Ärger mit den großen Fahrzeugen

Immer mehr Wohnmobile blockieren Parkplätze in Kasseler Wohnvierteln

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Beliebter Abstellplatz von Wohnmobilsten in Kassel: die Stellflächen an der Goethestraße. Das Parken von Wohnmobilen ist zeitlich nicht begrenzt, Caravans (Wohnwagen) dürfen maximal zwei Wochen stehen.

532.000 Wohnmobile sind in Deutschland zugelassen. Das sorgt auch in Kassel für Probleme, wenn diese dauerhaft auf öffentlichen Stellplätzen stehen.

Der Parkdruck in den innenstadtnahen Wohnquartieren erhöht sich dadurch weiter. Wohnmobile benötigen größere Stellflächen und können mitunter Wochen oder gar Monate die wenigen kostenlosen öffentlichen Stellplätze blockieren. In Hamburg und München zum Beispiel hat dies bereits zu Protesten von Anwohnern geführt. Denen fällt es immer schwerer, für das eigene Auto einen Stellplatz im Wohngebiet zu finden. 

Auch dem Kasseler Ordnungsamt ist das Problem bereits bekannt. „Die Anzahl der Wohnmobile im öffentlichen Verkehrsraum hat augenscheinlich zugenommen“, erklärt die Stadt auf Anfrage. Zählungen hierzu existierten aber nicht.

Aktuell sind in der Stadt Kassel 526 Wohnmobile registriert. Da nicht alle Halter einen privaten Stellplatz haben oder für einen bezahlen wollen, parken sie ihr Fahrzeug im öffentlichen Raum. In Kassel sind etwa Stellplätze an der Goethestraße bei Wohnmobilisten beliebt.

Größe und Bauform können zum Problem werden

Bei Wohnmobilen ist das Abstellen ohne zeitliche Beschränkung erlaubt (Caravans/Wohnwagen: nur maximal zwei Wochen). Es sei nicht abwegig zu vermuten, dass es sich bei den Wohnmobilen am Straßenrand um Fahrzeuge von Anwohnern handelt, die diese „in den schönen Monaten aus dem Winterquartier holen, um sie im unmittelbaren Zugriff für auch kurzfristige Nutzungen zu haben“, meint Stadtsprecherin Petra Bohnenkamp.

Probleme durch startbereit am Straßenrand parkende Wohnmobile sieht die Stadt Kassel in anderer Hinsicht: Durch Größe und Bauform der Fahrzeuge kann es zu Sichteinschränkungen für andere kommen. Zudem ragt manches Gefährt über die markierte Parkfläche hinaus, stellt damit ein Hindernis für den Fuß- oder Fahrverkehr dar.

Boom bei Neuzulassungen hält an

Der Boom bei den Freizeitfahrzeugen (Wohnmobile und Caravans/Wohnwagen) hält 2019 an. Nach Angaben des Caravaning Industrie Verband Deutschland (CIVD) sind seit Jahresbeginn die Neuzulassungen bundesweit um 14 Prozent oder rund 44.000 Fahrzeuge gestiegen. Laut CIVD waren Anfang 2019 bundesweit rund 532.000 Wohnmobile und 620.000 Caravans zugelassen. Etwa 250 000 Wohnwagen standen dauerhaft auf Campingplätzen.

Es mangelt an Infrastruktur

Die Reisemobilisten haben sich in Deutschland vom Nischenmarkt zur bedeutsamen Tourismussparte entwickelt. Den Boom belegen die steigenden Zulassungszahlen für Wohnmobile und Caravans/Wohnwagen. Die wirtschaftliche Bedeutung belegen die Umsätze, die Wohnmobilisten der Branche bescheren. 2018 belief sich der Gesamtumsatz auf rund 14 Milliarden Euro (siehe Hintergrund).

Der Wohnmobil-Boom lässt in Städten wie Kassel aber auch die mangelnde Infrastruktur deutlich werden. Es fehlt nicht nur an kostenfreien öffentlichen Stellplätzen, auf denen die Halter ihre Wohnmobile über einen längeren Zeitraum parken können, ohne gleich den Unmut der Anwohner auf sich zu ziehen. Vielerorts fehlt es nach Angaben des Caravaning Industrie Verband Deutschland (CIVD) noch immer an Wohnmobil-Stellplätzen, auf denen Reisende übernachten können und eine Ver- und Entsorgung geboten wird.

"Wildcampen" ist verboten

In Kassel gibt es mit dem Camping- und Wohnmobilplatz an der Fulda ein solches Angebot für Reisemobilisten (siehe Bericht rechts). Weitere Plätze gibt es in umliegenden Städten und Gemeinden. Nach Branchenangaben herrscht in einigen Städten bereits eine regelrechte „Stellplatznot“ – so zum Beispiel am Neckarufer in Heidelberg, an der Alster in Hamburg und im Münchner Stadtteil Schwabing. Bundesweit gebe es derzeit rund 3600 Reisemobilstellplätze. Der Bedarf sei viel höher.

Und was tun, wenn man keinen Stellplatz findet? Das „Wildcampen im Wohnmobil“ ist in Deutschland grundsätzlich nicht erlaubt. Allerdings gibt es eine Sonderregelung, die das Wiederherstellen der Fahrtüchtigkeit als Grund anerkennt, um eine Nacht im Wohnmobil zu verbringen. Nach Angaben der Stadt Kassel darf man dann auch am Straßenrand halten. Allerdings dürfe man nur das Fahrzeug abstellen und darin nächtigen. „Das Ausfahren der Markise oder das Rausstellen von Campingstühlen ist nicht gestattet.“

Sofern es keine Beschränkungen gibt, dürfen Wohnmobile an öffentlichen Straßen und auf öffentlichen Parkplätzen abgestellt werden. Im Kasseler Stadtgebiet ist das Parken teilweise auf Pkw beschränkt, dies gelte etwa in Bereichen der Kohlenstraße, der Hersfelder Straße sowie für die Parkplätze in der Fuldaaue. Die Regelung erfasst aber nicht alle Wohnmobile, da diese auch als Pkw zugelassen sein können. Dann dürfen sie trotz Beschränkung und Beschilderung weiterhin dort parken.

Wohnmobilplatz an der Fulda

Für Kassel-Besucher bietet der Camping- und Wohnmobilplatz an der Fulda (Giesenallee 9) die Möglichkeit, Reisefahrzeuge abzustellen. Nach Angaben der Stadt gibt es 20 Plätze für Wohnmobilisten. Der Campingplatz verfüge darüber hinaus über 65 Standplätze, die auch von Wohnmobilen genutzt werden könnten. Zudem gebe es eine Freifläche für 13 weitere Caravans/Wohnmobile. 

Die Preise sind saisonabhängig. In der Saison A (9. September bis 27. Oktober) kostet ein Economyplatz 19 Euro und ein Komfortplatz 21 Euro pro Tag, in Saison B (8. Juni bis 8. September) kostet der Economyplatz 23 Euro und der Komfortplatz 25 Euro pro Tag. Im Preis enthalten sind eine Belegung mit zwei Personen, Strom, Wasser und Dusche. Mehr Infos: campingplatz-kassel.de

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