Brandschutz in Sophienstraße 1 nicht aktuell

Hochhaus in Kassel wird geräumt: Mieter müssen bis August 2018 raus

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Wird bis Ende August 2018 komplett geräumt: das Hochhaus in der Sophienstraße im Kasseler Stadtteil Mitte. Das Gebäude aus dem Jahr 1953 muss grundlegend saniert werden.

Kassel. Die 40 Mieter des Hochhauses der Sophienstraße 1 in Kassel (Stadtteil Mitte) müssen sich bis spätestens Ende August 2018 ein neues Zuhause suchen.

Denn das 1953 erbaute und unter Denkmalschutz stehende Gebäude wird unter Einhaltung der gesetzlichen Kündigungsfristen komplett geräumt. Das teilte die Eigentümerin der Immobilie, die KVK Kommunale Versorgungskassen Kurhessen-Waldeck, den Mietern am Montagabend mit.

Grund für die Räumung: Das zehnstöckige Haus entspricht laut einem Gutachten nicht mehr den Brandschutzvorschriften und muss nun aufwändig saniert werden.

In diesem Zusammenhang erwägt die KVK eine komplette Modernisierung und energetische Sanierung der Immobilie weit über die zwingenden Brandschutzmaßnahmen hinaus. Erschwerend hinzu kommt die notwendige Verstärkung sämtlicher Decken, deren Dicke nicht mit der Baudokumentation übereinstimmt und nach heutigen Maßstäben zu gering ist. Auch dies eine Erkenntnis des externen Brandsschutzgutachtens.

Er ist der stellvertretende KVK-Direktor: Johannes Petek.

„Die geplanten Arbeiten sind so umfangreich, dass wir gezwungen sind, das Gebäude komplett zu räumen“, erklärte der stellvertretende KVK-Direktor, Johannes Petek. Das sei gerade mit Blick auf eine Handvoll langjähriger Bewohner sehr bedauerlich, aber unumgänglich. „Wir wissen um die menschliche und soziale Tragweite, aber wir haben keine andere Wahl“, betonte er. Die KVK werde allen Mietern finanziell und organisatorisch bei der Wohnungssuche helfen.

Ob die Mieter zurückkehren können, steht indes in den Sternen. Denn ein abschließendes Gutachten darüber, ob eine Sanierung unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten überhaupt möglich ist, steht noch aus. „Wir wissen nicht, was noch auf uns zukommt“, erklärte Petek.  

Hochhaus steht unter Denkmalschutz

Als die kommunalen Versorgungskassen Kurhessen Waldeck (KVK) das Hochhaus in der Sophienstraße 1983 erwarben, wussten sie nicht, was mehr als 30 Jahre später auf sie zukommen würde. Gestiegene Brandschutzanforderungen, Betonfraß, energetische Unzulänglichkeiten, altersbedingter Verschleiß und nicht zuletzt dünnere Decken als in der Baudokumentation ausgewiesen erfordern Millioneninvestitionen.

Allein die Betonsanierung und zusätzliche Brandschutzmaßnahmen werden mit 3,5 Millionen Euro veranschlagt. Darin noch nicht enthalten sind die Kosten für die allgemeine und energetische Sanierung, ganz zu schweigen von der Verstärkung der zu dünn geratenen Decken. „Wir wissen nicht, ob eine Sanierung wirtschaftlich darstellbar ist“, sagt KVK-Vizedirektor Johannes Petek. Dass das von Paul Bode, dem jüngeren Bruder von documenta-Erfinder Arnold Bode, entworfene Haus unter Denkmalschutz steht, erschwert die ganze Angelegenheit noch zusätzlich.

Auch die Belgische Siedlung, die Häuser an der Schlagd (1953), das Hotel Reiss (1954/55), das Schlosshotel (1955), das Staatstheater (1959) und eine Vielzahl von Bauten im gesamten Bundesgebiet gehen auf Entwürfe des einstigen Star-Architekten Paul Bode zurück.

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