Schüler der

Herderschüler besuchten Ausstellung "Plakat Kunst Kassel" in Neuer Galerie

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Interessierte Schüler: Die Kuratorin Dr. Christiane Lukatis (links) führte die Herderschüler durch die Ausstellung „Plakat Kunst Kassel“ in der Neuen Galerie.

Kassel. Für die 16- bis 18-jährigen Herderschüler ist es ein spannender Ausflug in eine ruhmreiche, bewegte, aber für sie doch weit zurückliegende, unbekannte Ära: die Hochzeit der Kasseler Schule der Plakatgestaltung.

Fremd auch deshalb, weil die Ausstellung in der Neuen Galerie im weitesten Sinne den Zeitgeist und das Lebensgefühl der 68er-Generation widerspiegelt, geradezu herausschreit: kreativ, politisch, provozierend. Selbst bei der Gestaltung von Film- und Theaterplakaten. Die Arbeiten ab den 1950er-Jahren haben laut Kuratorin Dr. Christiane Lukatis eines gemeinsam: Sie widersetzen sich jeder stilistischen Gängelung.

„Mit gefällt die Ausstellung richtig gut“, sagt Paul Hübner, der wie seine Mitschüler kurz vor dem Abitur steht. Im Kunstunterricht bei Lehrer Stephan Schimmelpfennig-Könen hatten die Schüler zum Thema Grafik-Design gerade selbst Plakate gestaltet. Mit dieser Erfahrung blicken sie differenzierter auf die Ausstellung „Plakat Kunst Kassel“: mit Respekt, Neugier und einer Portion Ehrfurcht.

Im Untergeschoss der Neuen Galerie betrachten sie die zum Teil schreiend bunten, im wahrsten Sinne plakativen, manchmal reduzierten und doch immer wieder von subtilen Botschaften durchzogenen Plakate aus dem Dunstkreis der Kasseler Werkakademie, der späteren Hochschule für bildende Künste und heutigen Kunsthochschule. Die Künstler fordern die Betrachter dazu auf, das Hirn einzuschalten. Christiane Lukatis, bei der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) Leiterin der grafischen Sammlung, half den Abiturienten mit einer mitreißenden Führung auf die Sprünge: Sie versammelte sie beispielsweise vor einem Plakat von Gunter Rambow. Der ist neben dem vor wenigen Tagen verstorbenen Karl Oskar Blase einer der „Legenden“ unter den Kasseler Plakat-Kunst-Professoren, so MHK-Leiter Bernd Küster zur Ausstellungseröffnung im November. Das Rambow-Plakat aus dem Jahr 1983 für die noch junge Partei „Die Grünen“ zeigt eine keimende Kartoffel in Herzform und sollte einen Kontrast zum ansonsten bieder-braven Sonnenblumen-Logo darstellen. Beim Slogan „Raus aus dem Keller – Alle Gründe sprechen für Grün“ sind die Buchstaben „Grün“ in grüne Farbe getaucht. Die Schüler hören aufmerksam zu, beantworten die rhetorischen Fragen’ und tauchen ein in die faszinierende Welt der „schreienden Plakate“. Für viele eine Entdeckung.

Für ihren begeisterten Lehrer ist die Schau ein Déjà-vu. Stephan Schimmelpfennig-Könen kennt die glanzvolle Plakatkunstschule und viele ihrer charismatischen Professoren aus eigener Anschauung. Er hat von 1978 an in Kassel unter anderem Kunstpädagogik und Visuelle Kommunikation studiert. „Das waren sehr kreative Zeiten mit rauschenden Partys in chaotischen Ateliers“, schwärmt er.

„Plakat Kunst Kassel“ ist bis 5. März in der Neuen Galerie, Schöne Aussicht 1, zu sehen, geöffnet Di-So und Feiertage 10-17, Do 10-20 Uhr. Eintritt 6 (4) Euro, bis 18 J. und Studierende der Uni Kassel frei. Der Katalog (Imhof-Verlag) kostet im Museum 24,90 Euro. Es gibt ein umfangreiches Begleitprogramm, u.a. im Bali-Kino eine Matinée am 22. Januar, 12 Uhr, zum Film „Jules und Jim“, Christiane Lukatis hält die Einführung mit Bezug zur Ausstellung „Plakat Kunst Kassel“. www.museum-kassel.de

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