Schlagerstar sang in der Innenstadt

Jürgen Drews in Kassel zu Gast: Ein König in der Königs-Galerie

Kassel. Der "König von Mallorca", Jürgen Drews, befindet sich auf Promotion-Tour und sang am Freitagabend auch in der Kasseler Königs-Galerie. Seine unzähligen Fans waren begeistert.

Es ist jetzt kurz nach sechs, um sechs sollte der König von Mallorca eigentlich schon auf der Bühne in der Kasseler Königs-Galerie stehen. Aber jetzt muss er erst noch ein kurzes Interview im Gang geben. „Aber wir haben nicht viel Zeit“, sagt Jürgen Drews, schaut weg und vermittelt den Eindruck, als sei ihm das Ganze lästig. „Nur zwei Fragen“, wird ihm zugesichert. Und er so: „Ja, aber du weißt ja nicht, wie lange ich antworte.“

Er schaut dann immer noch weg. Aber nach Frage eins wird klar, dass er es ernst gemeint hat. Er erzählt einfach drauf los – über sein Leben, das Bett im Kornfeld, sein Medizinstudium, seine doch sehr vernünftige Lebensweise: keine Zigaretten, ganz wenig Alkohol. Er streut Zitate auf Latein ein; er fragt zwischendurch die junge Frau am Rande, wie alt sie ist.

Als er irgendwann auch Frage zwei beantwortet hat, spricht er immer noch weiter. Und er redet auch noch, als er die Tür passiert. Die Vorstellung, mal ein Album auf Latein aufzunehmen, gefällt ihm. Dass er es könnte, bewies er in der Antwort auf Frage zwei, als er anfing zu singen – in lateinischer Sprache.

Drews sang "Ein Bett im Kornfeld" in Kassel

Jetzt aber: Raus auf die Bühne und ins Zentrum der Königs-Galerie, wo sein Publikum wartet. Es wird laut, die Masse klatscht und grölt. Der König in der Königs-Galerie – und alle stimmen sogleich ein, wenn Drews mit dem König aller Ohrwürmer startet: ein Bett im Kornfeld.

Dass Drews aber ein mindestens so großes Phänomen ist wie dieses Lied, wird beim Blick auf die Menschen klar, die ihm zuhören. Da gibt es keine spezielle Drews-Klientel, da sind alle: die Mittvierziger, die plötzlich beginnen zu tanzen; die Oma, die auf einmal die Hüften schwingt; der Vater, der sein kleines Kind im Rhythmus schüttelt.

Seine Fans sind zeitlos. Sie stehen in allen Etagen der Königs-Galerie. Was sie vereint, ist die gute Laune, wenn Drews Zeilen singt wie jene: „Jeden Stern vom Himmel hol ich Dir.“ Oder auch: „Ich bau dir ein Schloss, das in den Wolken liegt.“ Wer nur zufällig vorbeikommt, muss zumindest schmunzeln. Nur ein Passant schüttelt den Kopf und kann das alles nicht fassen.

Drews ist jetzt 72. Andere werden in dem Alter zum vierten Mal Trainer des FC Bayern München, Drews promotet sein neues Album, das Mitarbeiter während seines Auftritts verkaufen. Drews gibt Autogramme, während er seine Lippen bewegt und für Frohsinn sorgt. Er trägt rote Schuhe, ein weißes Hemd unter einer Anzugjacke, dazu einen Schal. Es ist für jeden etwas dabei: für den Jugendlichen bis hin zu dessen Großeltern. 

Großer Menschenauflauf: Die Fans von Jürgen Drews in der Königs-Galerie.

Jacke und Schal legt Drews im Laufe der Zeit ab. Irgendwann hängt die Aussicht auf seine blanke Brust nur noch von einem Knopf ab. Als er dann den „König von Mallorca“ gibt, öffnet er auch die letzte Sicherung. Er weiß, was die Leute, die zu ihm kommen, wollen. Er ist Profi. Seit einer halben Stunde erzählt er, dass nun das letzte Lied komme, aber er macht immer weiter: „Wenn ihr Zugabe wollt, mache ich Zugabe. Ich hab doch sonst nichts zu tun.“ Er singt wohl auch mit 100 noch, wenn er dann nicht gerade ein kurzes Interview gibt.

Rubriklistenbild: © Lothar Koch

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