City-Kaufleute: Einkaufsvielfalt nimmt nicht ab 

Lücken auf der Königsstraße: In Kassels Innenstadt stehen zunehmend Geschäfte leer

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Statt Sportkleidung sind nur Graffiti zu sehen: die ehemalige Sportarena steht seit längerem leer

Auf der Oberen Königsstraße leidet das Einkaufsflair: Zwischen Rathaus und Königsplatz steht derzeit ein halbes Dutzend Geschäftsstandorte vom kleinen Laden bis zum mehrstöckigen Kaufhaus leer.

Besonders sichtbar ist das auf langer Strecke nahe der Einmündung Treppenstraße: Neben dem seit einem Jahr verwaisten Sportarena-Haus hat Ende März nun auch der Modeladen Mango aufgegeben.

Manche Läden, für die zurzeit per Aushang ein Nachmieter gesucht wird, waren ohnehin nur provisorisch und vorübergehend belegt: Schuh- und Mode-Outlets verabschieden sich teils nach wenigen Monaten wieder aus Kassels Innenstadt. Diese Art der Kurzzeil-Nutzung habe in jüngerer Zeit stark zugenommen, sagt Makler Alexander Alter, Vorsitzender des Immobilienverbandes Mitte (IVD). Der Grund: Bei Mietpreisen um die 100 Euro pro Quadratmeter auf der Königsstraße brauche es seine Zeit, um dauerhafte Mieter zu finden, die das mit ihrem Geschäftsmodell erwirtschaften können.

Mietpreise in Kassels Innenstadt sind hoch 

Unerschwinglich ist das nicht nur für örtliche Einzelhändler, sondern auch für Akteure wie die Stadt Kassel. Kulturdezernentin Susanne Völker hatte vor kurzem im Kulturausschuss begründet, warum die Stadt das Sportarena-Grundstück nicht als Standort für das geplante documenta-Institut in Erwägung ziehe: „Die Renditeerwartung des Eigentümers“ übersteige alle finanziellen Limits, sagte sie. Was statt dessen aus dem Gebäudekomplex werden soll, bleibt vorerst weiter offen.

Zugeklebte Schaufenster bei Mango in der Königsstraße.

Mithalten bei den Mietpreisen in dieser Lage können nur große Filialunternehmen – wie die Modekette H&M, für die zurzeit die Immobilie des früheren Modehauses Köhler aufwendig umgebaut wird. Mit der Fertigstellung im Laufe des Jahres ist allerdings absehbar, dass H&M seine bisherige, zweistöckige Ladenfläche ein paar Häuser weiter in Richtung Königsplatz freimachen wird, was dort zu neuem Leerstand führen würde. Eine Auskunft dazu gab es von H&M am Montag auf Anfrage nicht. 

Die Vereinigung der City-Kaufleute sieht keine Anzeichen, dass die Einkaufsvielfalt in Kassel abnehmen würde. Vorsitzender Alexander Wild verweist darauf, dass sich jüngst einige Filialisten wie Søstrene Grene, Peter Pane oder Dean & David neu angesiedelt hätten, dass Leerstandslücken geschlossen wurden (Deutsche Bank) oder in Kürze werden (H&M). 

Wild glaubt, dass Interessenten für leere Läden wegen des laufenden Königsstraßen-Umbaus noch zurückhaltend seien. Danach werde die City „ein Stück attraktiver“ werden.

Mango hat seit kurzer Zeit geschlossen 

Die großen Fenster des Ladens in der Königsstraße sind am Montagmorgen mit grauen Plastikbahnen verhängt. Vor kurzem befand sich hinter diesen Fenstern noch das Bekleidungsgeschäft Mango. Von schönen Klamotten ist hier nichts mehr zu sehen. 

Das weiße Rollo der Eingangstür ist heruntergefahren. Nur eine Lampe, die noch einsam unter dem Eingang leuchtet, weist darauf hin, dass hier überhaupt mal Betrieb herrschte. Eine Nachfrage in der benachbarten Parfümerie Douglas führt zu keiner neuen Erkenntnis. „Wir waren auch überrascht“, sagen die Verkäuferinnen. 

Leere Läden schmälern Einkaufserlebnis

Mango ist nicht das erste Geschäft, das in jüngster Zeit in der Innenstadt geschlossen hat. Wer bei einem Einkaufsbummel durch die Königsstraße schlendert, findet dort mehrere leere Läden vor. In der Oberen Königsstraße sind im Schaufenster des Gabor-Outlets Ausverkaufsschilder aufgehängt. Neben ihnen prangt das Schild einer Immobilienfirma. „Wir schließen“, informiert die Verkäuferin des Schuhgeschäftes. 

Der Yourfone-Shop hat ebenfalls geschlossen, außer einem Schild über dem Eingang weist nichts mehr auf seine ehemalige Existenz hin. Die Sportarena in Höhe der Treppenstraße ist auch schon länger nicht mehr da. Wer auf einen netten Schaufensterbummel hofft, wird hier enttäuscht. Neben einer Werbung für ein in Kassel ansässiges Modekaufhaus blicken Passanten nun auf ein Graffito statt auf sportliche Klamotten. Auch das ehemalige Modehaus Köhler steht momentan leer und wird gerade umgebaut. 

Hierhin zieht H&M: Baustelle des Modehauses Köhler.

Besucher der Innenstadt laufen entlang des rot-weißen Absperrzaunes vor der Baustelle, begleitet vom Brummen der Bohrmaschinen. Es wird emsig gegen den Leerstand gearbeitet, das Modegeschäft H&M zieht hier in Zukunft ein. 

Leerstand vom Rathaus bis zum Stern 

Bis das soweit ist, muss auf der Baustelle jedoch noch einiges passieren: Die Fenster mit Sperrholzplatten zugenagelt, bietet der Laden aktuell weder ein Einkaufserlebnis noch einen schönen Anblick. Der Anblick der leeren Schaufenster zieht sich vom Rathaus bis zum Stern, auch unter dem Ärztehaus am Stern gibt es Leerstand. 

In der Unteren Königsstraße ist hinter den Fenstern der Outlet-Station gähnende Leere zu erkennen und zwischen den Geschäften Lissik und Logo gibt es einen weiteren leeren Laden. Wer aktuell in der Innenstadt einkaufen möchte, guckt öfter ins Leere.

Auch an der Frankfurter Straße gibt es derzeit viel Leerstand

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