28-jähriger Informatiker wird ausgezeichnet

Polizeimedaille: Junger Mann verhinderte Diebstahl

Am Ort des Geschehens: Enno Boland hat hier, an der Unteren Königsstraße, am Stern, einen Dieb festgehalten. Foto: Hein

Kassel. Der Kasseler Enno Boland ist einer von zehn Ausgezeichneten, die am Mittwoch die Kasseler Polizeimedaille überreicht bekommen. Er half, einen Täter dingfest zu machen.

Eigentlich ging alles ganz schnell: Ein Taschendieb griff zu, zwei Passanten schnappten den Täter und hielten ihn fest, der riss sich los, konnte aber kurz darauf von der herbeigerufenen Polizei festgenommen werden.

Das Opfer, ein etwa 40 Jahre alter Mann, bekam seine Brieftasche unversehrt zurück und konnte unverletzt den Tatort verlassen. Anders einer der beiden zupackenden Helfer, Enno Boland, der vom Täter am Auge verletzt wurde. „Komischerweise“, so sagt der 28-jährige Kasseler, läuft in meiner Erinnerung alles in Zeitlupe ab.“

Dass sich der Taschendieb losreißen konnte, ist Enno Boland, der einen Grünen Gürtel in der Kampfsportart Ju-Jutsu hat, ein wenig peinlich. Dabei ist das für jeden nachvollziehbar: Boland war bei dem Vorfall vor einem Jahr am Stern blitzschnell einem ihm unbekannten Passanten zur Hilfe geeilt. Gemeinsam hielten sie den Dieb fest, während das Opfer per Handy die Polizei rief. Als sich jedoch plötzlich der andere Helfer verabschiedete, weil er noch seinen Bus bekommen wollte, nutzte der Täter, der möglicherweise unter Drogen stand, die Situation, rammte Boland einen Daumen ins Auge und riss sich los. Aber die Polizei war schon auf dem Weg und machte den Taschendieb nicht zuletzt aufgrund einer präzisen Beschreibung schnell dingfest.

Es sei schon interessant gewesen, sich selbst dabei zu beobachten, wie man etwas, dass man im Ju-Jutsu-Unterricht gelernt hat, in einer realen Gefahrensituation umsetzt, sagt Boland heute. Dabei ziele Ju-Jutsu ja vor allem darauf ab mit der Körpersprache deeskalierend zu wirken. Die Anwendung der Technik sei in jedem Fall die Ultima ratio. „Das braucht man im Grunde nur in sehr wenigen Fällen.“ Ju-Jutsu, was auf dem Japanischen übersetzt „sanfte Kunst“ bedeutet, basiere hauptsächlich auf Selbstverteidigungstechniken.

Im Sportverein habe sein Trainer dann später die Situation in einen Trainingsablauf eingebunden, erzählt Boland, der vor fünf Jahren mit Ju-Jutsu angefangen hatte.

Als Held fühlt sich Boland, ein Software-Entwickler, der zurzeit in Kassel Informatik studiert, nicht. „Meine Freundin war entsetzt über den Vorfall und hatte im Nachhinein Angst um mich“, sagt Boland. Andere hätten ihn aber im Nachhinein in seinem Verhalten bestätigt. Er würde jederzeit wieder so handeln.

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