Kassel in der 50ern

Als das Wirtschaftswunder in Kassel begann: Bildband mit Fotos von Carl Eberth

Die Jahre des Wiederaufbaus in Kassel hat niemand besser dokumentiert als der Fotograf Carl Eberth. 

Wie war das damals im Kassel der 1950er Jahre? Es wurde jede Menge gebaut in der vom Krieg zerstörten Stadt. Die Treppenstraße mit der ersten Fußgängerzone Deutschlands zum Beispiel. Oder die Altmarktkreuzung mit ihren damals so modernen Unterführungen für Fußgänger. 

Kiosk: Zwischen dem Hauptbahnhof und dem Hotel Reiss gibt es diesen Rundbau bis heute.

Neue Häuserzeilen entstanden ebenso wie die für die Zeit typischen Kioske. Einer war immer dabei und hat diese Epoche dokumentiert: Der Fotograf Carl Eberth (1910 bis 1991).

Stadtarchiv in Kassel hat Nachlass gekauft

Den umfangreichen Nachlass der Fotografenfamilie hat das Kasseler Stadtarchiv gekauft und wertet ihn seit Jahren aus. Stephan Franke (67), der bereits große Teile des Materials aufgearbeitet und verschlagwortet hat, ist jetzt mit einer weiteren Etappe fertig geworden. 

Eine Auswahl der schönsten Bilder ist in dem mittlerweile dritten Eberth-Fotoband des Wartberg Verlags erschienen. Unter dem Titel „Kassel im Aufbruch -– Die 50er Jahre“ wurde der jetzt im Stadtarchiv von Kulturdezernentin Susanne Völker und Archivleiter Dr. Stephan Schwenke präsentiert. Eingeladen war auch die Tochter des Fotografen, Rosemarie Eberth.

Gartenschau: Im Jahr 1955 blühte Kassel an vielen Stellen auf.

In der Bildauswahl darf natürlich die Bundesgartenschau 1955 in Kassel nicht fehlen. Die gilt als Symbol des Aufbruchs. In einer immer noch von den Ruinen des Kriegs geprägten Stadt erblühte auch im übertragenen Sinne neues Leben. Mindestens genauso prägend für Kassel war die erste documenta, die damals noch eine Begleitveranstaltung zur Gartenschau war. 

60.000 Bilder wurden bereits gesichtet

Den Kontrast von moderner Kunst und der immer noch vom Krieg gezeichneten Stadt vom Fridericianum bis zur Orangerie hat documenta-Macher Arnold Bode durchaus geschätzt. Und auch die klaren Linien der viel gescholtenen und erst später wertgeschätzten 50-er-Jahre-Architektur kann man auf vielen Fotos erkennen. Vom Besucheransturm bei der Eröffnung neuer Kaufhäuser in der Innenstadt bis zur Ansprache von Bundespräsident Theodor Heuss 1953 auf einem übervollen Friedrichsplatz präsentiert der Band viele spannende Zeitdokumente.

Unterführung: Mit Geleitschutz von mehreren Polizisten steuerte diese Frau einen Kinderwagen zur Unterführung am Altmarkt. Das Foto entstand im Frühjahr 1957. Damals war die Kreuzung gerade umgebaut worden. Die Unterführungen gibt es heute nicht mehr.

Die Archivierung und Digitalisierung der Eberth-Fotos ist mittlerweile weit fortgeschritten. 60.000 Bilder und Negative wurden gesichtet, mehrere 1000 noch nicht. Material für einen weiteren Band gibt es also reichlich.

Service:Stephan Franke: „Kassel im Aufbruch – Die 50er Jahre“, 96 Seiten, erschienen im Wartberg Verlag, 19,90 Euro.

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