Internationaler Tag der Jongleure

Ein jonglierender Vagabund: Karl-Heinz Helmschrot lebt seinen Traum

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Mag die Abwechslung beim Jonglieren: Karl-Heinz Helmschrot lässt die Flaschen fliegen

Kassel. Wasserflaschen, Regenschirme oder Zylinder - Karl-Heinz Helmschrot kann so ziemlich alles kunstvoll durch die Luft fliegen lassen. Wir haben ihn zum internationalen Tag der Jongleure getroffen und wollten wissen, was für ihn die Faszination an der Bewegungskunst ausmacht.

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Der 51-jährige Wahlberliner ist gerade für die Show "Klassentreffen" im Kasseler Variété-Theater Palais Hopp zu Gast. Helmschrot hat eine bewegte Geschichte hinter sich: Schon als Kind war er "gefesselt vom Vagabunden-Leben" im Zirkus. Jedoch blieb es bei Bewunderung - Helmschrot ging zur Schule und lebte ein normales Leben. Ein Verkehrsunfall, bei dem er nach eigenen Angaben eine Nahtod-Erfahrung machte, habe dann seine Ziele und Träume in ein neues Licht gerückt. Er entschied sich, einen radikalen Schnitt zu machen und alles hinter sich zu lassen: Wochen vor der Abi-Prüfung schmiss er die Schule - zum Entsetzen seiner Eltern - und ging nach Berlin, wo er auf der Straße Theater spielte und die Clownerie für sich entdeckte. 

Mit Clownerie, Jonglage und Schauspiel die Famile ernähren

Er war viel unterwegs: Rock'n'Roll mit dem Zirkus. Seine Eltern vertrauten ihm trotz ihrer anfänglichen Zweifel schnell. Mit 18 Jahren traf er in Straßburg eine Jongleurin, die ihm die ersten Schritt der Kunst beibrachte. Von da an war er mit dem Jonglage-Virus infiziert - es hat ihn bis heute nicht losgelassen. In seinem Job als Entertainer kann er Moderation, Schauspielerei, Clownerie und Jonglage miteinander verbinden. "Und damit eine Familie ernähren", sagt Helmschrot. Die Bewegungskunst reize ihn, "weil sie auflockert, gut tut und auch förderlich für die Querverbindungen im Hirn ist." Außerdem gefalle ihm, wie sehr man Figuren kombinieren kann: Drehungen, Pirouetten, Pliés und verschiedene Bewegungs-Improvisationen seien kein Problem. Das habe eine beruhigende Wirkung auf ihn: "Man ist gezwungen, abzuschalten." 

Mittlerweile sei der Mann nicht nur in allen deutschen Variétés, sondern auch in exotischen Spielstätten aufgetreten: Zum Beispiel, so sagt er, in Indien, Myanmar, Aserbaidschan und auf der MS Europa. 250 Shows habe er in seiner wilden Zeit jährlich gegeben. Das ist allerdings vorbei. Die Gründe: "Die ICE-Allergie, die man entwickelt", seine fünf Monate alte Tochter und seine Lebensgefährtin. 

Aktuell ist Helmschrott im Kasseler Palais Hopp im Stück "Klassentreffen" zu sehen. Das Stück wird noch bis Samstag, 3. Juni aufgeführt. 

Wer über die drei Bälle hinaus ist und weitere Herausforderungen sucht, wird unter #jonglage fündig. 

Das bewirkt Jonglage im Gehirn

Sportarten, Musikinstrumente und andere Dinge, die den Menschen motorisch fördern und fordern, haben einen positiven Effekt auf das Gehirn und das Wohlbefinden, sagt Prof. Dr. Andreas Ferbert, Direktor der Neurologischen Klinik am Klinikum Kassel. Das sind neben Jonglage beispielsweise Hammerwerfen, Ballett und Klavierspielen. 

Lernt man die Bewegungsabläufe, hat das einen Effekt auf das Gehirn: Hier werden die Verbindungen zwischen den Nervenzellen, die sogenannten Synapsen, immer wieder befeuert. Mediziner sprechen von einer Bahnung. Das bedeutet, dass die Synapse stärker ausgebildet wird - vergleichbar mit einem Muskel."

"Vereinfacht: Wenn sich die Nervenzelle nicht entscheiden kann, wem von den vielen Verknüpfungen sie die Impulse weitergeben soll, dann schickt sie die vor allem an diese, zuletzt schon mehrfach angesteuerte Nachbar-Nervenzelle", erklärt Ferbert. 

Allerdings könne man diese Veränderungen nicht mit bloßem Auge erkennen, so der Spezialist: "Kein Neurologe oder auch Pathologe kann an dem Gehirn sehen, ob ein Mensch 100 Klavierkonzerte spielen kann, oder ob er nur auf dem PC mit dem zwei-Finger-Suchsystem herumstochert." 

Deutlicher sind die Veränderungen des Wohlbefindens. "Es gibt Unlustgefühle, wenn's bei den genannten Aktivitäten nicht klappt." Gehe es dann doch "auf dem avisierten Niveau", folge ein "Hochgefühl". Der Fortschritt und auch das Wohlbefinden hänge aber auch stark von der Motivation ab, die Aktivität zu erlernen. 







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