Bald neue Öffnungszeiten?

50 Jahre Markthalle in Kassel - Pachtvertrag läuft nur noch bis 2017

Neustart im April 1965: Als Erste waren die Metzger vom Entenanger in den wiederaufgebauten Marstall umgezogen. Damals war zunächst nur die obere Hallenfläche in Betrieb. Die Obst- und Gemüsehändler blieben noch eine Weile am Königsplatz. Archivfoto:  Lengemann

Der Einkauf in der Markthalle an der Tränkepforte gehört für viele zum Wochenritual. 50 Jahre ist es her, dass der kriegszerstörte Marstall von der Stadt wiederaufgebaut war.

Händler zogen damals vom Königsplatz und vom Entenanger in ihr heutiges, wettergeschütztes Domizil.

Das Jubiläum ist für die etwa 70 Marktbeschicker Anlass zum Feiern, doch derzeit ist es noch ungeklärt, wie die Zukunft für sie und ihre Kunden aussieht. Ältere Kollegen hören nach und nach auf. Lücken in den Marktstandszeilen sind ein Hinweis darauf, dass es nicht leicht ist, neue Anbieter zu gewinnen. Vor allem im Untergeschoss, bei den Fleisch- und Fischständen mit Kühltechnik, ist der Leerstand unübersehbar. Dass sich nur vereinzelt Neumieter finden, liegt nach Auffassung von Markthallen-Geschäftsführer Andreas Mannsbarth nicht am Mietpreis: „Die meisten sagen, sie würden gern, aber sie hätten einfach kein geeignetes Verkaufspersonal für einen zusätzlichen Markthallenstand.“

Händler der ersten Stunde: Seit 50 Jahren dabei sind die Betriebe von (von links) Agnes Gille, Christine Meckbach, Uwe Groh, Sabine Krug, Beate Meckbach, Ralf Happel, Ingrid Röse, Jörg Schrader, Anita Kiebach, Axel Kramer, Gerhard Derleth und Petra Schminke. Foto:  Schachtschneider

In den kommenden zwei Jahren werden die Weichen  gestellt. Denn der Pachtvertrag zwischen der Stadt Kassel und der Markthallen-Betriebs-GmbH, welche aus aktiven und ehemaligen Markthändlern besteht, läuft nur noch bis zum Mai 2017, sofern er nicht neu verhandelt wird. „Bis dahin müssen wir ein Konzept finden, wie es weitergehen soll“, sagt Geschäftsführer Mannsbarth.

Der 49-Jährige bastelt in einem Arbeitskreis mit Händlern, Stadt- und Handwerksvertretern sowie der Uni Kassel an Szenarien. „Ein wenig renovieren wird da nicht reichen, wir brauchen einen Generationenwechsel“, sagt Mannsbarth. Neue, junge Anbieter der regionalen Erzeuger- und Genießerszene müssten her. Und bei allem traditionellem Lebensmittelhandwerk müsse sich die Markthalle verstärkt um Themen wie zeitgemäße Standgestaltung oder um die Konsumentenbedürfnisse der Generation Online kümmern.

„Wir werden auch nicht umhinkommen, unsere Öffnungszeiten zu erweitern“, sagt Mannsbarth. Derzeit ist der Markt donnerstags und freitags bis 18 Uhr sowie den halben Samstag geöffnet. Das Thema sei schwierig, weil sich viele Betriebe seit Langem mit ihrem wöchentlichen Produktionsablauf auf diese Zeiten eingestellt hätten. Den stark veränderten Einkaufsgewohnheiten der Kundschaft müsse man aber Rechnung tragen.

Eine Idee sei etwa die Gründung von Erzeugergemeinschaften, die gemeinschaftlich einen Stand betreiben und sich auch das Personal teilen. „Dann könnten manche Mitglieder die ganze Woche, andere nur tageweise kommen.“

Erste Ergebnisse einer Umfrage unter den Marktbeschickern ließen darauf schließen, dass viele über 2017 hinaus weitermachen wollen, sagt Mannsbarth. Und auch alle politischen Fraktionen im Rathaus hätten ein Interesse daran, dass das Markttreiben im Marstall weitergeht.

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