Kunstwerk für Caricatura 

Ich-Denkmal am Hessischen Landesmuseum wird zehn Jahre alt

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Bitte recht freundlich: Roswitha Pott und Hiltrud Gockeln aus Brakel nutzten den documenta-Besuch für Fotos am Ich-Denkmal. 

Kassel. "Jeder Mensch ist einzigartig", lautete das Motto des Künstlers Hans Traxler. Deshalb hat er ein Denkmal für jeden Einzelnen entworfen. Auch die documenta-Besucher erfreuen sich am "Ich"-Sockel.

Stieg als erster auf den Sockel: Künstler Hans Traxler bei der Einweihung 2007.  

Familie Tilsen läuft in Richtung Torwache. Plötzlich ruft Mutter Ulrike Tilsen-Vagt: „Ich! Wie cool!“ Dann zeigt sie auf den Sandstein-Sockel mit der goldenen Inschrift „ICH“ und lacht. Kurz darauf steigt auch schon Tochter Sophia Charlotte auf den Sockel und wirft sich in verschiedene Posen. „Endlich mal die Chance, ein Denkmal gesetzt zu bekommen“, sagt ihr Vater Volker Tilsen.

Genau das war vor zehn Jahren die Absicht des Künstlers Hans Traxler: „Jeder Mensch ist einzigartig“, lautet sein Motto, und deshalb hat er ein Denkmal für jeden Einzelnen entworfen. Der Kasseler Steinbildhauer Siegfried Böttcher hatte das Werk nach den Plänen von Traxler angefertigt. Unterstützt wurde das Projekt vom Natursteinwerk Wachenfeld in Volkmarsen.

Ein Denkmal gesetzt: Sophie Charlotte Tilsen hat Spaß beim Posieren.

Der Sockel aus rotem Sandstein war zunächst ein Außenkunstwerk der Caricatura V. Doch die Stadt Kassel beschloss, das Kunstwerk zu behalten. Das Ich-Denkmal kommt auch heute noch gut bei den Menschen an, vor allem die Besucher der documenta 14 steigen für ein Souvenier-Foto auf den Sockel. „Die Menschen wollen Kunst nicht nur konsumieren, sondern aktiv an ihr teilhaben“, sagt Martin Sonntag, Leiter der Caricatura. „Sie spielen dann gerne und werfen sich in Pose.“

Im Doppelpack: Marian Teirlinck und Hennie van den Bremer aus Holland.

In Pose geworfen hat sich auch die Stuttgarterin Annelie Schott. Ohne zu zögern stieg sie auf den Sockel, als sie die Inschrift sah. „Das steht doch Ich. Dann bin ich auch gemeint.“ Ob sie weiß, was das Denkmal bedeutet? „Nein, keine Ahnung. Ich finde die Idee aber witzig“, sagt Schott. Das Denkmal sei aber nur für Leute, die Spaß verstehen, sagt sie, und nicht für Leute, die ihr Ego betonen wollen.

Anders sieht das Frieda aus Berlin. „Hier kann sich jeder eine Bühne geben. Einmal hat man die Möglichkeit über den anderen zu stehen“, sagt die 26-Jährige. Ihr Begleiter Johannes nickt zustimmend: „Das ist eine kleine Treppe zur Selbstdarstellung.“

Hochzeitspaare und Hunde

Auf den Sockel platzieren auch Herrchen und Frauchen ihre Hunde, sagt Sonntag. Und auch Hochzeitspaare nutzen das Denkmal. „Aus dem Ich wird dann ein Wir.“

Zwei Freundinnen aus Holland stellen sich ebenfalls zu zweit auf das Denkmal, zeigen aber mit dem Finger auf sich selbst. „Das ist ein Ego-Denkmal“, sagt Hennie van der Bremer. „Und dann geht es auch nur um mich.

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