Der Trabant als Lebensgefühl

30 Jahre Mauerfall: Ein Verein aus Kassel will den Trabi wiederentdecken

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Treffen vor dem Naturkundemuseum am Steinweg: Diese Trabis laufen immer noch, die meisten von ihnen in Nordhessen. Mario Wagner, der Clubvorsitzende, ist der Vierte von links. 

Der Trabi ist ein Symbol für die DDR. 30 Jahre nach der Grenzöffnung gibt es in Kassel einen Verein, der den Trabi wiederentdeckt hat.  

Sie sind zu einer Rarität auf den Straßen geworden. Doch als die blauen, beigen und der grüne Trabant zum Fototermin am Steinweg vorfahren, kommt die Erinnerung hoch. Es riecht so wie damals vor 30 Jahren als am ersten Wochenende nach der Grenzöffnung der Ausnahmezustand herrschte. Als Zigtausende von Trabants und Wartburgs aus Thüringen nach Kassel rollten. Und der charakteristische Geruch der Zweitaktmotoren alle anderen Gerüche überdeckte.

„Ganz so wie damals ist es aber nicht mehr“, sagt Mario Wagner (32). Er muss es wissen, denn er ist Vorsitzender der Interessengemeinschaft „Trabant Kader Kassel“. Das Benzin sei heute bleifrei und der Ölzusatz deutlich hochwertiger. Zudem gebe es Katalysatoren für die Zweitakter, die den Schadstoffausstoß um mehr als 90 Prozent reduzierten.

Kassel: Etwa 30 Trabis zugelassen

Trotzdem ist und bleibt der Trabi ein typisches DDR-Produkt – und riecht auch so. Um die 30 Stück sind in Kassel und Umgebung zugelassen. Am Fahrkomfort kann die Begeisterung für das liebevoll Rennpappe genannte Auto nicht liegen. Der Innenraum ist eng, die Federung spartanisch und das verbaute Material aus Kunststoff und Baumwolle – nun ja – gewöhnungsbedürftig.

„Dafür sind die Trabis unverwüstlich“, sagt Mario Wagner. Freunde von ihm hätten gerade ein vor über zehn Jahren stillgelegtes Exemplar für einige 100 Euro gekauft. Sprit rein, eine neue Batterie angeschlossen, zwei Versuche und der Motor lief – Wahnsinn.

Die Liebe für dieses nach Rasenmäher riechende Auto weckte der Opa von Mario Wagner, der in Mühlhausen (Thüringen) lebte. Seinen ersten eigenen Trabant hat er bereits 2002 für wenig Geld gekauft. Damals hatte er noch gar keinen Führerschein.

Später gönnte sich Mario Wagner einen 26 PS starken Trabant 601 S De-Luxe. 600 Euro hat der gekostet. Die Version „Gletscherblau“ mit weißem Dach sei vom Hersteller als Alleinstellungsmerkmal gepriesen worden, sagt der Trabifan, der Wirtschaftswissenschaften studiert hat. Möglicherweise sei das aber auch die Farbe gewesen, die gerade vorrätig war.

Verein in Kassel hat verschiedene Trabi-Modelle

Egal, im Verein gibt es jedenfalls ganz verschiedene Trabant-Modelle aus der Anfangszeit der Fertigung in den frühen 1960-er Jahren bis zum Kübelwagen der Nationalen Volksarmee (NVA). Die Preise für diese Fahrzeuge sind in den vergangenen Jahren ständig gestiegen. Je weniger von ihnen auf dem Markt sind, umso teurer werden die Trabis. Für die zahlen Liebhaber mittlerweile fünfstellige Summen.

Auch weil die Zweitakter mehr sind als einfach nur alte Autos. Der Trabi von Mario Wagner hat zum Beispiel eine für die Autoindustrie der DDR typische Geschichte. Vom Vorbesitzer – das zeigt der Blick in die Papiere – wurde das Auto im Jahr 1976 bestellt. Die Lieferzeit wirkt aus heutiger Sicht nahezu unglaublich, war aber ein Stück DDR-Alltag. Denn ausgeliefert wurde der Trabant erst 14 Jahre später, also ein Jahr nach dem Mauerfall kurz vor dem Ende der DDR.

Kontakt: trabant-kader-kassel.de

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