Gedenkveranstaltung auf dem Friedrichsplatz

Hier brannten 1933 in Kassel die Bücher

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Das Fridericianum im Hintergrund: Am 19. Mai 1933 fand die Bücherverbrennung auf dem Friedrichsplatz statt. Heute entsteht hier ein Kunstwerk zur documenta, das aus verbotenen Büchern besteht. 

Kassel. Auf dem Friedrichsplatz in Kassel findet am Freitag eine Gedenkveranstaltung zum Jahrestag der Bücherverbrennung am 19. Mai 1933 statt. Die gewinnt besondere Bedeutung durch das documenta-Kunstwerk Parthenon der Bücher. 

In diesen Tagen entsteht auf dem Friedrichsplatz ein documenta-Kunstwerk mit Bausteinen aus verbotener Literatur, am 19. Mai 1933 schichteten Kasseler Nationalsozialisten einen Scheiterhaufen zur Bücherverbrennung auf. Dazu gibt es am Jahrestag eine Gedenkveranstaltung, die durch die documenta besondere Aktualität hat.

Das soll mit einer sichtbaren Verbindung vom Parthenon der Bücher zum Fridericianum deutlich werden. „Wir nehmen dazu die Kordel, mit der die Künstlerin Marta Minujín im vergangenen Jahr den Umriss abgesteckt hat“, sagt Gerd Möller . Der 70-Jährige ist zusammen mit seiner Frau Birgitt Initiator der Gedenkveranstaltung, die es seit elf Jahren gibt. Die Grundidee: Mit Lesungen aus den Werken von Autoren, die von den Nazis verfolgt wurden, soll die Erinnerung wach gehalten werden.

Im ganzen Deutschen Reich brannten 1933 die Bücher. Auf dem Friedrichsplatz waren es geschätzte 2000 Werke von Tucholsky über Kästner bis zu Bertha von Suttner und auch dem früheren Kasseler Oberbürgermeisters Philipp Scheidemann. Zum Vergleich: Das Kunstwerk Parthenon der Bücher mit einer Grundfläche von 70 mal 30 Metern soll aus mindestens 50 000 Bänden bestehen.

Lob von Szymczyk

Adam Szymczyk

„Es gibt viele Autoren von damals, die heute kaum noch jemand kennt“. sagt Gerd Möller mit Blick auf die Gedenkveranstaltung. Die werde in diesem Jahr auch vom künstlerischen Leiter der documenta, Adam Szymczyk , unterstützt. „Er kam eher zufällig beim DGB-Fest zum 1. Mai an der Drahtbrücke vorbei, da haben wir uns unterhalten“, sagt Möller, der für die Gewerkschaft Ver.di gearbeitet hat und in der SPD aktiv ist. Szymszyk finde die Idee gut, die Gedenkverranstaltung passe hervorragend zu dem documenta-Kunstwerk (siehe Foto rechts).

Den Bezug zur argentinischen Heimat der Künstlerin soll bei der Gedenkveranstaltung deutlich gemacht werden. „Wir lesen unter anderem aus Büchern des Dichters Paul Zech, der schon 1933 nach Buenos Aires emigiriert ist und dessen Bücher in Deutschland verbrannt wurden“, sagt Möller.

Letzteres gilt auch für Else-Lasker-Schüler, die als jüdische Autorin verfolgt wurde und eine Freundin von Zech war. Die israelische Künstlerin Yael Davids erinnert sowohl in Athen als auch Kassel mit ihrem documenta-Beitrag an Lasker-Schüler. Die Gedenkveranstaltung findet am Eingangsportal des Fridericianums statt, nur wenige Meter vom Ort der Büchervbrennung entfernt. Dazu laden der SPD-Ortsverein Altkassel-Bettenhausen, die Gedenkstätte Breitenau, die Deutsch-Israelische Gesellschaft und die Volkshochschule Region Kassel ein.

Lesen gegen das Vergessen, Freitag, 19. Mai, 18.30 Uhr, Friedrichsplatz.

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