Welt der Halbschmecker

Genmutation: Jacob-Grimm-Schülerinnen siegten bei "Jugend forscht"

+
Erfolgreiche Nachwuchsforscherinnen: Mit ihren Untersuchungen von Genmutationen kamen (von links) Jessica Grabowski, Annalena Bödiker und Felicia Walter auf den ersten Platz beim Bundeswettbewerb „Jugend forscht“ (Fachgebiet Biologie).

Kassel. Mit ihrem Projekt zum Thema "Genmutationen steuern den Geschmackssinn" siegten die drei Schülerinnen der Jacob-Grimm-Schule beim Bundeswettbewerb "Jugend forscht".

„Legen sie diesen Papierstreifen auf ihre Zunge“, sagt Felicia Walter und reicht einen schmalen Teststreifen, der nach nichts schmeckt. Anschließend nimmt sie einen zweiten Teststreifen aus einem anderen Röhrchen. Kaum liegt dieser auf der Zunge, breitet sich ein bitterer Geschmack im Mund aus. „Sie sind ein Schmecker“, erklärt die 19-Jährige.

Solche Geschmackstests waren Teil des Forschungsprojektes, mit dem Jessica Grabowski, Annalena Bödiker und Felicia Walter einen großen Erfolg gefeiert haben. Beim Bundeswettbewerb „Jugend forscht“ errangen die Schülerinnen der Jacob-Grimm-Schule im Fachgebiet Biologie den Bundessieg.

JGS-Lehrer Ingo Brauer betreut das Projekt

Sie haben untersucht, wie Genmutationen eines bestimmten Rezeptors den Geschmack steuern. „Unser Lehrer Ingo Brauer hat den Geschmackstest im Oktober 2016 mit uns gemacht.

 Und dann wollten wir wissen, wie es kommt, dass wir unterschiedlich schmecken“, erklärt Jessica Grabowski. Die Schülerinnen lasen alles, was sie zum Thema Bitterstoffrezeptor finden konnten, und stellten dabei fest, dass in der Fachliteratur nur Schmecker und Nichtschmecker beschrieben wurden. „Wir haben aber bemerkt, dass es da viele Abstufungen gab“, erinnern sie sich. Und so begannen sie zu forschen.

Sie machten den Geschmackstest mit 65 Testpersonen, entnahmen DNA-Proben, isolierten das für den Rezeptor zuständige Gen und untersuchten dieses. Wie das alles geht, das haben sich die Schülerinnen weitestgehend selbst angeeignet. Gearbeitet haben sie im Schülerforschungszentrum Nordhessen (SFN) Kassel.

 „Das SFN hat uns auch finanziell unterstützt und uns fachlich beraten“, sagt Annalena Bödiker. Unterstützung bekamen die Schülerinnen zudem von der Universität Kassel und von ihrem Lehrer Ingo Brauer, der das Projekt betreut hat.

„Er hat uns geholfen, die Arbeitsmethoden zu verstehen, uns Tipps gegeben und uns die Bedeutung unserer Ergebnisse klar gemacht“, beschreibt Jessica Grabowski. Und Felicia Walter ergänzt: „Wichtig war auch seine Motivation an Tiefpunkten“. Ein solcher Tiefpunkt trat zum Beispiel ein, als die ersten DNA-Untersuchungen keine verwertbaren Ergebnisse brachten. „Da mussten wir die Fehler finden und unsere Methoden immer wieder verbessern“, erinnert sich Felicia Walter.

„Die Schülerinnen haben experimentelle Fähigkeiten entwickelt, das war auf Universitätsniveau. Sie haben sehr intensiv und fachlich tief gearbeitet“, sagt Brauer. „Als wir dann realisiert haben, dass wir etwas entdeckt haben, das vorher weltweit noch niemand herausgefunden hatte, da waren wir schon stolz“, erklärt Annalena Bödiker. Denn das Team hat für drei bestimmte Genvariationen des Rezeptors erstmalig bestimmt, welchen Geschmack diese vermitteln.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.