihr schmales Haushaltsbudget eingeplant. Doch jetzt sind die Helfer selbst in Not.

Die Spenden sind eingebrochen. Allein vergangenes Jahr sei das Aufkommen um ein Drittel zurückgegangen, sagt Hans Joachim Noll, Vorsitzender der Tafel. Dieser Trend scheine sich dieses Jahr fortzusetzen: „Wir brauchen dringend finanzielle Unterstützung.“

Zwei Umstände verschlimmern die Situation: Einer der drei Transporter, mit denen die ehrenamtlichen Helfer Waren von den Geschäften und aus einem von der Deutschen Post zur Verfügung gestellten Zwischenlager in Lutterberg abgeholt werden, ist in die Jahre gekommen und muss nächstes Jahr ersetzt werden. Trotz eines großzügigen Rabatts, den Mercedes-Benz der Tafel gewähre, fehlten dafür 40.000 Euro, berichtet Noll. Der Transporter ist so kostspielig, weil er nach Lebensmittelrecht eine Kühlausstattung haben muss.

Hinzu kommt, dass die Aufgaben der Tafel wachsen: Im September habe sich Aldi mit 14 Discount-Märkten den bisher 60 Sponsoren angeschlossen. „Das klappt sehr gut“, sagt Noll. Doch der zusätzliche Sponsor bedeutet mehr Transportfahrten und mehr Warenumschlag. Täglich setze man 1,5 bis zwei Tonnen um, sagt der Tafel-Vorsitzende. Manchmal beliefere man auch noch die Baunataler Tafel. Die 130 ehrenamtlichen Kräfte sind mehr als ausgelastet. Die drei hauptamtlichen Mitarbeiter schöben bereits einen Berg von Überstunden vor sich her, sagt Noll. Es fehlten ehrenamtliche Kräfte für das Sortieren von Lebensmitteln. Für die Freiwilligen bedeutet das einen Zeitaufwand von drei bis fünf Stunden täglich. „Außerdem suchen wir zuverlässige Fahrer“, erklärt Noll. Dennoch versuche man, die Warteliste von 120 Hilfsbedürftigen zügig abzuarbeiten.

In absehbarer Zeit rechnet er damit, dass die Arbeitsbelastung der Tafel-Mitarbeiter weiter zunehmen wird. Dann seien die Asylverfahren vieler Flüchtlinge aus den Krisenländern des Nahen Ostens durch, die jetzt in großer Zahl nach Kassel kommen. Anerkannte Asylbewerber können Leistungen der Tafel erhalten. Eine Kirchengemeinde aus dem Landkreis habe schon mit Lebensmitteln für Flüchtlinge ausgeholfen, berichtet Noll.

Von Peter Dilling

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