Baumhain soll versetzt und ausgedünnt werden

Historiker kritisiert Baumfällung auf Friedrichsplatz: „Platzbild wird zerstört“

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Vor dem Zweiten Weltkrieg: Der Friedrichsplatz in Blickrichtung zum Preußischen Staatstheater. Unter den Bäumen flanierten die Menschen.

Die Stadt Kassel wird in den nächsten Tagen den Baumhain auf dem Friedrichsplatz roden. Das stößt beim Stadthistoriker Christian Presche auf Kritik.

37 Linden werden weichen. Sie seien in einem schlechten Zustand, so die Stadt. Im Frühjahr 2020 werden an etwa gleicher Stelle 24 neue Linden gepflanzt – allerdings rückt der Baumhain ein Stück in Richtung Königsstraße. Zudem werden zwei Linden vor dem Café gepflanzt und vier weitere neben dem benachbarten Taxistellplatz.

Die Pläne stoßen bei Stadthistoriker Christian Presche auf Kritik: „Der Baumbestand des Baumhains wird um 30 Prozent reduziert“, so Presche. Dies entspreche nicht der historischen Platzgestaltung. „Die Nachpflanzung wird mit ihren viel größeren Abständen das Straßen- und Platzbild ganz erheblich verändern. Noch dazu werden die jungen Bäume deutlich kleiner sein“, so der Historiker weiter. Dabei müsse alles dafür getan werden, den Platz wieder in seiner ursprünglichen Konzeption zu stärken.

Friedrichsplatz in Kassel verband Architektur mit Gartenkunst

Presche erinnert an die Geschichte des Friedrichsplatzes. Es handele sich um eine Gartenanlage, die Architektur und Gartenkunst verbinde. Ende des 18. Jahrhunderts war der Platz ringsum von dichten Baumreihen umstellt. Dazwischen flanierten die Menschen.

„Man bedenke, dass damals helle, ungebräunte Haut als Ideal galt, man also gerade nicht die Sonne suchte“, so Presche. 1939 wurden sämtliche Bäume von den Nationalsozialisten gefällt, um Platz zu schaffen, für den 1. Großdeutschen Reichskriegertag. In der Nachkriegszeit wurden zumindest die Baumreihen an der Seite zur Königsstraße und der Seite zum Karlsplatz neu angepflanzt.

Sollen gefällt werden: In den nächsten Tagen sollen die Linden neben dem Café Alex weichen.

In seinem Gutachten von 1989 empfahl der renommierte Stadtplaner Dieter Hoffmann-Axthelm, der auch den Wiederaufbau der Unterneustadt mitentworfen hatte, die Baumbepflanzung ringsum den Friedrichsplatz wieder zu vervollständigen.

Bäume auf Friedrichsplatz sollen gefällt werden: Stadthistoriker fordert Überdenken der Planung

Doch der Vorschlag des Planers, der den Friedrichsplatz als „europäisch einmaligen Platz vom Range des Place Concorde in Paris“ beschrieben hatte, stieß im Rathaus auf kein Echo. „Stattdessen wird nun die ohnehin bereits problematische Uneinheitlichkeit der Platzränder, die die Wahrnehmung als Platz erschwert, durch die unterschiedliche Art der Baumpflanzungen noch weiter zunehmen“, sagt Presche.

Vor dem Zweiten Weltkrieg: Unter den Bäumen des Friedrichsplatzes flanierten die Menschen.

Weil der neu geplante Baumhain zudem die Sichtachse vom Fridericianum in Richtung Treppenstraße teilweise behindere, fordert er ein Überdenken der Planungen. Die Stadt hatte stets darauf verwiesen, dass die Linden in einem schlechten Zustand seien. Sie seien auf dem Dach der Tiefgarage ohne größeren Wurzelraum gepflanzt worden.

Durch das Verrücken des Baumhains in Richtung Königsstraße seien die Bäume im Straßenbild sichtbarer und das Café Alex werde optisch in den Hain eingebunden, so die Stadt.

Auch in der Heinrich-Heine-Straße in der Kasseler Südstadt sollen Bäume gefällt werden. Dieses Vorhaben wird ebenfalls stark kritisiert.

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